BaumschützerInnen-Info vom 21.02.08

Der Kampf um die wilden Pappeln

Noch stehen die Pappelgruppen an der Waldemarbrücke — aber da sie es, wie berichtet, mitten auf dem Weg zu einer „denkmalgerechten Rekonstruktion“ des Grünzugs im Bereich des ehem. Luisenstädtischen Kanals tun, wird ihre Zeit knapp: Die Fällsaison endet mit diesem Monat und damit das Vattenfallsche Trafohäuschen verlegt werden kann, müssen die Pappeln noch vor Anbruch der Vegetations- und Brutperiode weg.

Vorgestern trafen sich, wie angekündigt, rund vierzig AnwohnerInnen, die sich keineswegs vom Bürgerverein Luisenstadt repräsentiert fühlen, in den Räumlichkeiten des Quartiersmanagements in der Dresdener Straße 12. VertreterInnen anderer Bürgerinitiativen wie Mediaspree Versenken oder Bäume am Landwehrkanal waren gekommen, auch welche vom NABU sowie ein grüner Bezirksverordneter. Sie berichteten von ihren Erfahrungen mit Kahlschlagsanierung, ihrem Kampf gegen übermächtige Behörden, für BürgerInnenbeteiligung und den Erhalt gewachsener Stadtnatur bzw. mussten sich Vorwürfe wegen fehlgeleiteter öffentlicher Gelder und bürgerferner Planung auch grüner AmtsträgerInnen anhören.

LuisenpappelnEinmal mehr wurde deutlich, dass zumindest die anwesenden AnwohnerInnen von den angeblich unter breiter Bürgerbeteiligung schon vor Monaten beschlossenen Sanierungsplänen völlig überrollt wurden und der Bürgerverein, dem Baustadträtin Kalepky und Bürgermeister Schulz offenbar einen Alleinvertretungsanspruch zubilligen, seiner Informationspflicht nicht im mindesten nachgekommen ist. — Auch z. B. dem Vorschlag einer Umgestaltung der Dresdener Straße in eine weiter verkehrsberuhigte, von grünen Inseln unterbrochene und belebte Spielstraße sei von Seiten der Luisenstädter eine Abfuhr erteilt worden mit dem Argument, auf diese Weise werde die Dresdener „zum Hinterhof des neuen Kreuzberger Zentrums“. — Das Wüten des Landesdenkmalamts in Gestalt Klaus Lingenaubers, der auch für die zusätzlichen Fällungen am O’platz verantwortlich sei, wurde bitter beklagt: Wo es im Stadtgebiet irgendetwas Historisches gebe, sei kein Spontanaufwuchs vor ihm sicher. — Wahrlich aberwitzig sei es, ausgerechnet dem Geist Erwin Barths, der in den 20er Jahren gegen die abgezirkelten, gestutzten Bürgergärten offene Parkanlagen für unterschiedliche Nutzungsansprüche und „volkseigenem Grün“ schaffen wollte, heute wildgewachsene Bäume und Kleinbiotope zu opfern.

Als nächste Schritte wurden Akteneinsicht in die Baumgutachten, die Hinzuziehung eines unabhängigen Sachverständigen und die Aufklärung der Behörden darüber beschlossen, dass es zahlreiche AnwohnerInnen gebe, für die der Bürgerverein nicht spreche. Zur Mobilisierung des Widerstands gegen die aufoktroyierten Konzepte sollen Unterschriften gesammelt, tägliche Treffen am Drachenbrunnen ab 18 Uhr veranstaltet und im Bedarfsfall eine Menschenkette organisiert werden. Und ganz wichtig natürlich die Kontaktaufnahme mit anderen Initiativen, sprich: die Vernetzung!

Bitte kommt und tragt Euch in die Unterschriftenlisten ein!

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