BaumschützerInnen-Info vom 02.05.08

Notwendigkeit einer aktualisierten Bestandsaufnahme

In der sich anschließenden Diskussion wurde die Notwendigkeit einer aktualisierten Bestandsaufnahme unterstrichen, beginnend beim Baumkataster, aus dem bspw. die Reststandzeiten hervorgehen müssen. Angesichts der sektoralen Grünflächenpflege unter Leitung von gleich fünf bezirklichen Ämtern dürfe das Gesamtkonzept nicht verloren gehen, über den Perlen nicht die Schnur und ihre Funktion, die verschiedenen Stadtstrukturen und Gestaltqualitäten zusammenzuhalten.

Damit ließen sich naturschutzfachliche Erfordernisse und solche der Erhaltung des Landschaftsbilds leicht vereinbaren — Lenné hatte Natur- wie Kulturschutz im Focus —, doch auch Naturschutzbelange müssten gegen die Tatsache abgewogen werden, dass der LWK ein städtebauliches Element sei mit einem Mindestmaß zulässiger Nutzung, eben eine „benutzbare Schönheit“ [sic!]. Demgegenüber wurde, auch mit Blick auf die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der EU, die ökologische Bedeutung der Wanderkorridor- und Verbindungsfunktion des Kanals zwischen verinselten urbanen Habitaten betont — die aber laut Prof. Geyer weniger durch das Fehlen von Strauchvegetation und Unterwuchs als durch versiegelte Wegequerungen beeinträchtigt werde — und in diesem Kontext erneut eine floristische und faunistische Kartierung angemahnt. Wünschbar sei eine Erfassung der naturschutzfachlichen Wertigkeit der verschiedenen Uferabschnitte, kurz: der Biotopwertstufen, doch ob der Senat hierfür Mittel bereitstellt, Frau Mangold-Zatti (SenStadt) zufolge zumindest fraglich.

Nachtrag

Aus den uns leider erst spät und übers Mediationsteam zugegangenen PPT-Dateien zu Prof. Geyers Vortrag zitieren wir folgenden vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog:

Maßnahmenbedarf zum Schutz & zur Weiterentwicklung

  • Angesichts der extremen Standortbedinungen entlang des Landwehrkanals (Trockenheit, geringer Wurzelraum, Schadstoffbelastung der Böden und Luft) wurden bereits 1991 für die kanalbegleitenden Alleen und Grünflächen eine differenzierte Zustandserfassung und ein Pflegewerk empfohlen. Da die Belastungen nach dem Mauerfall drastisch zugenommen haben, wäre ein solches Pflegewerk heute umso dringender. [Hervorheb. BaL]
  • Die einzelnen Alleebäume und Grünflächen müssten katastermäßig erfasst und regelmäßig auf ihren Zustand hin kontrolliert werden.
  • Bei einzelnen Arten ist in absehbarer Zeit art- bzw. schädlingsbedingt mit dem Abgang ganzer Alleenabschnitte zu rechnen.
  • Ältere Baumbestände sollten artbezogen auf die zu erwartende Reststandzeit beeinträchtigter Einzelbäumehin untersucht werden, um frühzeitig geeignete Maßnahmen bis hin zu Neu-bzw. Nachflanzungen veranlassen zu können.
  • Zukünftige Allee-Pflanzungen und Baumreihen sollten an erster Stelle Artenkombinationen der 1880er Jahren aufgreifen und mit den Arten des gegenüberliegenden Ufers abgestimmt werden. Als Ersatz sind inzwischen auch Resistenta-Ulmen denkbar, außerdem je nach Kronenraum und Wüchsigkeit Populus berolinensis, Populus simonii, Ulmus pumila var. arborea.
  • Die laufende Entwicklungs- und Unterhaltungspflege wären dem regelmäßig ermittelten Maßnahmenbedarf ständig anzupassen.
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