BaumschützerInnen-Info vom 07.02.08

Unangekündigte Linden-Fällungen am Maybachufer

Kaum war unser letzter Newsletter über den Verteiler geschickt, alarmierten uns AnwohnerInnen per Mail und Telefon, dass am Maybachufer in Neukölln große Bäume gefällt würden, die keinerlei kranken Eindruck machten. Auf Nachfrage im dortigen Grünflächenamt wollte man erst mal die genaue Hausnummer wissen, erzählte dann von Stubben, die lediglich ausgegraben worden seien und schließlich etwas von Sturmschäden und mangelnder Verkehrssicherheit und schloss mit dem Hinweis: „Glauben Sie uns, wir hegen und pflegen unsere [sic!] Bäume und fällen sie nicht aus Daffke!“ Ob die Öffentlichkeit, auf welchem Weg auch immer, informiert worden sei, könne man nicht genau sagen…

Vor Ort freilich stellte sich heraus, dass sowohl vor Maybachufer Nr. 40 als auch gegenüber dem Sportplatz östlich der Thielenbrücke jeweils eine ca. 60 Jahre alte, stattliche Linde gefällt worden war, deren Stubben im ersten Fall keinerlei Fäulnissymptome aufwies, im zweiten eine geringe Hohlstelle [siehe Fotos], dass mit Sicherheit der größte Teil des Berliner Baumbestandes fallen müsste, wenn dies als Begründung herhalten sollte. Zwei große Partien des mächtigen Stamms, die wohl nicht mehr auf den LKW gepasst hatten, lagen am Montag noch auf dem Gehweg und wiesen jedenfalls keinerlei Krankheitssymptome auf, keinerlei Morschung, sondern wie auch der Stubben lindentypisches äußerst stabiles Kernholz.

Ein kürzlich gepflanztes Bäumchen nahebei war übrigens bei den Fällarbeiten arg in Mitleidenschaft gezogen worden, hatte nachts samt Haltebock noch auf der Seite gelegen [siehe Foto] und war kurzfristig wieder aufgerichtet und mit neuem Bock versehen worden — ungeachtet des großflächigen Rindenschadens am Stamm, der ein weiteres Gedeihen höchst unwahrscheinlich macht, auch wenn die Wunde noch fachgerecht nachgeschnitten wurde. Hier ist vielmehr die ausführende Firma regresspflichtig und hat den Baum umgehend auszutauschen!

Unweit des Orts der zweiten Fällung ragt übrigens eine abgebrochene Weide über den Kanal, deren Erhaltung wenig Sinn macht, und sieht wirklich verkehrsgefährdend aus, doch das WSA scheint sie offenbar wegen der angespannten Lage nicht einfach fällen zu wollen. Gerd Kittelmann vom Neuköllner Amt für Naturschutz und Grünflächen hingegen sitzt treuherzig mit uns im Mediationsverfahren und hält es weder für nötig, die Öffentlichkeit noch wenigstens uns zu informieren bzw. vorzuwarnen, will offenbar die Transparenz nicht bis zum Gläsernen Grünflächenamt treiben. — Wir haben jedenfalls Akteneinsicht nach Umweltinformationsgesetz (UIG) beantragt und sind auf die Expertisen gespannt, die eine Fällung zweier in hohem Maße wertvoller alter Bäume als unumgänglich darstellen. Und diese Vorgänge und ihre fehlende Transparenz bedeuten einen Verstoß gegen das Arbeitsbündnis, das die Verfahrensbeteiligten miteinander geschlossen haben, und gehören nicht erst auf die Tagesordnung der nächsten Forumsitzung, sondern bereits auf die des Arbeitskreises Kurzfristige Maßnahmen! Zu klären ist überdies, ob und wenn ja, wo und wieviele Ersatzpflanzungen vorgesehen bzw. zu fordern sind.

Wenn das so weiter geht, müssen wir jedenfalls unsere Baumpatrouillen wiederaufnehmen!

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2 Kommentare

  1. xonra said,

    9. Februar, 2008 um 9:21

    Egal wie, der Bezirk und die bezahlten Oberschwätzer die Herrn und Frauen
    Politikerinnen haben sich schon damit abgefunden Bäume zu fällen. Mit dem schlechten Argument es fehlt am Geld zur Pflege. Eigentlich ist aber die Praxis des Outsourcings der
    Baumpflege der letzten Jahre an Privatfirmen der Grund, warum es zur massiven Verwahrlosung des Baumbestand`s gekommen ist. Das Resultat heißt Säge. Im Prinzip ähnlich wie die sog. „soziale Verwahrlosung“ in der Stadt als Folge von
    „Sparpolitik“. Resultat „Radikalisierung“. Auf Senatsebene gibt es nun
    einen offiziellen Baumbeauftragten , nach dem Motto, wie mache ich die
    Verbände mit verantwortlich (BUND). Der Verein Bäume am Landwehrkanal und einige wackere BI Menschen sitzen im
    Mediationsverfahren Landwehrkanal und fühlen sich wichtig. Die SPD Bundestagsabgeordnete Frau Rawert jammert auf hohem Niveau, dass sie nicht zur Mediation eingeladen wird. Sie hat sicher andere Möglichkeiten sich auf der politischen Ebene für die Bäume
    im Bundestag einzusetzen, vielleicht braucht sie etwas Nachhilfe.

    Natürlich können Bürgerinitiativen Plakate hängen und Aktionen vorbereiten, kurz, für Öffentlichkeit sorgen. Was sie nicht tun sollten ist, die Verantwortung für schlechte Politik zu teilen.
    Robin Wood klettert auf die Bäume und die Bürger bringen heiße Getränke, wie in Dresden an der Elbe. Was können, bzw., Was müssen wir tun? wäre der Titel einer Berlin weiten Veranstaltung zum Schutz aller Bäüme in der ach so armen Stadt. Die übrigens gerade einen neuen Flughafen baut (1400 Bäume), die Spree ausbaggert (1200 Bäume), die Autobahn in Treptow baut (5000 Bäume)usw.
    Ach ja, das Preussenschloß nicht vergessen, die Liste der Unsäglichkeiten ist lang.
    Bürger müssen Politisch handeln und nicht mit bejahendem Kopfnicken in verkorksten „Mediationsverfahren“ zur schlechten Arbeit der Ämter und der Politik ihren semiprofessionellen Senf hinzufügen.
    Die „Bürgerbeteiligung“ setzt nämlich heute genau da ein, wo deutlich wird, das Fehler von den Behörden nicht mehr zu vertuschen sind. Es scheint als sei Bürgerbeteiligung nun der Leim für ein
    paar aktive Baumschützer in der Stadt.

  2. hartmut said,

    9. Februar, 2008 um 13:32

    Die Schlamperei bei der Baumpflege wird durch Bürgerbeteiligung nicht besser.


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