BaumschützerInnen-Info vom 02.05.08

Wurzelaufgrabungen in der Wasserwechselzone

Probleme für die Bäume verursachen auch die unterschiedlichen, schichtweisen Bodensubstrate (Sand — Lehm) sowie die Auffüllungen mit Schutt und Industriemüll. Manche Baumarten, z. B. die Erle, können sich durch spezifische Wurzelausbildungen zwar teilweise anpassen, doch gleichwohl wird ihre Lebenserwartung auf diesen Extremstandorten drastisch verringert. — Im Anschluss an Fällungen im Zuge des Ausbaus des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals hat man durch Aufgrabungen Wurzelverläufe und -verteilungen exemplarisch untersucht und dabei festgestellt, dass in den oberen Bodenschichten eine dichte Verwurzlung zu finden ist — oft in einem Radius von 40 m —, während es darunter relativ wenige Wurzeln gibt, starke Wurzeln aber mitunter bis in eine Tiefe von acht Metern reichen!

Angesichts der extremen Standortbedingungen wird schon im Gutachten ein detailliertes Pflegewerk dringend angeraten, doch mit Blick auf das Alter der vorliegenden Untersuchungen zu Vegetationsbestand und Schädigungsgrad bedarf nach Auffassung Prof. Geyers das Gutachten in mehrerlei Hinsicht dringend einer Aktualisierung, im Hinblick auf die anstehenden Sanierungsmaßnahmen zudem auch einer Erweiterung!

Da sich nämlich bei dicht an der Ufermauer stehenden Bäumen im Bereich der Wasserwechselzone, ein besonders dichtes, für die Versorgung der Krone unverzichtbares Wurzelgeflecht ausgebildet hat, kann eine Sanierung für solche Uferbäume gravierende Probleme mit sich bringen. Genau in diesem Bereich befindet sich nämlich jene marode bzw. ganz ausgespülte Ziegelflachschicht, die zur Wiederherstellung eines kraftschlüssigen Verbundes ersetzt werden muss. Eine Betoninjektion könnte also durchaus den baldigen Abgang des betroffenen Baums zur Folge haben. Kernbohrungen liefern über die tatsächlichen Wurzelverläufe keinen hinreichenden Aufschluss, sondern hier müssen, wenn der Baum erhalten werden soll, zur Vorbereitung der Baumaßnahme spezielle Suchgräben angelegt werden [eine Forderung, die übrigens — das sei hier angemerkt — Dr. Barsig schon in einem sehr frühen Stadium der Debatte erhoben hat!]

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2 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    4. Mai, 2008 um 21:08

    Korrektur: Ein dichtes Netz von Feinwurzeln findet sich einerseits an Stellen mit erhöhtem Nährstoffangebot (Straßenseitig, Gehwegseitig wg. Hundekot etc.), anderseits in der Wasserwechselzone bzw. nah am Grundwasser. Das kann bei hohen Uferböschungen also sehr wohl einige Meter tief sein. Im Zwischenbereich sind Feinwurzeln eher selten ausgeprägt. Lehm ist im Urstromtal unüblich. Verschiedene Substrate sind größtenteils antropogenen Ursprungs.

  2. blindfisch said,

    6. Juni, 2008 um 10:36

    Hier sollte man genau auf den verwendenten Beton achten. Es gibt durchaus wurzelverträgliche Sorten, d.h. bei der ganzen Sanierung muß sensibel gearbeitet und jedes Detail genau durchdacht werden.

    „Eine Betoninjektion könnte also durchaus den baldigen Abgang des betroffenen Baums zur Folge haben.“


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