BaumschützerInnen-Info vom 5.1.08

Zum Umgang mit den gesicherten Bäumen

Die zu einiger Berühmtheit gelangten Brockelmannschen Würfel (an 22 Bäumen in einer insgesamt 370 Meter langen abrutschgefährdeten Uferzone) — eine aus hektischem Aktionismus geborene (und nicht eben billige) Notlösung, wie es jetzt heißt — sollen, da bereits eine Klage anhängig ist, möglichst schnell wieder verschwinden, nicht zuletzt weil die Anbindung der monströsen Balken die Bäume besonders in der Vegetationsperiode und bei Sturmereignissen empfindlich schädigt und bis zum Bruch führen kann.

Eine wasserseitige Vorrammung bzw. lärmarme Einpressung sog. Baugruben-Spundwände aus Z-förmigen Stahlbohlen in ca. 50 cm Abstand zur maroden Ufermauer mit anschließender Verfüllung des Zwischenraums würde eine weitere Baumsicherung erübrigen. Als dies schon letzten Sommer vorgeschlagen wurde, hieß es, das Material sei selbst auf dem Weltmarkt nur schwer und mit langen Lieferfristen erhältlich, woran sich inzwischen auch nichts geändert habe: nur die Stahlpreise seien weiter gestiegen. — Die erforderlichen Bohlen sind knapp 50 cm breit, 14 mm dick, würden 6 m tief in die Kanalsohle getrieben und (bei 2 m Wasserhöhe) noch weitere 2 m über die Wasseroberfläche hinausragen, was aus statischen Gründen zum Verfüllen notwendig sei. Die Bohlen müssen jeweils von oben ineinander gesteckt werden, was eine Arbeitshöhe von insgesamt 12 m verlangt, d. h. hineinragende Äste und überhängende Baumkronen müssten beseitigt werden. Im Falle, dass diese Spundwände als dauerhafte Lösung akzeptiert werden, würde der aus dem Wasser ragende Teil nach Verfüllen des Zwischenraums knapp unter der Wasseroberfläche abgebrannt. Wird indessen ein anderes Sanierungskonzept gewählt, wären die Spundbohlen zur weiteren Baustellen-Einrichtung sechs- bis achtmal wiederverwendbar, dürften dann allerdings nicht abgeschnitten werden.

Die dauerhafte Lösung, vergleichbar der Sanierungsvariante „Regelbauweise mit Fußsicherung“, scheint dazu angetan, alle Parteien zu befriedigen, indem sie der Gefahr im Verzug begegnet, die Bäume erhält, die hässlichen Betonwürfel verschwinden lässt, so dass der Uferbereich wieder begangen werden und der Schiffsverkehr, wenn auch weiterhin nur einspurig, aufrechterhalten werden kann.

Alternativen seien geprüft und verworfen worden — Kleinbohrpfahlwände wie sie am Fraenkelufer zum Einsatz kamen, genügen den statischen Anforderungen nicht; Schlitzwände aus Beton sind im Wasser nicht verwendbar, auch Plastik habe sich als ungeeignet erwiesen, Holz werde nicht mehr verwandt —, und die vorgestellte Variante sei bereits vom öffentlich bestellten Prüfingenieur genehmigt: Der Prüfbescheid samt den statischen Berechnungen kann ab kommenden Montag (7.1.) im „Gläsernen Büro“ (Columbia-Gebäude) eingesehen werden, und alle Beteiligten sind für ein Feedback dankbar! — Ansonsten bliebe nur noch übrig, die Kosten für die Unterhaltung/Errichtung der Bauzäune zu ermitteln, um die vorgeschlagene Lösung auch entlang dieser Uferbereiche als die wirtschaftlichere zu erweisen. — Doch natürlich kann und soll all das der Diskussion im Forum nicht vorgreifen!

Die Lieferzeit der Spundbohlen beträgt fünf Monate, die reine Bauzeit nur ca. vier Wochen, so dass also frühestens zur Jahresmitte, und d. h. auch mitten in der Schifffahrtssaison, begonnen werden könnte und deshalb mit Rücksicht auf die Fahrgastschifffahrt vorzugsweise nachts gearbeitet werden müsste, vorausgesetzt der Senat erteilt im Hinblick auf die vom Stromgenerator ausgehende Lärmbelästigung hierfür die Genehmigung. Angesichts der Preisentwicklung beim Stahl sei auch aus Kostengründen Eile geboten.

Doch da zauberte zur allgemeinen Überraschung der Revierleiter von Mitte, Wolfgang Leder, eine mögliche Alternative aus dem Hut, die eine Verschiebung bis nach der Schifffahrtssaison möglich und damit teure Nachtarbeit überflüssig machen würde: Er wolle sich um die Erkundung einer baumfreundlicheren Anbindung der betroffenen Bäume bemühen. (Unabhängig davon sollten die Spundbohlen jedoch umgehend bestellt und bis zum voraussichtlichen Baubeginn Ende Oktober zwischengelagert werden…)

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