BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Was „Emma“ nicht gelang, will Jutta besorgen…

Entschlossener Einsatz von AnwohnerInnen verhinderte Fällung der Pappelgruppen an der Waldemarbrücke — vorerst!

Fällkommando

Fällkommando

Noch vor sieben heute früh geriet die Welt um den Oranienplatz in Unordnung: Die Beobachtungsposten in oberen Etagen von Häusern nahe Waldemarbrücke sichteten ein Fahrzeug der Fa. GVS Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, verdächtige Baumschnitzel im offenen Laderaum, eine Hebebühne im Schlepp. Über eine Telefonkette wurden Mitglieder der jungen BI „Bäume für Kreuzberg“ alarmiert und eilten den bedrohten Pappeln zu Hilfe, doch unversehens rückte das Fällkommando wieder ab — zu einer Notfällung gerufen, wie sich später herausstellte. Die BaumschützerInnen retirierten in ihre Behausungen, nur um gegen elf Uhr abermals alarmiert zu werden.

Polizei

Polizei

Der Transit mit insgesamt vier Arbeitern war zurückgekehrt, die nun unverzüglich Ernst machten und für die Umsetzung des Firmenmottos „Gekonnt Vegetation Schaffen“ erst mal Platz schaffen wollten: Das Gelände wurde mit Flatterleine abgesperrt, die Hebebühne ausgefahren, die Kettensägen angeworfen, und ratz fatz waren von zwei der hohen kerngesunden Pappeln, die gerade unbeschadet „Emma“ getrotzt und alle gutachterlichen Behauptungen mangelnder Standsicherheit Lügen gestraft hatten, die ersten starken Äste abgesäbelt. Die herbeigeeilten AnwohnerInnen missachteten die Absperrung und drangen unter lautem Protestgeschrei zu ihren Bäumen vor, was wiederum die Arbeiter veranlasste herabzukommen, um nach ihrem Verständnis Ordnung zu schaffen. Zum lautstarken Verdruss des Vorarbeiters wusste die inzwischen auf etwa 20 Personen angewachsene Menge jedoch von da an beherzt zu verhindern, dass auch nur noch ein einziger weiterer Ast abgesägt wurde.

Nicht fällen!

Keine Bäume fällen!

Der auf dem Schauplatz zwei Mann und eine Frau hoch erschienenen Polizei konnte der Fälltrupp keinerlei Genehmigung vorweisen. MedienvertreterInnen und Bezirksverordnete der Grünen tauchten auf, drei Kiddies skandierten unablässig „Wir sind dagegen, keine Bäume fällen!“, und so mussten die GVS-Mannen unter dem Jubel der BaumschützerInnen schließlich abziehen, nahmen’s gelassen mit Ausnahme ihres Vorarbeiters, der seit 25 Berufsjahren noch keine Fällgenehmigung benötigt haben will und trotzig versprach, morgen noch früher wiederzukommen…

Für die ursprünglich bereits am vergangenen Mittwoch fälligen beiden Baumgruppen von insgesamt etwa zehn Pappeln schien noch am Wochenende in letzter Minute ein Aufschub erwirkt; Baustadträtin Kalepky hatte sich gesprächsbereit gegeben, in mehreren Telefonaten das Schaffen vollendeter Tatsachen per Nacht-und-Nebel-Aktion definitiv ausgeschlossen und ein baldiges Treffen mit den AnwohnerInnen in Aussicht gestellt, die die sog. denkmalgerechte Rekonstruktion, welche angeblich auch noch mit ihrer Billigung erfolgt und der bis auf zwei Ausnahmen sukzessive alle Bäume und „wildgewachsenen“ Büsche entlang des Luisenstädtischen Grünzugs geopfert werden sollen, entschieden ablehnen.

Vergangenen Freitag nahmen BürgervertreterInnen mit baumsachverständigem Beistand im Rathaus Kreuzberg Akteneinsicht und staunten nicht schlecht angesichts der wahrhaft windigen Gutachten, die, von keiner sorgfältigen Einzeluntersuchung angekränkelt, ohne jede fachlich nachvollziehbare Begründung, gewissermaßen aus der Vogelperspektive die Pappeln als „für den Standort völlig ungeeignet“ und für ihren Stammumfang als zu hoch deklarieren. Aus der zunächst empfohlenen Einkürzung wurde — offensichtlich auf Intervention des Auftraggebers hin — eine dringend angeratene Rodung und sodann übrigens sehr richtig konstatiert, dass, wenn nur einige Bäume beseitigt würden, die übrigen bei Stürmen erst recht „umsturzbedroht“ wären. — Im Grünflächenamt weiß man übrigens nichts von einer mangelnden Verkehrssicherheit der Pappeln, sondern nur, dass sie einer Planung im Wege stünden.

Und den Unterlagen zum Bürgerbeteiligungsverfahren sieht man den Zeitdruck an, unter dem längst feststehende Ergebnisse erzielt werden mussten. Die Stimmen derer, die auch im Bürgerverein Luisenstadt gegen Fällungen votierten, wurden schlicht unterdrückt. — Im übrigen ist es durchaus nicht so, dass Mittel der Denkmalbehörde nur bei einer 1:1-Umsetzung von Originalplänen fließen: Davon zeugt z. B. ein zu einem historischen Ensemble gehörendes Schulgelände, dass nach den Vorstellungen lebendiger Kinder gestaltet werden darf.

Die Durchführung des Bürgerbeteiligungsverfahrens zur Umgestaltung des Oranienplatzes und die Organisation solcher Verfahren im Bezirk überhaupt werfen mithin eine ganze Reihe von Fragen auf, die Mitglieder der neu gegründeten BI Bäume für Kreuzberg in einem Offenen Brief direkt an Bürgermeister Franz Schulz richteten.

Was da heute veranstaltet wurde, war jedenfalls eindeutiger Wortbruch und heimtückisches Vorgehen à la Brockelmann en miniature! Es steht zu hoffen, dass Frau Kalepky in der heutigen Sitzung der Grünenfraktion einen schweren Stand hatte und nunmehr bereit ist, öffentlich ein Fällmoratorium mindestens bis zum 9. April zu erklären, dem Zeitpunkt einer neuen BürgerInnenversammlung. Im übrigen muss auch und gerade in Kreuzberg endlich ernst gemacht werden mit BürgerInnenbeteiligung und Schluss sein mit manipulierten Alibiveranstaltungen und kaltschnäuzigen Überrumplungsmanövern!

Kommt morgen früh zur Waldemarbrücke
und zu den dortigen Treffen
montags & donnerstags ab 18 Uhr!
Tragt Euch in die Unterschriftenlisten ein!

Mit dem 1. März hat die Vegetations- und Brutperiode begonnen,
mit dem Fällen muss schon deshalb endlich Schluss sein!

Die elf Pappeln an der Waldemarbrücke
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BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Themen der 2. Sitzung des Arbeitskreises Nachhaltige Schifffahrt und Wirtschaft (28.02.):

Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit

Angesichts der während der letzten Saison, ungeachtet wiederholter Ermahnungen an Reeder und Schiffsführer, registrierten Geschwindigkeitsüberschreitungen (durchschnittlich 2,5 km/h) der Fahrgastschiffe und der Tatsache, dass die Wasserschutzpolizei personell und materiell zu effektiver Kontrolle nicht in der Lage ist, wurde von einem BI-Mitglied vorgeschlagen, gemeinsam mit TU-Studenten der Ingenieurwissenschaften die Geschwindigkeitsmessungen auch während der kommenden Saison fortzusetzen bzw. entsprechende Messstationen zu unterhalten sowie Anzeigetafeln aufzustellen, doch wird dafür weder seitens der Reeder noch des WSA eine Notwendigkeit gesehen. Neue, dem Einrichtungsverkehr und dem Wegfall der Vorschleusung Rechnung tragende Fahrpläne nähmen von den Schiffsführern den psychischen Druck, Verspätungen herausholen zu müssen. Der Vertreter von Stern und Kreis schlägt stichprobenartige Messungen vor und verspricht zudem, alle Schiffe mit GPS auszurüsten.

Die Vorschriften zur Geschwindigkeitsbegrenzung und Vermeidung von Wellenschlag sind laut Jens Dingler vom Schifffahrtsbüro im Elektronischen Informationssystem für Binnenwasserstraßen (elwis) zugänglich, doch leider konnten wir sie dort nicht finden… Überhaupt erhebt sich die Frage, wie die Einhaltung des Vermeidungsgebots von Wellenschlag überhaupt kontrolliert wird. Und besteht nicht vielmehr die Notwendigkeit, die existierende Flotte danach zu beurteilen, ob sie diese Vorschriften technisch überhaupt einhalten kann? Laut Max Hiller vom Wirtschaftsverband Wassersport hingegen werden Sog und Wellenschlag erst bei Geschwindigkeiten von über 10 km/h zum Problem, während Jörg Augsten vom WSA eine Verwechslung mit Schwall und Sunk konstatiert, an dieser Stelle aber nicht theoretisieren mag, sondern anlässlich der gemeinsamen Befahrung des LWK am 4. April praktischen Anschauungsunterricht in Aussicht stellt.

Bettina Kummerlöw, u. a. Leiterin der Wasserstraßenüberwachung beim WSA, spricht von einem System Schiff-Wasserstraße: Hier müssten jeweils schiffstypisch die Auswirkungen auf die Uferwände ermittelt werden. (So sei etwa der Teltowkanal als ehemaliger Treidelkanal für die jetzt darin verkehrenden Schiffstypen unterbemessen.) Beim LWK seien angesichts der Variablen von Senkrecht-, Schrägufer und Sohle gar keine Pauschalaussagen möglich, sondern spezielle Überprüfungen zu beauftragen. Frau Kayser von der Obersten Denkmalbehörde unterstrich noch einmal, dass der LWK keinesfalls so hergerichtet werden könne, dass alles darin möglich werde, was übrigens auch als Einwand gegen Anzeigetafeln zu verstehen sei.

Ein Reeder-Vertreter bestätigt, dass der Ist-Zustand ein Krisenmanagement erfordere, wozu neben dem Einrichtungsverkehr für Boote ab 5 PS und der Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Kontrolle von deren Einhaltung gehöre. Ansonsten seien seine Fahrgastschiffe eigens für den LWK konstruiert, und einer Lösung, die sie aus dem Kanal drängen wolle, werde er selbstredend niemals zustimmen. — Hier ist natürlich festzuhalten, dass niemandes wirtschaftliche Existenz gefährdet werden soll, doch dass der Ist-Zustand der jeweiligen Flotten natürlich auch nicht sakrosankt ist, sondern ggf. mit öffentlicher Förderung nachgerüstet werden muss, die dann aber eben nicht in Filteranlagen für fossile Technik verschwendet werden, sondern in emissionsarme Innovationen fließen sollte.

Ein BI-Vertreter fordert die Hinzuziehung externen Sachverstands im Hinblick auf Berechnungen des tolerablen Strömungseintrags, wenn der LWK nachhaltig im Sinne des Denkmalschutzes saniert werden solle, und konstatiert einen notwendigen Zusammenhang zwischen dem Strömungsverhalten der Schiffstypen und der zu wählenden Sanierungsvariante. Ansonsten könne man im Extremfall den LWK mittels Stahlspundwänden auch Speedboat-tauglich modernisieren (s.o.), doch der vorgeschlagene Dr. Eißfeldt von der BAW scheint Frau Kummerlöw in diesem Zusammenhang nicht der geeignete Experte. [Wir erinnern uns beispielsweise an die klaren Worte, mit denen Eißfeldt seinerzeit den Schiffsverkehr als ursächlich für die Zerstörung der Uferbefestigungen benannte.]

Da die Diskussion in Themenbereiche anderer AKs wie Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen oder Sanierung abzudriften drohte, wurde vereinbart, im Bedarfsfall Amtsleiter Scholz in den erstgenannten einzuladen.

BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Zur Vergabepraxis bei den Anlegestellen

Der Begriff Vergabepraxis ist laut Frau Kummerlöw falsch gewählt: Das WSA halte nicht irgendein Gut vor, das es zu verteilen gelte, sondern verwalte eine Bundeswasserstraße und habe für die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf ihr zu sorgen. Derzeit gäbe es z. B. einen hemmungslosen Run auf die Spreeufer, um Restaurants-, Hotelschiffe und dgl. zu eröffnen, Bestrebungen, die dann einer strom- und schifffahrtspolizeilichen Genehmigung (SSG) bedürfen, wenn durch sie eine Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs zu besorgen ist und diese durch Auflagen verhütet oder kompensiert werden muss. Andernfalls genüge die bloße Anzeige eines entsprechenden Vorhabens.

Darüber hinaus bedarf es zur Etablierung einer Ufer-Anlage jedoch noch einer weiteren Genehmigung seitens der zuständigen Stelle in der Abt. II (Integrativer Umweltschutz) bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (SenGUV), worüber die anwesende Mitarbeiterin, Frau Schulze, referierte. U. a. sind auch Auflagen zum Emissionsschutz, Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und dgl. Bestandteil dieser wasserbehördlichen Genehmigung nach § 62 Berliner Wassergesetz, welches übrigens ins geplante Umweltgesetzbuch integriert werden soll.

Die Erteilung beider Genehmigungen erfolge in völlig getrennten Verwaltungsakten, anspruchsberechtigt sei prinzipiell jede(r), doch der Vorhabensträger bedürfe jeweils beider, so dass es im Vorfeld natürlich auch Abstimmungen zwischen Landes- und Bundesbehörde gebe. Während die WSA-Genehmigung unbefristet erteilt werde, müsse die des Senats alle zehn Jahre erneuert werden und könne im Hinblick auf Denkmal- und Naturschutz- (z. B. Gewässerökologie) sowie die Belange Dritter durchaus auch versagt werden—, wobei allerdings das Erholungsbedürfnis von Anwohner- und BesucherInnen nicht zu diesen Belangen zählt. — In diesem Zusammenhang fühlte sich ein Vertreter der Reeder bemüßigt, noch einmal hervorzuheben, dass es sich beim LWK um eine Wasserstraße handele, bei der, wie bei anderen Verkehrsstraßen auch, Lärm- und Abgasemissionen naturgemäß in Kauf genommen werden müssten. Die Erholungsnutzung des begleitenden Grünzugs sei demgegenüber sekundär. — Und die Senatsvertreterin sieht die Heranziehung der WRRL für problematisch an, da sie für heavily modified waterbodies nur bedingt gelte.

Generell werde die Einhaltung der oben angesprochenen Auflagen von Seiten des WSA in regelmäßigen Inspektionsverfahren überprüft; bei Feststellung unzureichender Erfüllung müsse der Betreiber Abhilfe schaffen, und widrigenfalls könne auch der Rückbau der Anlage angeordnet werden. — Die Auskolkungen und Beschädigungen des Baudenkmals LWK infolge Intensivierung der Nutzung, also der allzu heftigen „Bespielung“ der Wasserstraße samt Anlegestellen durch die Fahrgastschifffahrt in der jüngsten Vergangenheit haben freilich keinerlei derartige Konsequenzen gezeitigt. — Bei der Einrichtung z. B. von Gemeinschaftssteganlagen werden die Antragsteller außerdem an die Behörden des jeweiligen Bezirks verwiesen, wobei Frau Kummerlöw, die solche Gemeinschaftsanleger prinzipiell begrüßt, die Notwendigkeit einer jeweils verantwortlichen Einzelperson deutlich macht.

Die Reeder-Vertreter aber sehen weder eine Notwendigkeit noch überhaupt Raum für neue Anlegestellen oder gar die gemeinschaftliche Bewirtschaftung bestehender. Einst habe es Vielfalt gegeben, dann aber ein Prozess der Konzentration die großen Anlagestellen in wenige Hände gelegt; die Anlagestellen stellten nun einmal das Kapital einer Reederei dar, seien die unabdingbare Voraussetzung ihres nachhaltigen [sic!] Wirtschaftens. Daher sei es ausgeschlossen, sie potentiellen Konkurrenten zu öffnen [auch wenn diese ganz andere Dienstleistung anböten, z. B. emissionsfreie Taxifahrten?]. Da die Fahrpläne der Großen bekannt seien, brauchten sich die Betreffenden nur jeweils zehn Minuten früher einzufinden, um die Wartenden in ihr Boot zu holen. Gleichwohl drängt sich hier der Vergleich mit anderen Branchen auf und der vielfach gesehenen Notwendigkeit einer Trennung von Netz und Betreiber.

Der Vorschlag, für kleinere gewerblich genutzte Boote die Notausstiegstreppen zu Anlegestelle auszubauen, stößt dagegen auf sicherheitsrechtliche Bedenken beim WSA, denn eine etwaige Multifunktionalität könne im Einzelfall dazu führen, dass ein gerade anlegendes Wassertaxi einem Ertrinkenden den Notausstieg versperre — eine, mit Verlaub, wohl originär deutsche Betrachtungsweise.

BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Von der 1. Sitzung des AK Sanierung (29.02.)

An der konstituierenden Sitzung des Arbeitskreises Sanierung, dem per definitionem fürs ganze Mediationsverfahren wohl wichtigsten, nahm, wenn auch nur in Vertretung für erkrankte bzw. urlaubende MitarbeiterInnen, Amtsleiter Scholz persönlich teil, für die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Carola Bugner. Mit Klaus Lingenauber war auch der Denkmalschutz vertreten, von den Bezirken jedoch allein Frau Weigelt-Pilhofer vom Charlottenburg-Wilmersdorfer Tiefbau- und Grünflächenamt. Die Reeder vertrat Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise, für den Naturschutz saß Alexander Schael von der Grünen Liga am Tisch und die BürgerInnenvertretung war zu viert erschienen.

Dieser Arbeitskreis soll nun einen möglichst vollständigen Katalog von Kriterien erstellen, deren weitere Ausarbeitung und Spezifizierung aber ggf. an die entsprechenden Arbeitskreise delegieren, während umgekehrt Informationen zu besonderen Randbedingungen — etwa die vermutlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserhaushalt und Schiffbarkeit oder die Erhebungen zu den Biotoptypen zur Identifizierung ökologisch besonders wertvoller Uferabschnitte — aus anderen Arbeitskreisen eingespeist werden.

Quasi zum Auftakt bekräftigte Klaus Lingenauber, dass für den Denkmalschutz das Bauwerk im Zentrum stehe, während er im Hinblick auf die Uferbäume von mehr oder weniger wertvollen spricht. Demgegenüber postulierte Michael Scholz für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, einen Erhalt aller Bäume zu garantieren, wenn dies technisch möglich sei.

Gleich vorweg sei gesagt, dass der erste Rohentwurf eines Kriterien-Katalogs, der im Laufe der Sitzung zustande kam, nicht mitgeteilt wird, sondern im Sinne eines Fortsetzung folgt auf den Bericht der nächsten Sitzung verwiesen werden muss, da es die MediatorInnen übernommen haben, unsere Ergebnisse thematisch und nach Allgemeinheitsgrad zu sortieren und zu strukturieren, dem hier nicht vorgegriffen werden soll.

Zu Beginn der Kriterienfindungsmission stellte Frau Bugner noch einmal kurz dar, worum es denn eigentlich gehe, nämlich um die Sanierung der alten Regelbauweise auf einer Uferstrecke von ca. 11 km, also ungefähr der Hälfte des knapp 11 km langen LWK mit seinen insgesamt rund 22 km Ufer, wobei die zu sanierende Strecke jedoch nicht zusammenhängt. Manchmal findet sich an gegenüberliegenden Ufern noch die alte Bauweise, manchmal nur an einem und streckenweise auch gar nicht mehr, weshalb dort, in Kreuzberg z. B. im Urbanhafen, auch kein Handlungsbedarf sei, oder in Charlottenburg nur am Einsteinufer, nicht aber am benachbarten Salzufer saniert werden muss. Der Abstand zwischen Wasserspiegel und Geländeoberkante (GOK) nimmt nach Osten hin kontinuierlich zu, und der längste instand zu setzende Abschnitt zieht sich durch Kreuzberg.

Die vom Schiffsverkehr verursachten Unterspülungen und Auskolkungen der Uferbefestigung sind inzwischen durch Schüttungen aufgefüllt und behoben, doch dadurch allein die Ufermauer eben noch lange nicht standsicher. Durch das Phänomen von Schwall und Sunk nämlich, also den jähen Wechsel der Wasserhöhe infolge passierender Schiffe, wodurch Wasser erst in die Ufermauer gepresst und dann wieder herausgesogen wird, ist die Ziegelsplittschicht zwischen alter Holzspundwand und aufliegenden Granitquadern im Laufe der Zeit ausgewaschen, auch die dahinter liegende Kiesfüllung herausgespült und womöglich die Böschung stellenweise unterhöhlt worden. Die Standsicherheit der Regelbauweise jedenfalls sei nicht mehr gewährleistet.

Verschiedentlich wurde der Wunsch nach einer maßstabsgetreuen Visualisierung der zu sanierenden Kanalstrecke geäußert, woraus z. B. die Art der Uferbefestigung, ob schräg oder steil, Bebauung, Anlegestellen, Standorte der Bäume, Vorhandensein von Ufervegetation und ähnliches erhelle, doch für ein dreidimensionales Modell mochte man sich schon aus Kostengründen und wegen der unvermeidlichen Verzerrungen nicht erwärmen, doch Michael Scholz stellte in absehbarer Zeit die Zusammenstellung einer Fotodokumentation aus Luftaufnahmen in Aussicht, die dann auch digital verfügbar sei. Insofern der Denkmalschutz eine entsprechende Dokumentation zwingend erfordert, entstehen auch keine unnötigen Kosten.

BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Informations- und Wahlveranstaltung Gleisdreieck

Am 12. März lädt die Parkgenossenschaft Gleisdreieck zur Wahl der AnwohnervertreterInnen in der Planungsarbeitsgruppe, die die Gestaltung des Parks auf dem Gelände des Gleisdreicks konzipieren soll. Dabei gilt es jetzt vor allem, die erstaunliche Artenvielfalt in den spontan gewachsenen Biotopen gegen den Andrang aller möglichen Nutzungsansprüche zwischen Sport- und Hundespielplatz zu verteidigen! Ein Infoflyer findet sich hier.

BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Gleimviertel: Funkstille zwischen Bürgerverein und Amt

Die durch Intervention der Bürgervereins Gleimviertel allererst ins Spiel gebrachten Baumsachverständigen begutachten die strittigen Traubenkirschen, doch schweigen sich gegenüber dem Bürgerverein über ihre Ergebnisse aus, so dass schon Gerüchte die Runde machten, wonach 85 Prozent der pauschalen Fällurteile im vergangenen Jahr bestätigt würden.Poster Davon, so verlautete inzwischen aus berufenem Mund, könne keine Rede sein, doch eine größere Anzahl von Bäumen sei tatsächlich kaum zu halten, da sie zumeist infolge Stammverletzungen durch parkende Autos und dadurch entstandene Pilzerkrankungen schwer geschädigt seien. Die endgültige Bilanz stehe jedoch erst in einigen Wochen fest und auch dem Pankower Amt für Umwelt und Naturschutz seien noch keine Daten oder Expertisen zugegangen.

Am 8. März & 9. März will der Bürgerverein gemeisam mit der Grünen Liga und dem BUND in der Kopenhagener Straße jeweils ab 10 Uhr in Eigenregie Bäume pflanzen (und nicht erst warten, bis Bürgermeister Köhne zum Tag des Baumes am 19. April öffentlichkeitswirksam zum Spaten greift, um eine Pflanzaktion im Rahmen der amtlichen Kampagne 100 Bäume für Pankow zu promoten.)

Interessierte werden gebeten,
zahlreich zu kommen und
Spaten, Schippen, Hacken und
NachbarInnen mitzubringen!


BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08

Bötzowviertel: Kampf der BIs

Im Streit um die Pflanzung von Platanen auch auf der Nordseite der Hufelandstraße haben sich, wie der Presse zu entnehmen war, nach den Gegnern einer Platanenplantage und „Erhaltern der grünen Vielfalt“ nun auch die Freunde der Großbäume in der Initiative „Hohe Bäume für heiße Sommer“ organisiert, kämpfen für eine Verringerung des geplanten Pflanzabstands von 20 auf 15 oder gar 10 Meter, und Stadtrat Kirchner und AUN-Leiter Schütze drohen zwischen den Fronten zerrieben zu werden.

Weichen müssen den Platanen allerdings vorhandene kleinere Bäume, so dass Mathias Kraatz, Bezirksverordneter der Grünen und kein Vorkämpfer für Bonsai, am 10. März anbietet, mit Interessierten solche Bäume zwecks Verpflanzung an andere Standorte auszugraben.