Die Stinker dampfen wieder ab!

Senat lädt zur kostenlosen Teilnahme an Feldversuch mit italienischer Filteranlage ein, doch die Reeder sind nicht interessiert

Nun berichtet schon der rbb [Video siehe hier] über die mit Saisonbeginn von neuem heraufziehenden unhaltbaren Zustände, für welche die Fahrgastschifffahrt mit ihren filterlosen Dieselmotoren — Umweltzone hin oder her — auf BerlinsFahrgastschiff Gewässern sorgt. In der rbb-Wirtschaftssendung Was! vom Montagabend kamen Anwohner zu Wort, die sich über „die Stinker“ oder den regelrechten Rußteppich über dem Wasser beschweren, wenn die Schiffsmotoren allmorgendlich im Treptower oder Urbanhafen halbstundenweise warm laufen, so das man noch bis in den 4. Stock was davon habe.

Und die Reeder erzählen nur die halbe Wahrheit: Mangels Nachfrage wurden in Deutschland bislang keine Filteranlagen für Schiffsmotoren zur Serienreife entwickelt, doch das heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Auf den Schweizer Seen z. B. sind sie inzwischen Pflicht. Die Senatsverwaltung für Gesundheit lässt zurzeit ein System erproben, das in italienischen Bussen gut funktioniert, und die Teilnahme an diesem Versuch würde die Reeder nichts kosten, doch Jürgen Loch, Geschäftsführer von Stern und Kreis, winkt ab: Für die Berliner Wasserstraßen sei nun mal der Bund zuständig, und da würden schon Versuche laufen, die auch grundsätzlich begrüßt würden. Aber: „Ich halte relativ wenig davon, wenn sich viele unabhängig voneinander damit beschäftigen, sondern das sollte man schon sehr gezielt tun…“ — In der Tat: Jürgen Loch hat eine ganz eigene Sicht auf Innovation und Wettbewerb.

Auf der anderen Seite können Rußpartikelfilter keine zukunftsfähige Alternative sein, denn sie schreiben die Verwendung fossiler Antriebsstoffe nur fort. Die Binnenschiffe könnten wesentlich besser und nachhaltiger mit elektrischen Antrieben nachgerüstet werden, die auf Wasserstoff/Brennstoffzellen oder auf Solarenergie basieren, deutlich weniger bis null Emissionen verursachen und last not least angesichts explodierender Ölpreise Kosten sparen. Solche technischen Varianten sollten zumindest ebenfalls für Pilotprojekte in Betracht gezogen werden und werden auch anlässlich unserer nächsten Sitzung im Arbeitskreis Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt am 28.3. thematisiert.

Wir laden auch an dieser Stelle die Senatsverwaltung für Gesundheit und insbesondere den für Umweltpolitik zuständigen Abteilungsleiter, Herrn Dr. Breitenkamp, oder einen Vertreter ganz herzlich zur Teilnahme ein!

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2 Kommentare

  1. xonra said,

    18. März, 2008 um 12:22

    Deutlich wird bei diesem Interview, dass durch die von Herrn Loch erklärte „Nichtzuständigkeit der Senatsverwaltung für Umwelt und Gesundheit“ ein sogenannter „rechtsfreier Raum“ auf Spree und Landwehrkanal entsteht.

  2. Helke said,

    27. März, 2008 um 21:50

    Das ist genau das gleiche Verhalten, das das Wasser- und Schiffahrts-Amt jahrelang vorgeführt hat: wenn das, was der Senat meint, der eigenen Meinung nicht entspricht, wird er einfach ignoriert oder – wenn man dem WSA auf die Füße tritt, gibt es auch schriftlich die Erklärung, dass der Senat keinerlei Rechte an den Wasserstraßen bzw. an den auf dem Wasser und neben dem Wasser erfolgenden Geschehnissen habe. Machtkämpfe, die immer wieder aufbrechen ……


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