BaumschützerInnen-Info vom 07.02.08

Die Bonsai-Grünen aus dem Bötzowviertel

Nicht erst seit dem Drama am Landwehrkanal, aber seitdem verschärft engagieren sich die BerlinerInnen für ihre Bäume, ob nun in Kreuzberg oder in Prenzlauer Berg, ob in der Oderberger Straße oder im Gleimviertel, doch schon vergangenen November und seit einigen Wochen gehäuft berichten die Medien über irritierende Vorgänge aus der Hufelandstraße im schnieken Bötzowviertel. Hier leben arrivierte Alternative, 40-prozentige Grünwähler, die sich mitunter in den schönen Gründerzeithäusern eine schöne Eigentumswohnung geleistet haben, doch neuerdings den Wert ihrer Immobilie sowie ihre Wohn- und Aufenthaltsqualität durch „private Wahnvorstellungen“ des AUN-Leiters Andreas Schütze bedroht sehen, der aus der Hufelandstraße partout die Prenzlauer Champs Elysée machen will —, so sieht es zumindest Ulrich Metzger, haushaltspolitischer Sprecher der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus (übrigens auch aus dem Schwäbischen, aber weder verwandt noch verschwägert mit jenem ex-grünen Chicago Boy Oswald Metzger).

Dabei will das Pankower AUN zur Abwechslung mal keine Bäume fällen sondern welche pflanzen, und zwar Platanen, wie sie bereits auf der Südseite stehen, damit sich die Hufeland allmählich wieder in ihre frühere Gestalt, eine Allee, zurückverwandele, bevor zu DDR-Zeiten lecke Gasleitungen den damaligen Linden den Garaus machten. — Zumindest rund 100 AnwohnerInnen, die einen entsprechenden Protestschreiben unterzeichneten, wollen jedoch „keine Allee, keine Monokultur“ sonneverdunkelnder Großbäume, sondern forderten auf bislang zwei Bürgerversammlungen „kleinwüchsige, kleinkronige Bäume“, höchstens „bis Augenhöhe“, und sehen am Beharren des AUN auf den Platanen den „Bürgerwillen“ missachtet, obwohl Amtsleiter Schütze den Bedenken dadurch Rechnung getragen haben will, dass die Platanen nun im Abstand von 20 statt wie ursprünglich geplant 15 Metern und nur ihrer 16 statt 20 gepflanzt werden sollen.

Am 25. Februar gibt’s eine neue BürgerInnenversammlung, vielleicht ein gute Gelegenheit, auch diesen seltsamen Grünen einmal zu erläutern, dass eine 20 Meter hohe Buche (für eine Platane gilt mutatis mutandis ähnliches) mit etwa 12 Metern Kronendurchmesser ungefähr 1.200 qm Blattfläche aufweist, die sich durch die Lufträume im Blattgewebe auf eine Gesamtoberfläche von 15.000 qm erhöht (entspricht zwei Fußballfeldern!), welche an einem Sonnentag ca. 18 kg CO2 verarbeitet, dabei aus etwa 36.000 Kubikmetern Luft den Feinstaub und andere Schadstoffe filtert und 13 kg Sauerstoff, den Tagesbedarf von zehn Menschen, produziert —, was der Baum als Brut-, Nahrungs- und Rückzugsgebiet für Vögel und zahllose Kleinlebewesen, als Schattenspender und Luftbefeuchter angesichts eines sich sommers immer stärker aufheizenden städtischen Mikroklimas sowie als ästhetischer Reiz, als Ort der Ruhe und Erholung bedeutet, einmal ganz außen vor gelassen. — Vor allem aber gilt es diesen ignoranten, egoistischen Hanseln deutlich zu machen, dass sie nicht etwa den Bürgerwillen repräsentieren!

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4 Kommentare

  1. Glenn said,

    7. Februar, 2008 um 17:59

    Das sehe ich auch so. Wir wohnen in der Nähe der Hufelandstrasse und laufen öfters dort entlang. Was uns jedoch am meisten stört, sind die immer größer werdenden Autos die immer schön im Kreuzungsbereich die Fußwege zu parken. Das ist nicht sehr alternativ sonder rücksichtslos und egoistisch. Doch so sind die Leute. Je mehr Kohle in der Tasche desto länger der Tunnelblick.

  2. Marc Husemann said,

    7. Februar, 2008 um 21:32

    Die BaumschützerInnen-Info vom 07.02.08 mit dem Titel “Die Bonsai-Grünen aus dem Bötzowviertel” beruht im Kern auf einer Falschaussage aus den Medien. Auch in der Hufelandstraße sollen vor Anpflanzung der Platanen zahlreiche vorhandene Bäume gefällt und vorhandene Büsche gerodet werden. Dies ist teilweise schon geschehen. Im Interesse einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung wäre allen BaumschützerInnen ein Besuch im Bötzowviertel schon vor der Bürgerversammlung am 25.02.2008 dringend zu empfehlen. Bis dahin könnte das AUN nämlich bereits Fakten geschaffen haben und den restlichen Bestand abgeholzt haben.

  3. BaL said,

    7. Februar, 2008 um 22:22

    Es ist zwar immer bedauerlich, wenn Bäume und Büsche gerodet werden müssen, doch der ökologische Wert von Platanen, die natürlich einen gewissen Raumbedarf haben, ist gegenüber der „fußgängernahen Kleinbaumlandschaft“ ungleich höher zu veranschlagen, auch wenn „der kleine Baum in der Dimension des Fußgängers fassbarer“ sein sollte, wie sich ein Anwohner in der rbb-Abendschau am 2.2. äußerte.

    Dennoch sollten auch kleine Bäume und Sträucher dort, wo sie den geplanten Pflanzungen nicht im Wege sind, unbedingt erhalten werden, und der Aufforderung, sich vor dem 25.2. vor Ort selbst ein Bild zu machen, können wir uns nur anschließen.

  4. xonra said,

    8. Februar, 2008 um 5:16

    Die immer größer werdenden Autos in der Hufeland geben lediglich Zeugniss von der Wirklichkeit. Notfalls fahren wir mit Vollgas weg. Denn, es ist überall schöner, da, wo wir nicht sind (K.Kiesolowsky)


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