BaumschützerInnen-Info vom 31.03.08

Exakte Vermessung der gesicherten Bäume

Tachymeter

Tachymeter

Bei der Nachbereitung unserer gemeinsamen Begehung der Uferabschnitte mit den gesicherten Bäumen am 3.3.08 war WSA-Ingenieur Tassilo Henniger die Idee gekommen, jeden Uferbaum exakt zu vermessen, so dass die BI vom Vorhaben, exemplarische Bäume zu besteigen und im jeweiligen Abstand von 1,70 m vom Ufer (dem Verlauf der geplanten Spundwandtrasse) in den entsprechend erforderlichen Arbeitshöhen von 10 m bzw. 6,50 m zu markieren, zunächst zurückstellen kann.

Die Infos dazu und über den genauen Zeitpunkt der Vermessungsarbeiten erreichten uns leider ziemlich spät, so dass wir uns erst am dritten und letzten Tag, nämlich am 27. März, selbst ein Bild machen und Herrn Martin und seinem Assistenten beim Messen über die Schulter schauen konnten.

Tempelhofer Ufer02

Tempelhofer Ufer

Zum Einsatz kam Schweizer geodätische Präzision vom Feinsten, nämlich ein Leica-Tachymeter mit Laserentfernungsmesser, der reflektorlos auf nahezu jeder Oberfläche messen kann. Anvisierte Geländepunkte werden durch exakte Bestimmung der Horizontal- und Vertikalwinkeln definiert, und ein integrierter Kleincomputer errechnet automatisch ein zwei- oder auch dreidimensionales Abbild. In unserem Fall wurde allerdings noch ein Reflektorstab benutzt, der bei jedem Uferbaum (die Dicke maß der Assistent mit einem analogen Zollstock) zunächst auf der Mauerkrone positioniert und dann parallel zur Böschungsschräge bis knapp über die Wasseroberfläche gehalten wurde. Die errechneten Messwerte übertrug Martin per Bleistift ins Messtischblatt.

Tempelhofer Ufer01

Tempelhofer Ufer

Probleme mit Bäumen werden vorwiegend am Corneliusufer gesehen, wo zwar nur die Hälfte der Kastanien mit ihren Ästen überhaupt über die Ufermauer reiche und von diesen wiederum nur die Hälfte über jene, 1,70 m von der Mauer entfernten Linie, wo die Spundwandtrasse verlaufen wird, hinausrage, doch bei diesen 25 Prozent seien selbst im Fall von nur 6,50 m Arbeitshöhe, die ja auch eine halbierte Spundbohle immer noch verlangt, Starkäste im Wege. Zum Herkulesufer wurden keine Angaben gemacht. Die Kappung von Ästen minderer Dicke sei allerdings an vielen Stellen wohl unvermeidlich. Die Weiden am Schöneberger Ufer müssten viele Ruten lassen, während die Situation bei den Linden am Tempelhofer Ufer (ausgenommen bei der ersten aus Richtung Fußgängerübergang) eher unproblematisch sei. — Aber dies sind auch nur vorläufige Infos. Die exakten Messergebnisse werden uns erst in zwei bis drei Wochen zur Verfügung gestellt.

Wenn’s dann Ernst wird, ist jedoch eine Kontrolle und Mitentscheidungsbefugnis vor Ort nach wie vor unumgänglich, denn es sind bei den Binde- oder Schnittarbeiten mit Sicherheit Ad-hoc-Entscheidungen gefragt, welche nicht vom Messblatt oder vom Schreibtisch aus möglich sind. Die Biegefähigkeit der Äste muss z. B. vor Ort getestet werden, und insofern ist auch ein Besteigen der Bäume weiterhin sinnvoll.

[Auf dem früheren Foto unten markiert der gelbe Schwimmer den Verlauf der Spundwandtrasse.]

Schöneberger Ufer
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Infos unserer Schwester-BI Bäume für Kreuzberg

Wer wünscht eigentlich eine Umgestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs?

Nachösterlicher Spaziergang mit Baustadträtin Kalepky lässt viele Fragen offen

Rund 25 AnwohnerInnen und Interessierte, darunter auch manche junge Mutter mit Kind, waren der Einladung von Baustadträtin Jutta Kalepky an Claudia Peter von der BI Bäume für Kreuzberg gefolgt und trafen sich Donnerstag (27. März) zum nachösterlichen Spaziergang in nur wenig wärmender Nachmittagssonne an der umstrittenen Pappelgruppe nahe Waldemarbrücke, um über das weitere Schicksal des Grünzugs entlang des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals und insbesondere seiner Bäume zu sprechen.

Frau Beyer vom Grünflächenamt ließ sich aus Termingründen entschuldigen, Frau Kalepky kam ohne Begleitung bzw. verließ sich allein aufs bekanntermaßen zuweilen etwas unberechenbare Sekundieren des grünen Bezirksverordneten Günther Schuhmacher, und so verdient ihr unerschrockenes Sicheinlassen auf die leicht gereizt wirkenden SO36erInnen jedenfalls durchaus Dank und Anerkennung!

Eigentlich wolle sie weder über Sicht- noch Symmetrieachsen sprechen, erklärte die Baustadträtin zur Begrüßung, sondernOsterspaziergang nur darüber, welche einzelnen Bäume bei einer denkmalgerechten Umgestaltung womöglich gerettet werden können, und schon die Formulierung „Rekonstruktion“ behage ihr in diesem Zusammenhang überhaupt nicht. Vielmehr gehe es um die planerische Gestaltung des Übergangs zwischen dem bereits sanierten Abschnitt ums Engelbecken mit seinen Pergolas, dem Waldpflanz- und Rosengarten einerseits und jener Strecke von der Waldemarbrücke bis zum Drachenbrunnen vorm O-Platz andererseits — und auch nicht darüber hinaus, denn entgegen anders lautender Informationen (z. B. seitens des Bürgervereins Luisenstadt) sei bis Reichenberger Straße oder gar Urbanhafen noch alles offen und eine Leitbild-Diskussion allererst noch anzustoßen.

Über Pläne wurde im folgenden viel geredet, Frau Kalepky führte im Rucksack auch einige mit sich, doch immer, wenn sich jemand der Anwesenden auf einen konkret beziehen wollte, wurde sie oder er beschieden: der sei ja längst nicht mehr aktuell und vom offenbar unablässig fortdauernden Planungsprozess schon wieder überholt. Wenn AnwohnerInnen anhand von Skizzen noch einmal ihre Befürchtung deutlich machen wollten, wonach doch offenbar der überwiegende Teil des vorhandenen Baumbestands verschwinden solle, wurden diese Skizzen umgehend für irrelevant erklärt, mochten sie auch von der Website des Bezirksamts selber stammen.

Auch über die Bewertung eben jenes ersten, 2007 fertig gestellten Abschnitts gingen die Ansichten von Amtsleiterin und BürgerInnen diametral auseinander: Diese sahen den Unterschied weniger zwischen kultivierter, ästhetisch ansprechender Parkanlage im Geiste Erwin Barths auf der einen, anarchisch sich selbst überlassenem Wildwuchs auf der anderen Seite, sondern vielmehr eine linear bis rechtwinklig barockisierende Konzeption, die vor lauter Blumenrabatten keinen Baum mehr übriglässt, gegenüber einer organisch entwickelten, lebendig mäandernden, von den NutzerInnen geschätzten Anlage, bei deren Gestaltung bspw. im effektvollen Arrangieren mächtiger Natursteinblöcke auch Kosten nicht gescheut wurden.

Die Diskussion mäanderte nun allerdings ihrerseits einigermaßen regellos dahin. Weder gelang es, sich über so etwas wieOsterspaziergang02 eine Tagesordnung zu einigen, noch sich über den Gebrauch von Begriffen wie „historisch“ oder „natürlich“ zu verständigen, geschweige darüber, in welchem partizipativen Verfahren denn nun jenes „Leitbild“ entwickelt worden sei, welchem nach den berühmten archäologischen Ausgrabungen um die Jahreswende 2006/7 die frühere Planung geopfert wurde. Diese war nach Meinung der AnwohnerInnen viel behutsamer mit dem Vorhandenen umgegangen, hatte z. B. eine Absenkung des Mittelwegs lediglich um 60 cm vorgesehen und eine bloß dreistufige Treppe, von zwei Rampen flankiert, die auch Behinderten oder Eltern mit Kinderwagen problemlosen Zugang ermöglichen würden. — Auf Grund der Entdeckung jener historischen Treppe jedoch sehe der auch in der Info- und Fragestunde am 12.3. im Rathaus vorgelegte Plan nun eine Niveauabsenkung des Hauptwegs um exakt 1,87 m vor, und die folglich viel höhere Treppe weise nun keine Rampen mehr auf, so dass der konzipierte „Hohlweg“ für Behinderte nur mehr von einer Seite her zugänglich sei.

Die rechtwinklig-regelmäßigen Nischen für Ruhebänke [eine historische Aufnahme findet sich hier]; die Abböschungen, die den gravierenden Niveauunterschied zum umliegenden Straßenland allmählich überbrücken sollen, dafür aber die Bäume kosten: all dies stieß auf Skepsis und fast einhelliges Kopfschütteln. Wieder und wieder wurde der in Zeiten immer heißerer Sommer, galoppierenden Artensterbens bei unverdrossen fortschreitender Versiegelung und Verdichtung gar nicht zu überschätzende Wert alter Bäume und gewachsener Biotope betont, wogegen man den Wert historischer Konzeptionen doch schließlich abzuwägen habe —, allein nicht einmal über Bedeutung und Begriff von Stadtnatur schien eine Verständigung möglich. Laut Jutta Kalepky müsse die nun einmal kultiviert werden, während es für die sich freier entfaltende in Kreuzberg ja die entsprechenden Areale auf dem Gelände des Gleisdreicks gäbe…

Nach gut einer Stunde verabschiedete sich die Stadträtin für diesmal aus der leidenschaftlich und teilweise erregt geführten Debatte. Die Forderungen nach Umleitung der Denkmalschutz-Gelder in lohnendere Projekte; nach Baumschutz-PlakatVerbesserung von Pflege und Erhalt des Bestehenden, mit dem die NutzerInnen und ihre Kinder doch offenbar vollauf zufrieden sind; nach Wiederaufnahme der Leitbilddiskussion auch für den in Rede stehenden Bereich —, diese Forderungen scheinen aus administrativer Sicht offenbar nicht ausreichend qualifiziert.

Die große Bürgerversammlung, die nunmehr auf Ende April terminiert ist, wenn das Planungsbüro TOPOS und Frau Bergander (hoffentlich) alternative Konzepte entwickelt haben werden, soll indessen Gelegenheit bieten, unter diesmal breiterer BürgerInnenbeteiligung das Themenspektrum im Licht der jüngsten Erfahrungen noch einmal gründlich zu diskutieren. — Dass bis dahin, wenn auch unausgesprochen, ein Fällmoratorium beobachtet wird, immer vorausgesetzt!

Der Kampf geht weiter!

Trotz Zerstörung ihres Gemeischaftsgartens:
die Nachbarschaftsinitiative Rosa Rose gibt nicht auf

Vier Jahre lang kultivierten AnwohnerInnen verschiedener Nationalitäten — Hausfrauen, ArchitektInnen, RentnerInnen Garten 2006— ein brachliegendes Grundstück in der Friedrichshainer Kinzigstraße 11-15 als Nachbarschafts- und Naturgarten, nannten ihn Rosa-Rose-Garten, lernten beim gemeinsamen Gärtnern einander kennen, ernteten biodynamisches Gemüse, schnitten ungespritzte Blumen, buken bei geselligen Zusammenkünften Brot im Lehmofen, gestalteten liebevoll auch eine virtuelle Präsenz…, und sogar das Auge der Behörde ruhte wohlgefällig auf ihrem Tun: Senat und Bezirk lobten das Gemeinschaftsprojekt als gelungenes Beispiel für Integration. Von der Zwangsversteigerung des Geländes will man nichts gewusst haben, und auch die Gartenfreunde erfuhren nichts.

Ein Herr Kreuzer von der Firma Gefiplan, die das Grundstück als Bauland erworben hat, schlug alle Vermittlungsversuche, in die sich auchZerstörter Lehmofen Bürgermeister Schulz persönlich einschaltete, in den Wind und schuf, kaum dass er die Baugenehmigung in der Tasche hatte, letzten Freitag (14.3.) unter Polizeischutz und den Augen der fassungslosen Rosa-Rose-Leute mit brachialer Rücksichtslosigkeit vollendete Tatsachen. In kaum einer halben Stunde wurde ein vierjähriges Gemeischaftswerk mit deutscher Gründlichkeit verwüstet. — Die Presse berichtete, und auch Franz Schulz reagierte betroffen. [Obiges Foto zeigt den zerstörten Lehmofen.]

Die Nachbarschaftsinitiative Rosa Rose allerdings gibt so schnell nicht auf. Lest hier ihre Presseerklärung, besucht ihre Website [mehr Bilder gibt’s hier…] und unterstützt diese und andere Initiativen, denen derzeit verschärft ähnliches droht: die Verdrängung durch privaten Eigennutz.

Nachbarschaftsinitiative Rosa Rose

 

Die Bäume am Landwehrkanal unterstützen ausdrücklich die Forderungen an die Politik, endlich ernst zu machen mit BürgerInnenbeteiligung im Sinne der vom Abgeordnetenhaus am 8.6.2006 beschlossenen Lokalen Agenda 21, die um’s vielleicht noch mal in Erinnerung zu rufen — der lokalen Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele von Rio dienen soll. Dies kann aber nur geschehen, wenn endlich Nägel mit Köpfen gemacht und auch die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, auf dass sich BürgerInnen für eine ökologisch zukunftsfähige (Um-)Gestaltung ihres Lebens- und Wohnbereichs ganz real und nicht nur in Festreden der PolitikerInnen und auf Hochglanzpapier engagieren können.

Neues zum Luisenstädtischen Grünzug

Bürgermeister Schulz antwortet den Bäumen für Kreuzberg

In seinem Antwortschreiben auf den Offenen Brief der BI Bäume für Kreuzberg, der wie berichtet gegen die geplante Opferung fast des gesamten Baumbestands zugunsten einer rigiden denkmalgerechten Rekonstruktion desVerletzte Pappeln an der Waldemarbrücke Luisenstädtischen Grünzugs protestierte (siehe auch hier und hier), verweist Bürgermeister Schulz, was Beteiligungsverfahren und Leitbildentwicklung betreffe, zunächst einmal auf die Zuständigkeit seiner Baustadträtin, um sodann die langjährigen Verdienste hervorzuheben, die sich der Bürgerverein Luisenstadt bei der Organisation von Bürgerbeteiligung an der Stadterneuerung und Verkehrsplanung im Bereich der historischen Luisenstadt erworben habe: „Mit der Entscheidung Berlins, abweichend von der bisherigen Förderkulisse Ost des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz auch den Luisenstädtischen Kanal (Abschnitt Kreuzberg) zu fördern, bemühte sich auch der Bürgerverein um die Kommunikation und Begleitung des Kreuzberger Vorhabens.“

Die „denkmalgetreuere Variante“ wurde ohne BürgerInnenbeteiligung gewählt!

Mal abgesehen davon, dass der genannte Bürgerverein bei diesem Bemühen offenkundig grandios gescheitert ist, und zwar spätestens seit angesichts jener sensationellen archäologischen Funde einiger Mauerreste der Entschluss gefasst wurde, „die ursprünglich abgestimmte Planung durch eine denkmalgetreuere Variante zu ersetzen“ (Schulz), zweifeln jetzt auch schon manche, ob es sich bei den 200.000 Euro fürs lfd. Jahr zur Verfügung stehender Fördermitteln eigentlich um Gelder aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz Ost“ handelt, die für genuin denkmalpflegerische Zwecke, etwa Kirchenrestaurierungen, verausgabt werden müssen, oder nicht vielmehr um Mittel aus dem Programm „Stadtumbau Ost“, die auch Sanierungs- und Quartiersmanagement-Gebieten, wie es die Gegend um den Oranienplatz ja nun mal ist, zur Verfügung gestellt werden. — Dann nämlich würden sie auch nicht einfach verfallen, wenn man von der plangetreuen Rekonstruktion des Barthschen Konzepts Abstriche machen, etwa im Bereich von Bäumen auf die 1,60-Meter-Absenkung verzichten und auch die berühmte Sichtachse nicht streng über Kimme und Korn anvisieren würde.

Im Übrigen würden Franz Schulz‘ Behauptung, wonach sich „der Oranienplatz […] mit dieser Sanierungsmaßnahme von einer zugigen und tristen Verkehrsfläche wieder zu einem an seine alte Bedeutung anknüpfenden Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität für die Anwohner/innen entwickelt [hat]“, angesichts der auch hier erfolgten Baumfällungen zahlreiche dieser AnwohnerInnen mitnichten unterschreiben.

Im Hinblick auf Mikroklima, Umwelt-, Natur- und Artenschutz scheint es zudem längst überfällig, Bäumen und auch sog. Spontanaufwuchs ein Existenz- und Entfaltungsrecht unabhängig von überkommenen gartendenkmal-ästhethetischen Vorstellungen einzuräumen!

CDU-Eilantrag auf Fällung abgeschmettert!

Genau aus dem oben genannten Grund eines befürchteten Verfallens der Fördermittel stellte die CDU-Fraktion auf der BVV am vergangenen Mittwoch (19.3.) einen Dringlichkeitsantrag auf sofortige Fällung der umkämpften Pappelgruppe an der Waldemarbrücke, während das Argument, man müsse den Vögeln bei der Aufnahme des Brutgeschäfts zuvorkommen, getrost als nachrangig betrachtet werden kann. Frappierend nur, dass sich auch die SPD-Fraktion diesem Antrag noch angeschlossen haben soll*. Immerhin wurde er gemeinsam von Grünen und Linken abgeschmettert!

Bürgerversammlung verschoben

Obschon sowohl der Bezirksbürgermeister als auch Mitglieder der Grünen-Fraktion entsprechend auf die Baustadträtin einzuwirken versprachen, ziert sich Jutta Kalepky nach wie vor, das Wort Fällmoratorium in den Mund zu nehmen, und wär’s auch nur bis zum 9. April, dem Tag der schon länger angekündigten großen Bürgerversammlung. – Da das beauftragte Planungsbüro TOPOS jetzt aber doch über alternative, den Baumbestand integrierende Konzepte nachdenken will, die damit befasste Mitarbeiterin aber gerade urlaubt, wurde besagte Veranstaltung bis auf weiteres verschoben.

Es würde ja nun wenig Sinn machen, Varianten mit weitgehendem Erhalt der Bäume zu konzipieren und dieselben währenddessen zu fällen, so dass also ein auch saisonal angezeigter Optimismus erlaubt sein müsste. Hoffentlich haben die Bäume mehr als nur eine Galgenfrist!

Ortsbegehung mit Baustadträtin Kalepky am 27.3.

Ein nachösterlicher Spaziergang mit der Baustadträtin wurde für den 27. März ab 15:30 Uhr verabredet. Die BI Bäume für Kreuzberg hofft, dass sich trotz Osterpause möglichst viele Interessierte einfinden.

Sollte dem aber wider Erwarten nicht so sein, würden alternativ in kleiner Runde im Kuchen-Kaiser die vielen noch offenen Fragen, für die während jener Info- und Fragestunde am 12.3. im Rathaus keine Zeit blieb, gemeinsam erörtert und die Begehung zu einem späteren Zeitpunkt, aber noch vor der Bürgerversammlung nachgeholt. Die BI bittet um Rückmeldung, wer am Osterspaziergang teilnimmt, unter baeume.luisenstadt@googlemail.com.

*Diese Information war falsch. Die SPD-Fraktion hat gegen den CDU-Antrag einer sofortigen Fällung gestimmt. — Wir bitten den Irrtum zu entschuldigen.

Nachtrag

Namens des Bürgervereins Luisenstadt hat uns inzwischen (22.3.) eine Stellungnahme erreicht, worin sich der Bürgerverein

  1. gegen die vielfältig im Internet verlautbarte Behauptung, er sei rassistisch, verwahrt. „Die aus seiner Internetseite angeführten Zitate sind verkürzt zitiert und böswillig interpretiert.“
    Ohne jetzt gleich die Rassismus-Keule schwingen zu wollen, würden wir diesem gängigen Vorwurf tendenziösen Zitierens gerne mit einem Zitat des gesamten Kontexts begegnen, doch dies ist uns leider unmöglich gemacht: Die Website des Bürgervereins wurde zwischenzeitlich einer politisch korrekten Schnellreinigung unterzogen.*
  2. haben wir weniger kritisiert, dass der Bürgerverein „ein Verein der Hausbesitzer und Eigentümer“ sei, als dass auf seinen Versammlungen Kreuzberger Mitglieder regelmäßig Minoritäten-Status genießen.
  3. sind wir ebenfalls der Meinung, dass es „im Konflikt um die Bäume an der Waldemarbrücke […] nicht allein um die Pappeln [geht]“, allein überm abrupten Hochschalten aufs „Leitbild für den Luisenstädtischen Kanal in seiner gesamten Länge durch beide Bezirke“, wird ganz vergessen, dass es auch um besagte Pappeln geht bzw. gehen muss. — Und dass der BV seit 2004 „die öffentliche Diskussion um das Leitbild für den Kreuzberger Bereich fordert“, ist löblich, doch wurde er nicht auch beauftragt (und bezahlt), eine breite Bürgerbeteiligung an dieser Diskussion zu organisieren?
  4. Welche stadtplanerischen Konsequenzen der Mauerfall für SO 36 im Allgemeinen und für die Gestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs im Besonderen haben sollte, muss natürlich Thema dieser so öffentlichen wie offenen Diskussion sein, während die TOPOS-Planung zumindest für den Nordabschnitt des Grünzugs bereits ihren Abschluss suggeriert.
  5. und letztens erklärt der Bürgerverein, dass er die Bürgerbeteiligung im Kreuzberger Bereich, die er nicht organisiert hat, nun auch weiterhin nicht organisieren will, aber: „Seine Position zur Gestaltung der Promenaden wird er in den Bürgerversammlungen vertreten.“

Dem sehen wir mit Spannung entgegen und hoffen bis dahin, dass nicht etwa Diskussionsgegenstände vorauseilend abgesägt werden!


*Die inkriminierte und mittlerweile getilgte Stelle lautete: „Die Mehrzahl der bisherigen Nutzer waren trinkfreudige Arbeitslose, schwer geschädigte Alkoholkranke und türkische Rentner. Allzu viele Nutzer betrachteten den Platz als Verbrauchsgut, d.h. wie viel Müll oder Zerstörung man hinterließ, spielte keine Rolle. Andere Nutzer, wie z.B. Familien mit Kindern, deutsche Rentner, erholungsbedürftige oder ordnungsliebende Einzelpersonen etc. mieden den Ort.“ [Dank an Rainer!]

Die Stinker dampfen wieder ab!

Senat lädt zur kostenlosen Teilnahme an Feldversuch mit italienischer Filteranlage ein, doch die Reeder sind nicht interessiert

Nun berichtet schon der rbb [Video siehe hier] über die mit Saisonbeginn von neuem heraufziehenden unhaltbaren Zustände, für welche die Fahrgastschifffahrt mit ihren filterlosen Dieselmotoren — Umweltzone hin oder her — auf BerlinsFahrgastschiff Gewässern sorgt. In der rbb-Wirtschaftssendung Was! vom Montagabend kamen Anwohner zu Wort, die sich über „die Stinker“ oder den regelrechten Rußteppich über dem Wasser beschweren, wenn die Schiffsmotoren allmorgendlich im Treptower oder Urbanhafen halbstundenweise warm laufen, so das man noch bis in den 4. Stock was davon habe.

Und die Reeder erzählen nur die halbe Wahrheit: Mangels Nachfrage wurden in Deutschland bislang keine Filteranlagen für Schiffsmotoren zur Serienreife entwickelt, doch das heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Auf den Schweizer Seen z. B. sind sie inzwischen Pflicht. Die Senatsverwaltung für Gesundheit lässt zurzeit ein System erproben, das in italienischen Bussen gut funktioniert, und die Teilnahme an diesem Versuch würde die Reeder nichts kosten, doch Jürgen Loch, Geschäftsführer von Stern und Kreis, winkt ab: Für die Berliner Wasserstraßen sei nun mal der Bund zuständig, und da würden schon Versuche laufen, die auch grundsätzlich begrüßt würden. Aber: „Ich halte relativ wenig davon, wenn sich viele unabhängig voneinander damit beschäftigen, sondern das sollte man schon sehr gezielt tun…“ — In der Tat: Jürgen Loch hat eine ganz eigene Sicht auf Innovation und Wettbewerb.

Auf der anderen Seite können Rußpartikelfilter keine zukunftsfähige Alternative sein, denn sie schreiben die Verwendung fossiler Antriebsstoffe nur fort. Die Binnenschiffe könnten wesentlich besser und nachhaltiger mit elektrischen Antrieben nachgerüstet werden, die auf Wasserstoff/Brennstoffzellen oder auf Solarenergie basieren, deutlich weniger bis null Emissionen verursachen und last not least angesichts explodierender Ölpreise Kosten sparen. Solche technischen Varianten sollten zumindest ebenfalls für Pilotprojekte in Betracht gezogen werden und werden auch anlässlich unserer nächsten Sitzung im Arbeitskreis Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt am 28.3. thematisiert.

Wir laden auch an dieser Stelle die Senatsverwaltung für Gesundheit und insbesondere den für Umweltpolitik zuständigen Abteilungsleiter, Herrn Dr. Breitenkamp, oder einen Vertreter ganz herzlich zur Teilnahme ein!

BaumschützerInnen-Info vom 17.03.08

Von der fünften Sitzung des Mediationsforums

Bodensondierung und neue Risikobewertung

Auf ihrer jüngsten Sitzung haben sich die Mitglieder des Mediationsforums noch einmal über die Beschlussvorlage zum Umgang mit den gesicherten Bäumen gebeugt, doch der Änderungsvorschlag, den ein BI-Vertreter zu Punkt 6 („Geophysikalische Bodensondierung der zu sichernden Uferabschnitte“) eingebracht hatte, wurde, obwohl wir die Formulierung für logisch klarer und inhaltlich offener halten, vom WSA leider abgelehnt.

Dennoch erlauben wir uns, sie hier zu zitieren, um noch einmal kurz auf eine grundlegende Problematik einzugehen: „Als Grundlage einer erneuten Risikobewertung für die betroffenen Uferabschnitte sind geophysikalische Untersuchungsmethoden zur Hohlraum- und Wurzelsondierung durchzuführen. Dabei sind im Rahmen eines Pilotprojekts auch noninvasive (z. B. georadiologische) Untersuchungsmethoden zu erproben. Die generierten Messergebnisse sind als Entscheidungsgrundlage für die Sicherung der Uferabschnitte heranzuziehen.“

Hier wird die Begründung, warum überhaupt noch Bodensondierungen durchgeführt werden sollen, an den Anfang gestellt: nämlich um eine erneute Risikobewertung vorzunehmen. Und diese wäre (anders als die seinerzeit von der Bundesanstalt für Wasserbau durchgeführte, die bekanntlich von Dämmen mit Container-Bäumen ausging) die erste spezifische! — Wenn aber georadiologische Verfahren z. B. wegen der besonderen Bodenbeschaffenheit (Schutt!) ausscheiden, sollte deswegen auf eine neuerliche Risikobewertung nicht verzichtet werden, sondern dann müssten eben konventionelle Methoden wie Aufgrabungen zum Einsatz kommen. — Dieser Auffassung hat nun Amtsleiter Scholz ausdrücklich zugestimmt.

Die Firma Wiebe und der Göttinger Professor Weihs sollen in der nächsten Sitzung des AK Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen ihre jeweiligen radiologischen Methoden erläutern, wobei freilich angemerkt werden muss, dass beide dazu bereits Gelegenheit hatten und beim WSA auch schon gleichermaßen auf Skepsis gestoßen sind. Amtsvertreter fragen zudem generell nach dem Zweck solcher kostspieligen Sondierungen. Wenn man ohnehin nur Hohlräume unmittelbar hinter und unterhalb des Bauwerks vermutet, wäre eine ausgedehnte Böschungssondierung tatsächlich obsolet. Bleibt allerdings zu fragen, ob damit nicht auch ein gewichtiges Argument für die Sicherung der Bäume durch die Betonklötze entfallen ist.

BaumschützerInnen-Info vom 17.03.08

Zur Kampfmittelsondierung und anderen technischen Details

Die Annahme der BI, dass die Kampfmittelsondierungen bereits flächendeckend bzw. zumindest dort erfolgt seien, wo abgesichert werden musste, beruht lt. WSA auf einem Missverständnis: Zur Vorbereitung von Unterhaltungsmaßnahmen sei dies bislang nur im Bereich Großbeeren- und Kottbusser Brücke sowie am Maybachufer geschehen. Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass nicht überall das gleiche Verfahren angewandt werden könne.

Da bisher leider immer nur scheibchenweise technische Möglichkeiten sowie Verfahrensdetails enthüllt wurden, vor allem natürlich was die Spundwand-Einpressung betrifft — Stückelung ist möglich; ist nur einmal mittig möglich; ist aus statischen Gründen nur bei höchstens zwei nebeneinander einzubringenden Bohlen möglich usw. —, wird es in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen hierzu also noch weitere Erläuterungen geben.

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