Neues vom Luisenstädtischen Grünzug und der BI Bäume für Kreuzberg:

Die Grabung nach Argumenten wird fortgesetzt

Seit Beginn dieser Woche wird an der Ritterstraße gebaggert und nach dem südlichen Treppenausgang, also offenbar nach weiteren Argumenten gegraben, den Mittelweg des Luisenstädtischen Grünzugs wie geplantGrabung01 1,60 Meter tiefer zu legen und damit dem gesamten vorhandenen Baum- und Strauchbestand buchstäblich das Erdreich abzugraben. — Obwohl die Fraktion von Bündnis ’90/Die Grünen in der BVV der BI Bäume für Kreuzberg vollmundig Offenheit und Transparenz versprach, bedurfte es vieler vergeblicher Telefonate und energischer Mails, bis man sich schließlich zu einem lauen Dementi herbeiließ, wonach der Augenschein trüge und keine Fakten geschaffen würden.

BürgerInnenbeteiligung neu organisieren und Leitbild-Diskussion führen!

Dass hingegen schon die Informierung der BürgerInnen über das Vorhaben nicht ausreichte, geschweige denn ihre Beteiligung an den Planungen zur Sanierung des Grünzugs, hatten vorher gegenüber der BI nicht nur Mitglieder der grünen Fraktion, sondern hatte Bürgermeister Schulz auch persönlich eingeräumt: Bei der Kontroverse, die sich insbesondere an der seit den archäologischen Funden Ende 2006 „noch denkmalgerechter“ ausgerichteten Konzeption entzündet hat, handele es sich, wie auch anderswo in der Stadt, um den bekannten Zielkonflikt zwischen Denkmal- und Naturschutz, der weder genügend thematisiert noch auch im Rahmen einer möglichst breiten öffentlichen Leitbild-Diskussion ausgetragen worden sei. Dies nachzuholen, solle die nächste Bürgerversammlung der Auftakt sein.

UmgrabungBaustadträtin Jutta Kalepky, die (hoffentlich zum Thema!) übrigens schon letzten Freitag eine Zusammenkunft mit dem Denkmalschutz hatte, betonte ihrerseits mehrfach, dass für den südlichen Teil des Grünzugs ab Oranienplatz „noch alles offen“ sei, wenngleich es natürlich Planungen gäbe, die aber jetzt, angesichts der aktuellen Entwicklungen, vom Büro TOPOS überarbeitet würden. Zusammen mit neuen Varianten zur Nordpromenade, worin nunmehr versucht werden solle, den vorhandenen Baumbestand weitgehend zu integrieren, würden sie auf besagter Bürgerversammlung, die „zwischen dem 21. und 24. April“ stattfände, vorgestellt, die BürgervertreterInnen jedenfalls auf dem laufenden gehalten.

Kommt zur Großen BürgerInnenversammlung!

Der Bürgerverein Luisenstadt, der sich bekanntlich auf Grund der „diffamierenden Unterstellungen“ verschiedener Gruppierungen aus der Organisation der Bügerbeteiligung wie auch der Durchführung dieser Veranstaltung verabschiedet hat, weiß immerhin schon länger Genaueres über Ort und Zeit dieser wichtigen Versammlung:

Montag, 21. April, 18:30 Uhr
im Alevitischen Kulturzentrum
in der Waldemarstraße 20

In seinem Schaukasten auf dem O-Platz annoncierte er freilich nach wie vor den 9.4., und auf seiner Website wahlweise den 21. und den 24. (aber wir wollen hier nichts unterstellen!), und es bedurfte seitens der Bäume für Kreuzberg einiger Bemühungen, eine Bestätigung zu erhalten: Sie kam schließlich auch nicht vom Amt, sondern vom Grünen-Bezirksverordneten Daniel Wesener. Über das, was die Baustadträtin mit der Denkmalpflege verhandelt hat, ist allerdings auch ihm nichts bekannt.

Vermittlung zwischen Denkmal- und Naturschutz!

Gleichwohl wäre es schon wichtig zu erfahren, ob Frau Kalepky versucht hat, die Spielräume auszuloten, die es seitens des Denkmalamts doch geben muss, denn bereits für eine weniger denkmalrigoristischeTreppe Sanierungsplanung wurden ja die 600.000 Euro aus dem Topf „Städtebaulicher Denkmalschutz“ befürwortet und bewilligt. Erst jene Funde stellten alles wieder in Frage, veranlassten die neue Planung und machen nun eine neuerliche Befürwortung nötig. Es kommt mithin ganz darauf an, wie man jetzt gegenüber den Denkmalschützern argumentiert: ob man sagt, die BürgerInnen favorisieren die „0-Variante“, wollen alles so lassen, wie es ist, und bilden sich überdies ein, die Gelder könnten dann zweckentfremdet für andere Dinge verausgabt werden, wofür es angeblich ungleich dringender wäre —, oder man sagt, in Zeiten von Klimawandel, Artenschwund und gestiegener BürgerInnen-Sensibilität für Naturschutz seien Altbaumbestand und gewachsene Stadtnatur ein öffentliches Gut, das es mit dem öffentlichen Gut Denkmalpflege und -wiederherstellung abzuwägen, wo es Kompromisse zu finden gelte, gerade wenn es um Gartendenkmale geht, ohne eben vorschnell zu sagen, dafür gebräche es den banausichen Laien schlicht am Verständnis.

Sanierung im Geiste Erwin Barths!

Und hier ist übrigens Pfarrer Duntze vom Bürgerverein ganz ähnlicher Meinung wie die Leute aus der BI: dass es nämlich gerade einem immer noch oder wieder zeitgemäßen Gartenarchitekten wie Erwin Barth darum gegangen sei, „Natur in die Stadt zu holen“ und für die Menschen erlebbar zu machen, indem er etwa aus einem nutzlos gewordenen Kanal wie dem Luisenstädtischen, einer hässlichen Narbe in der Landschaft, einen Bezirke übergreifenden Grünzug gestaltet und ihn durch Untergliederung in verschiedene thematische Abschnitte — den Waldpflanzen-, den Wildblumen-, den Immergrüngarten usw. —, zu einem innerstädtischen botanischen Erlebnis- und Lehrpfad werden lässt. — Im Schatten der Wirtschaftskrise jedoch wurden Barths Pläne nur sehr eingeschrumpft umgesetzt; es ist nicht überliefert, wie er ihre Verwirklichung beurteilt hat.

Heutzutage haben wir freilich keinen trockengefallenen Kanal mehr allererst in eine Grünoase zu verwandeln, sondern vielmehr die Gelegenheit, auf dem Gebiet des alten SO 36 einen in den 80er Jahren im Zuge der IBA und unter beachtlicher BürgerInnenbeteiligung bereits konzeptionell gestalteten — als Stichwort möge hier Flusslauf statt Kanal genügen —, wenn auch inzwischen auf Grund mangelnder Pflege unbestritten (etwas) verwahrlosten Grünzug im Barthschen Geist als einen besonderen thematischen Abschnitt in eine Gesamtkonzeption zu integrieren.

Da ist jedenfalls der Denkmalschutz aufgerufen darzulegen, warum ausgerechnet die Rekonstruktion einer Billigausgabe der Barthschen Vision die allein denkmalgerechte heißen darf, ganz davon abgesehen, dass es Erwin Barth mit Sicherheit nicht darum ging, Gartendenkmale zu schaffen, sondern den StädterInnen Natur zu vergegenwärtig. Die

BürgerInnen-Versammlung
am 21. April ab 18:30 Uhr im
Alevitischen Kulturzentrum
in der Waldemarstraße 20/
Ecke Leuschner Damm

bietet dazu hoffentlich Gelegenheit!

Transparent

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1 Kommentar

  1. xonra said,

    10. April, 2008 um 21:39

    Der heutige Zustand ist ein Ergebnis von Bürgerbeteiligung. Das Gemäuer darunter ist offenbar historisch wertvoller als das, was in den 1980er Jahren mit Bürgerbeteiligung gestaltet worden ist. Oder haben wir es hier etwa mit einem ABM-Projekt für Landschaftsplaner zu tun? Das wäre ja wirklich eine neue Variante in der Geschichte des Luisenstädtischen Kanals. ABM für das Akademische Proletariat.


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