BaumschützerInnen-Info vom 20.04.08

Begrenzte Innovation: Das neueste Schiff von Stern und Kreis

Bis ganz zum Schluss hat sich Jürgen Loch, Geschäftsführer von Stern + Kreis, beharrlich gegenüber den Mitgliedern des Mediationsforums wie auch des Arbeitskreises zur nachhaltigen Schifffahrt darüber ausgeschwiegen, dass sich seine Reederei ganz aktuell und konkret um Innovation bemüht, im letzten Halbjahr von der Schiffswerft Bolle GmbH Derben ein topmodernes Fahrgastschiff hat bauen lassen und es als 31. Schiff der Flotte morgen (17.4.) zu High Noon von der Gattin des Volksbankdirektors im Treptower Hafen auf den edlen Namen Pergamon taufen lassen wird.

Ob es sich um einen geschichtsträchtigen Augenblick handeln wird, darf freilich bezweifelt werden, denn wenn auch der neue, futuristisch gestylte Fahrgastdampfer äußerlich frappierend einem Solarschiff ähnelt, handelt es sich bei seiner den Antrieb besorgenden 160-kw-Maschine von IVECO nach wie vor um einen Dieselmotor, jedoch, so meldet zumindest der Lifestyle Presseservice, um den allermodernsten. Und weil der die momentan gültigen EU-Abgasnormen um knapp ein Drittel unterschreitet, gab’s auch Fördergeld vom Bundesverkehrsministerium (BMVBS).

Welche Art Filtertechnologie zum Einsatz kommt, wird nicht berichtet. Uns aber wird immerhin klar, warum Jürgen Loch die Offerte des Berliner Senats, gratis an einem Pilotprojekt zum Testen italienischer Papierfilter teilzunehmen, so reserviert aufnahm und auf die Zuständigkeit des Bundes pochte. Und angesichts der Absicht der Arbeitskreismitglieder Nachhaltige Schifffahrt, das BMVBS zu bewegen, noch nachträglich ein LWK-Schiff in sein Filtertest-Programm aufzunehmen, wird er wohl still in sich hineingelächelt haben, wie er auch dazu schwieg, wenn sich Riedel-Geschäftsführer Freise über die geringe Höhe der Fördermittel aus dem BMVBS beklagte.

Für die BürgervertreterInnen besteht also tatsächlich kein Anlass, den Reedern ausgerechnet in punkto Modernisierung fossiler Antriebstechnologien öffentliche Förderprogramme schmackhaft zu machen, dafür aber umso mehr Grund, eine konsequente Förderung wirklich innovativer, nämlich rundum emissionsfreier Alternativen zu fordern sowie eine Verbesserung der entsprechenden Rahmenbedingungen am und auf dem LWK, auf dass die Berliner Fahrgastschiffer zum eigenen wie zum Nutzen aller hier endlich den Anschluss schaffen.

Jürgen Lochs vielstrapaziertes Argument, die verfügbaren Solarschiffe seien für die Kapazitätsanforderungen auf dem LWK einfach zu klein, wird durch die Pergamon übrigens ganz nebenbei entkräftet: Wie die solarbetriebene Alstersonne fasst sie auch nur 120 Passagiere.

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