BaumschützerInnen-Info vom 20.04.08

Einladung der Bürgerinitiative Bäume für Kreuzberg

An alle, die sich für BürgerInnenbeteiligung, die Gestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs und den Erhalt unserer Stadtnatur interessieren:

Kommt zahlreich zur
BürgerInnenversammlung

am Montag, 21. April, 18:30 Uhr
ins Alevitische Kulturzentrum in der
Waldemarstr. 20/Ecke Leuschnerdamm!

Eine halbe Stunde früher, also um 18:00 Uhr, startet eine offizielle Begehung am Drachenbrunnen/Oranienplatz.

Wie berichtet, haben die Grünen in Kreuzberg, allen voran Bürgermeister Franz Schulz, bereits eingeräumt,

  • dass die BürgerInnenbeteiligung an der Planung der Neugestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs, zumindest was den Abschnitt südlich der Waldemarbrücke angeht, nicht ausreichend war;
  • dass es hier um den bekannten Zielkonflikt zwischen Denkmal- und Naturschutz geht;
  • dass eine Leitbild-Diskussion zwischen allen Beteiligten noch aussteht;
  • dass diese Diskussion ergebnisoffen geführt werden muss und
  • dass die BürgerInnenversammlung am 21. April dazu Auftakt sein soll.

Zur Rekapitulation

Hauptstreitpunkt des bisherigen, vom Planungsbüro TOPOS erstellten und im Verkehrsausschuss Anfang 2007 auch abgenickten Konzepts ist die beabsichtigte Ausschachtung und Tieferlegung der sog. Nordpromenade um 1,60 m. Dem würde fast der gesamte derzeitige Bestand an Bäumen und Büschen zum Opfer fallen!

Warum diese Tierferlegung?

Der Gartenarchitekt und Vorreiter der Volksparkbewegung, Erwin Barth, hatte Ende der 20er Jahre des vergangen Jahrhunderts die Idee, den Grünzug auf dem Gelände des zugeschütteten Luisenstädtischen Kanals so zu gestalten, dass die Perspektive schräg von unten an den Häusern empor beim Flanieren den Eindruck erwecke, man bewege sich nach wie vor auf einem Kanal.

Argumente und Gegenargumente

Tatsächlich wurden in den letzten Jahren auch alte Treppenanlagen entdeckt, weitere werden gerade ausgebuddelt, und diese archäologischen Funde von doch eher begrenzter Spektakularität sollen nun rechtfertigen, dass eine in den 80er Jahren unter wirklicher BürgerInnenbeteiliung entstandene, infolge notorisch knapper Pflegemittel seither zugegebenermaßen etwas verwahrloste Parkanlage gerodet, ja geradezuLuisenstädtische Gartenanlage nach Erwin Barth geschleift und in eine große Baustelle mit all ihren Widrigkeiten verwandelt wird, bevor wir dereinst auf historischen Treppen in eine mauergesäumte Senke hinabsteigen, um uns in rechtwinklig klinkergefassten Nischen auf Bänken der Sonne auszusetzen, die für die Arbeiterfamilien aus den Mietskasernen der Weimarer Zeit sicherlich Mangelware war, in Zeiten von Ozonloch und allgemeiner Klimaerwärmung allerdings nur mehr in homöopathischen Dosen bekömmlich ist. Die andererseits gehäuft zu erwartenden sommerlichen Starkregen werden demgegenüber mit Sicherheit die Authentizität des Kanaleindrucks erhöhen, wie ja bereits jetzt in tiefer liegenden Bereichen regelrechte Feuchtbiotope entstehen.

Andere Argumente lauten, der Grünzug müsse von Spree bis Landwehrkanal und zwischen dem „Ostbezirk“ Mitte und dem „Westbezirk“ Kreuzberg auch deshalb einheitlich und aus einem Guss gestaltet werden, um Kriegsfolgen, Mauer und Teilung auch auf diese Weise zu überwinden. — Mal ganz davon abgesehen, dass auch im Bereich des ehemaligen „Blütenstaudengarten“ zwischen Melchior- und Köpenicker Straße nach starken Anwohner-Protesten, insbesondere der Initiative Mauerstreifen, auf die vom Bezirk Mitte und dem Bürgerverein Luisenstadt favorisierte Tieferlegung verzichtet wird — es geht also doch! —, ist es durchaus diskussionswürdig, ob überhaupt versucht werden sollte, die Geschichte der Teilung durch einen Einheitsstil ungeschehen zu machen.

Respektierung der Stadtteil-Geschichte!

Zwischen Waldemarbrücke und Oranienplatz aber befand sich nun mal kein Todesstreifen, sondern hier ist vielmehr ein historisches Beispiel zu besichtigen, wie BürgerInnen sich vor aller AGENDA-21-Proklamation ehrenamtlich und erfolgreich an der Gestaltung ihres Wohnumfelds beteiligten.

Andererseits wird gerade eine Tieferlegung, also ein Graben im allgemeinen als teilend und trennend empfunden, was sich z. B. dann sehr gut nachfühlen lässt, wenn man vom sog. Waldpflanzengarten zur Waldemarbrücke spaziert: Von der östlichen auf die westliche Seite des Damms zu gelangen, ist umständlich und nur auf Umwegen möglich, wenn man nicht klettern und Mauer springen will: Einst Verbundenes wurde geteilt.

Gartendenkmalpflege im Spannungsfeld

Für diese Planung soll aus dem Senatstopf für Städtebaulichen Denkmalschutz eine erste Tranche von 600.000 Euro fließen, was der Sache natürlich eine gehörige Eigendynamik verleiht. Es ist also entscheidend, zunächst einmal auszuloten, an welche Auflagen von historizistischer Denkmalgerechtigkeit die Mittelvergaben gebunden ist und wie es um die Kompromissfähigkeit der Gartendenkmalpflege bestellt ist. Wir wollen die anwesenden VertreterInnen des Landesdenkmalamts dazu befragen. In der Taut-Siedlung und der Oderberger Str. in Prenzlauer Berg, im Großen Tiergarten, am Lauenburger Platz in Steglitz oder im Kleistpark in Schöneberg wurden in jüngeren Vergangenheit recht unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Unsere entsprechenden Nachfragen ans Bezirksamt blieben jedenfalls unbeantwortet.

Für breiten Informations- und Meinungsaustausch in ergebnisoffener Debatte!

Umso wichtiger wird die Bürgerversammlung am kommenden Montag. Das von Baustadträtin Jutta Kalepky unterzeichnete Einladungsschreiben an die BI hat, wie berichtet, die Zweifel daran bestärkt, ob es der Verwaltung überhaupt um wirkliche Bürgerbeteiligung geht, indem lediglich eine Vorstellung der bisherigen Planungsstufen von TOPOS angekündigt wird sowie dessen, was jetzt umgesetzt werden soll. Die zahlreichen Anregungen der BürgerInnen in den letzten Wochen seien bereits eingeflossen.

Die BI Bäume für Kreuzberg wünscht hingegen, wie gesagt, keine PowerPoint-gestützte Infoveranstaltung, sondern besteht auf der bereits zugesicherten ergebnisoffenen Leitbilddiskussion! Insofern sie bereits erarbeitete Planungsvarianten als Diskussionsgrundlage akzeptiert, noch bevor besagte Leitbilddiskussion auch nur ansatzweise begonnen wurde, hat sie bereits eine gewichtige Vorleistung erbracht und darf deshalb verlangen, dass auch die ökologisch ausgerichteten Planungen aus den 80er Jahren gleichrangig neben den eher denkmalorientierten als mögliche Varianten diskutiert werden! Planer, Künstler und Aktive von damals werden unter den Anwesenden sein!

Darum möchten wir unsererseits alle an einer naturnahen Grünflächen- und Gartendenkmalpflege Interessierten zu dieser BürgerInnenversammlung einladen, die wir als Beginn eines Diskussionsprozesses mit jenen verstehen, denen es eher um originalgetreue historische Rekonstruktion zu tun ist, damit am Ende die Umsetzung einer Sanierungsplanung für den Luisenstädtischen Grünzug steht, die von den BürgerInnen nicht nur akzeptiert, sondern auch gewünscht und begrüßt und deren Ergebnis von ihnen mitgepflegt und erhalten werden wird, da sie an seiner Entwicklung partizipierten.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Ausführlicher Flyer hier • Unterschriftenliste zum Ausdrucken hier • Einladungsflyer hier

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