BaumschützerInnen-Info vom 21.02.08

Widerstrebender Denkmalschutz

Spät war der Widerstand des Denkmalschutzes gegen die Spundwände erwacht — in den entsprechenden Arbeitskreisen hatten seine VertreterInnen gefehlt —, doch dafür zeigte er sich jetzt umso hartnäckiger. Klaus Lingenauber vom Landesdenkmalamt stellte klar, dass das LDA vor Ausschreibung als Genehmigungsbehörde zunächst alle Unterlagen benötige, um zu prüfen, ob die Spundwände ins Bauwerk eingreifen, und davon abgesehen seien 2 Meter über der Wasseroberfläche eben eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbilds. — Der neue WSA-Leiter Michael Scholz beharrte hingegen darauf, dass die Maßnahme temporär sei und deshalb das WSA nach § 8 Bundeswasserstraßengesetz [Umfang der Unterhaltung] bei diesem Vorhaben frei agieren könne und nach Paragraph 4 [Einvernehmen mit den Ländern] lediglich das jeweilige Bezirksamt und seine Naturschutz bzw. Wasserbehörde beteiligen müsse. Die Bundesbehörde WSA habe es ansonsten nur mit der übergeordneten Landesbehörde [also SenStadt] zu tun, welche alle „Detailbehörden subsumiere“. Und die Denkmalbehörde sei aufgefordert, sich an entsprechender Stelle einzubringen. — Das hört sich allerdings auch für uns nach genehmigungs- oder benehmenstechnischem Klärungsbedarf an, wobei Scholz über Zuständigkeiten und Kompetenzen des WSA erst auf der nächsten Forumssitzung referieren will.

Lingenauber und Sigrid Kayser (Obere Denkmalschutzbehörde) problematisierten zunächst, was hier denn „temporär“ heiße: über ein Jahr sei in solchem Fall nicht mehr temporär! Und wir wiederum dürfen an den entscheidenden Abs.1 im § 8 erinnern: „Bei der Unterhaltung ist den Belangen des Naturhaushalts Rechnung zu tragen; Bild und Erholungswert der Gewässerlandschaft sind zu berücksichtigen.“

Wie auch immer: Als mit den Vereinbarungen einer neuerlichen Bodensondierung, deren Ergebnisse die Spundwände vielleicht als überflüssig erweisen, der Prüfung von Dauer und Stadtbildverträglichkeit der Maßnahme sowie die Erprobung der denkmalgerechte Sanierung eines Teilstücks, was wiederum Spundwände vielleicht ganz überflüssig macht, die letzte Entscheidung doch noch in der Schwebe gehalten wird, kam auch der Denkmalschutz an Bord, und eine erste Hürde dieser Mediationsverhandlungen ward genommen.

Das dies wider Erwarten doch noch möglich wurde, ist wohl nicht zum Wenigsten der größeren Flexibilität des neuen Amtsleiters zu danken, der offenbar bereit ist, Ermessensspielräume, die ihm anders als seinen nachgeordneten MitarbeiterInnen zur Verfügung stehen, mit Blick auf den Modellcharakter dieses gemeinsamen Unterfangens tatsächlich auch auszuloten.

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2 Kommentare

  1. trudel said,

    21. Februar, 2008 um 10:27

    hi, dies ist kein kommentar zu dem artikel hier, sondern ein hinweis: im wedding werden zur zeit viele bäume gefällt, allerdings nicht durchs wsa sondern der bezirk ist zuständig. und zwar tegeler-ecke lynarstraße (eine menge robinien) und kiele straße/ an der sellerstraßenbrücke (Nordhafen), dem dieen viel schöne graupappeln zum opfer. dort soll frei fläche für zuküftige bebauung geschaffen bzw der zukünftigen bebauung blick aufs wasser verschafft werden.
    nach angaben eines der an der fällung beteiligten werden graupappeln nach 30-40 jahren morsch, so dass äste abfallen können und somit eine gefahr für die öffentlichkeit darstellen. ???

  2. Helke said,

    21. Februar, 2008 um 18:16

    Nein, auch Graupappeln können sehr alt werden. Es ist leichteres Holz als Eiche oder Linde – und war und ist immer sehr begehrt zur Herstellung von Streichhölzern und Klompen (so oder ähnlich die holländischen Holzpantinen). Auf dem TU-Campus stehen zahlreiche – mindestens 70 bis 80-jährige sehr große Graupappeln. Leider hat sich mal der „Baumpapst“ Claus Mattheck in Baumbeurteilung am Rhein hervorgetan und den Pappeln Morschheit in frühen Jahren bescheinigt (was wahrscheinlich durch häufige Ufer-Überflutung entstand) . Daraus entstand die Sage, dass Graupappel früh morsch seien. Dieser Meinung hängt auch Wolfgang Leder (zuständig in Mitte, Tiergarten und Wedding) an, der leidenschaftlich der – generellen – Baumfällung fröhnt.


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