Massenfällung im Ottopark

Stadtrat Gothe schafft vollendete Tatsachen

Missachtung des Bürgerwillens

[Update, 14.10.: Wie schon in einem Kommentar ganz richtig bemerkt, wurde der Antrag des BUND Berlin auf Erlass einer einstweiligen Verfügung vom Verwaltungsgericht bereits am 11.10. abgeschmettert. Wir warteten unterdessen vergeblich auf eine nähere schriftliche Begründung, erhielten inzwischen jedoch lediglich die Auskunft, ein Umweltverband dürfe nicht die Rechte einer Bezirksverordnetenversammlung einklagen, habe also keine Klagebefugnis. Einfache BürgerInnen auch nicht und z. B. einE BezirksverordneteR war offenbar nicht dazu bereit. − Über die Hälfte der strittigen Bäume ist also nun gefallen und nunmehr nur noch zu hoffen, dass wenigstens die 25 restlichen noch stehen, wenn die BVV von Mitte am 27.10. zusammentritt, um u. a. auch die Geschehnisse Anfang Oktober und namentlich das Agieren des Bezirksamts zu erörtern.

Ein Runder Tisch, der das Schicksal der Bäume zwischen Thusnelda-Allee und Stromstraße entscheiden soll, sollte dies nach nochmaliger Würdigung des Für und Wider nicht etwa auf dem Wege der Abstimmung tun, sondern sich um eine konsensuelle Lösung bemühen, worin auch die Interessen der nicht wenigen für Baumerhalt Votierenden Berücksichtigung finden.

Update, 7.10.: Die BI Für einen respektvollen Umgang mit unseren Grünanlagen hat uns inzwischen folgende Mitteilung zugesandt:
Verwaltungsgericht untersagt vorerst weitere Fällungen im Ottopark
Trotz gerichtlicher einstweiliger Verfügung sollten die letzten der 53 strittigen Bäume auf einer entsprechenden Liste der BVV heute gefällt werden. Für diese 53 Bäume hatte die BVV Mitte am 15.9. einstimmig ein Fällmoratorium bis zum 15.12.2011 beschlossen.

Offener Brief von NABU und BUND wg. Ottopark-Fällungen

Offener Brief von NABU und BUND

Baumschützer retteten Bäume entlang der vielbefahrenen Straße Alt Moabit, bis der zuständige Bezirksamtsvertreter Herr Theiss (Grünflächenamt) endlich vor Ort erschien, erstmals vom Vorliegen einer richterlichen Anordnung erfuhr, indem er sie in Schriftform von den Baumschützern entgegennahm und daraufhin Baustellenleitung und Polizei vom Inhalt der Verfügung in Kenntnis setzte.
Insbesondere dürfen die noch stehenden 5 Straßenbäume der 53er Liste nicht auch noch gefällt werden. Die Baumpflegefirma musste zwischenzeitlich die Fällungsvorbereitungen für die zwei Bäume mit den Plaketten Nr.155 (Ahorn) und Nr. A-78 (Ulme) beenden und eine Hebebühne entfernen.
Die BVV des Bezirks Mitte wird sich auf ihrer nächsten Sitzung am 27.10. zu der Missachtung ihres einstimmigen Beschlusses vom 15.9.2011 verhalten müssen.
Nach heutigen Beobachtungen sind seit dem 4.10.2011 insgesamt 62 Bäume im Ottopark gefällt worden, nur 9 Bäume stehen noch, davon gilt für fünf die genannte einstweilige Verfügung.

→ Siehe auch den Offenen Brief von BUND und NABU vom 6.10.2011: “Vertrauen in das Bezirksamt und seine Verantwortlichen nachhaltig erschüttert”

BA-Stellungnahme_041011

BA-Stellungnahme, 04.10.11

Update, 6.10.: Wie wir jetzt erfahren, hat das Bezirksamt Mitte buchstäblich während laufender Motorsägen am Dienstag (4.10.) beschlossen, in Auswertung der Sitzung des BVV-Ausschusses für Umwelt, Natur [!], Verkehr und Lokale Agenda [!] der BVV einen “Schlussbericht zur Kenntnis zu bringen”. Darin heißt es u. a.: “Die Moderationskosten für die ersten beiden Baubereiche zwischen Ottostraße und Stromstraße werden auf ca. 12 TEUR geschätzt. Hierfür stehen keine Gelder aus der Baumaßnahme selbst, noch aus Mitteln der Sanierungsverwaltung, noch aus Unterhaltungsmitteln des Straßen- und Grünflächenamtes zur Verfügung…” −, sprich: der Versuch einer einvernehmlichen Konfliktlösung ist nicht finanzierbar, echte Partizipation ist zu teuer. − Die Einhaltung des von der BVV am 15.9. immerhin einstimmig beschlossenen Fällmoratoriums hätte Zigtausende an Regressforderungen der beauftragten Firma nach sich gezogen, wurde zudem kolportiert.

Vor allem auch angesichts der entsprechenden Kommentare (s.u.) möchten wir darauf hinweisen, dass es nach unserer Meinung in diesem Stadium erst in zweiter Linie um Ökologie und Stadtnaturschutz, in erster Linie aber um Einhaltung demokratischer Gepflogenheiten ging und dass sich das Bezirksamt Mitte in Missachtung des Willens nicht nur jener doch recht zahlreichen BürgerInnen, die einen möglichst weitgehenden Erhalt des Baumbestands wünschten, sondern auch der gewählten VolksvertreterInnen über Fällmoratorium und angestrebte einvernehmliche Konfliktlösung hinwegsetzte und irreversible Fakten schuf.

Über ein derart obrigkeitsstaatliches Vorgehen sollte auch der Bezirk Mitte inzwischen hinaussein, denn abgesehen von den mannigfachen ökologischen Serviceleistungen, die namentlich Altbäume den Menschen gratis liefern, dem überfälligen Paradigmenwechsel zu naturnaher Parkgestaltung etc., ist durchaus auch der soziale Friede in Euro und Cent quantifizierbar. − Über die Qualität der zur Umgestaltung des KTO durchgeführten BürgerInnenbeteiligungsverfahrens gehen die Ansichten übrigens erheblich auseinander: hier hätte der Versuch, nachzujustieren, auf beiden Seiten zu lernen und es besser zu machen, die Kosten sicher gerechtfertigt. − Der BUND Berlin hat übrigens gestern, wenn auch leider zu spät, beim Berliner Verwaltungsgericht noch eine einstweilige Verfügung gegen die Rodung gesunden Altbaumbestands − eben der 53 strittigen Bäume − erwirkt.]

Oktober-Sägen

Oktober-Sägen (Zum Vergrößern anklicken!)

Nicht zum ersten Mal hat heute (4.10.) der Baustadtrat des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe (SPD), sein recht eigenwilliges Verständnis von BürgerInnenbeteiligung dokumentiert −, doch dass er sich dabei sogar über ein einstimmiges Ersuchen der BVV zum Thema der seit langem umstrittenen Fällung von über siebzig Bäumen in Ottopark und Kleinem Tiergarten [siehe hier und dort] einen Runden Tisch einzuberufen, hochherrschaftlich hinwegsetzt, zeigt denn doch (zumindest für uns) eine neue Qualität im Missachten des Bürgerwillens bzw. dem seiner RepräsentantInnen. Den Rest des Beitrags lesen »

Umdenken statt umsägen!

Engagierte appellieren an Senat, Bezirk und Politik

Kahlschlag im Moabiter Ottopark und Kleinen Tiergarten verhindern!

Ortsbegehung, 7.4.11

Ortsbegehung, 7.4.11

Aktive der Moabiter BI Silberahorn, weit davon entfernt, sich mit der baum-, stadtnatur-, klima- und damit bürgerfeindlichen Planung von Latz + Partner zu Kleinem Tiergarten und Ottopark (KTO) abzufinden [siehe auch hier], waren zwischenzeitlich nicht untätig und haben zunächst einmal sämtliche Bäume des Areals auf ihre Markierung mit verschiedenen Plaketten hin überprüft und aufgelistet. „Insgesamt“, so die BürgerInnen, „haben zwischen Otto- und Stromstraße 109 Bäume (mit 13a und 26a) Plaketten, d.h. Fällung ist im Rahmen der Neugestaltung des KTO vorgesehen.“ − Dies geschieht somit ganz überwiegend aus zutiefst fragwürdigen gestalterischen Gründen und läuft Zielen, wie sie bspw. Senatsprogramme wie das StEP Klima und die Strategie Stadtlandschaft proklamieren, diametral zuwider.

[Update: Aus Gesprächen mit ParknutzerInnen.]

Den Rest des Beitrags lesen »

Verstümmelungen, Rodungen, Kahlschlag

In Kreuz-, Schöne-, Prenzlauer Berg, Mitte usw. sind zurzeit (Alt-)Bäume, Büsche und Sträucher fällig

Information der AnwohnerInnen unterbleibt routinemäßig

Schöneberg

Kahlschlag Flottwellstraße

Kahlschlag längs der Flottwellstraße

Nachdem der Schnee getaut, das Eis zurückgegangen ist, läuft die winterliche Fällsaison in Berlin auf Hochtouren. Im folgenden greifen wir mal paar wenige Einzelbeispiele heraus und finden es zunächst besonders schmerzlich und empörend, was letzte Woche an der Flottwellstraße in Schöneberg unmittelbar westlich des Gleisdreieck-Westparkbaus ohne jede Vorankündigung im Auftrag der Vivico bzw. der von ihr beauftragten Grundstücksverwaltung von Mitarbeitern der Berolina Baumpflege angerichtet worden ist [siehe hier und hier (und das obige Foto, das sich − wie auch alle andern und bei uns immer − durch Ruffklicken vergrößern lässt...].

Kreuzberg

Pappeln am Wassertorplatz

Verstümmelte Pappeln am Wassertorplatz

Sodann ist nachdrücklich zu kritisieren, was den Pyramiden-Pappeln am Wassertorplatz in Kreuzberg angetan wurde, obwohl doch nur drei Bäume als standunsicher auf der Fällliste aufgeführt waren [von der sie im Sommer auch mal vorübergehend verschwanden], welche Pappeln wir daraufhin jedenfalls fachkundig in Augenschein nehmen ließen, worauf wir die Standunsicherheit tatsächlich bestätigen mussten, dies allerdings mit dem Vorschlag verknüpften, mindestens den Hochstubben der Pappel Nr. 1 als Biotopholz und wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl von Kleintieren zu erhalten, und wir mahnten erneut an, die Bäume vor der Fällung faunistisch untersuchen zu lassen und nicht wieder die Baumpflegefirma damit zu betrauen. Den Rest des Beitrags lesen »

Kompensationen für Kahlpflege

Nachpflanzungen rund um den Nordhafen

Bald ein Jahr ist’s nun her, dass am Nordhafen, entlang des Kieler Wegs und später noch an weiteren längeren Uferabschnitten des Hohenzollern- bzw. Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals im Zuge höchst unfachgerechter Gehölz”pflege” Bäume irrtümlich gefällt oder gekappt und großflächig Ufervegetation vernichtet wurde, was besonders im Hinblick auf das dortige Bibervorkommen von Fachleuten auch aus artenschutzrechtlichen Gründen als gravierende Fehlleistung nachdrücklich kritisiert wurde. [Vgl. unsere Berichte hier und hier.] Den Rest des Beitrags lesen »

Stallschreiberblock

Vernichtung einer weiteren innerstädtischen Brachlandschaft

Wiedergewinnung von Stadt

In Umsetzung der Planungen von Herwarth + Holz zum bezirksübergreifenden Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) bzw. Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt scheint es bald zur Sache zu gehen. Anlässlich zweier Bürgerabende am 20.10.09 und 13.01.10 war, wie seinerzeit berichtet, der Bürgerbeteiligung wie so oft eher symbolisch Genüge getan worden. Jetzt hat auch die Xhainer BVV das rund 250 Seiten umfassende Konvolut als Vorlage zur Kenntnis erhalten, und demnächst soll dann bspw. der sog. Schwerpunktbereich Stallschreiberblock in Mitte zwischen Alexandrinen-, Stallschreiber-, Alte-Jakob- und Sebastianstraße durch eine sechsgeschossige Wohnbebauung mit Läden, Gastronomie und Dienstleistungen entlang der Alten Jakobstraße im Nordwesten nachverdichtet werden. Dabei geht’s natürlich auch ums Freihalten der Blickbeziehungen auf die ehemalige Luisenstädtische Kirche, vor allem aber um die Entwicklung einer vier- bis fünfgeschossigen Stadthausbebauung (Baugruppen) zur Aufwertung des ehemaligen Kolonnenwegs im Nordosten.

Stallschreiberbrache

Stallschreiberbrache| Klick zur Diashow

Den Rest des Beitrags lesen »

Bürgermeister Schulz zur Rahmenplanung Luisenstadt

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Auch Bezirksverordnete unzureichend informiert

Von der letzten Sitzung des Stadtplanungsausschusses

In der nächsten Woche wird, nachdem die Bürgervoten auch des 2. Bürgerabends am 13.1. noch rasch eingearbeitet worden seien, die “Angebotsplanung” von Herwarth + Holz zum “Integrierten Stadtentwicklungskonzept” (INSEK) oder zur “Städtebaulichen Rahmenplanung Luisenstadt” den Verantwortlichen in der Senatsverwaltung übergeben. − Wenn wir uns recht erinnern, hatte es allerdings geheißen, nachdem das 200-Seiten-Konvolut den insgesamt wohl fünf beteiligten StadträtInnen von Mitte bzw. F’hain-Kreuzberg vorgelegt worden sei, würde dasselbe auch im Falle der beiden Kommunalparlamente geschehen, doch in der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen der F’hain-Kreuzberger BVV am 20.1. erklärte Matthias Peckskamp, Fachbereichsleiter Stadtplanung, dass es nun zunächst und vor allem um die Frage gehe, aus welchen Fördertöpfen − für städtebaulichen Denkmalschutz, Stadtumbau West und/oder Städtebauförderung − die bezirksübergreifende Stadterneuerungs- und -entwicklungsmaßnahme finanziert und ob die Luisenstadt überhaupt als Sanierungsgebiet anerkannt werde.

Keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Bezirks Mitte!

Dazu skizzierte das Bezirksamt in Gestalt von Bürgermeister Franz Schulz persönlich den Ausschussmitgliedern in groben Zügen  nur den Sachstand, nannte die Planung eine Fortschreibung bzw. Aktualisierung des “Planwerks Innenstadt” [Planer Herwarth hatte indessen wiederholt von einer "Abkehr" gesprochen], mit nur geringen Veränderungen auf Kreuzberger Seite und keinerlei Konfliktpunkten. Die Brachflächen entlang des ehemaligen Grenzverlaufs lägen zudem alle im Bezirk Mitte, in dessen innere Angelegenheiten sich F’hain-Xberg nun mal nicht einmischen könne. Dr. Schulz streifte auch den Aspekt der BürgerInnen-Beteiligung, beurteilte sie mit Verweis auf jene beiden gut besuchten Bürgerabende vom 20.10.09 und 13.01.10 als durchaus zufrieden stellend. Dies bekräftigte auch der Fachbereichsleiter Stadtplanung.

Umweltausschuss über Ergebnisse der BürgerInnen-Beteiligung noch immer in Unkenntnis

Aber auch die Ausschussmitglieder stellen sich eine bezirksübergreifende Planung, wofür ausdrücklich eine Kooperation beider Bezirke vereinbart worden war, wohl anders vor. Bezirksverordnete von B’90/Die Grünen, nämlich Fraktionssprecherin Antje Kapek und Ute Kätzel, zeigten sich darüber verwundert, dass der Bürgermeister die Verkehrs- und Grünflächenplanung offenbar an der Bezirksgrenze enden lasse und auch beim Stichwort Nachverdichtung, also der Errichtung neuen Wohnraums, mögliche Auswirkungen auf den Ortsteil Kreuzberg mit Blick auf Mietpreisentwicklung und befürchtete Gentrifizierung nur gering einschätze. − Und beim Thema BürgerInnen-Beteiligung erinnerte Frau Kapek an die Zusage, den Ausschussmitgliedern jene Mindmaps mit den BürgerInnenvoten aus der ersten Veranstaltung zukommen zu lassen. Dies sei leider nicht geschehen.

Die BürgerInnenvoten seien doch alle in den Planentwurf eingegangen, beeilte sich Peckskamp zu versichern, wobei weiterhin offen bleibt, welche und in welcher Form. − Dazu sollte man vielleicht noch wissen, dass, rein quantitativ, gerade mal ein Prozent des Berichts zum Planentwurf vom 17.12.09 der Darstellung der Sicht der BürgerInnen gewidmet ist. (Was von der zweiten Veranstaltung Eingang fand, bleibt gänzlich offen.) Und dass dieser Bericht, wenngleich nur in einer Kurzfassung, lediglich dem Bürgerverein Luisenstadt zugänglich gemacht wurde. [ Präsentation und dabei verwendete Planunterlagen wurden, wie berichtet, inzwischen auf der Website von Herwarth + Holz zugänglich gemacht. ]

Bezirksamt schaukelt die Sache schon

Daraufhin  legte der Bürgermeister dar, dass sich der Bezirk ohnehin mit all seinen Anliegen habe durchsetzen können: etwa der Schaffung grüngliedernder Elemente entlang von Alexandrinen- und Oranienstraße, Beibehaltung des nordwestlichen Moritzplatzes als Grünanlage mit Vorhalten einer Fläche für ein Berliner-Mauer-Projekt sowie keine Rückkehr zu straßenbündiger Blockrandbebauung entlang des Kreuzberger Teils der Heinrich-Heine-Straße.

Beteiligte BürgerInnen werden nicht gehört

Die der Ausschusssitzung als Gäste beiwohnenden BürgerInnen, die am beiden Bürgerabenden teilgenmmen hatten und nun gerde ergänzend u.a. vom Unmut etlicher TeilnehmerInnen des 2. Bürgerabends angesichts des unzureichenden Informationsstands berichtet hätten, welchem durch Online-Veröffentlichung des genannten Berichts [er enthält auch viele Pläne und sehr interessante historische Aufnahmen] doch sehr leicht abzuhelfen (gewesen) wäre, bekamen bedauerlicherweise kein Rederecht. − Aufschlussreich auch, dass, wie bereits berichtet, der Bürgerverein Luisenstadt von insgesamt immerhin vier Bürgerveranstaltungen spricht, sich also seine Sonderbehandlung im Rahmen der BürgerInnen-Beteiligung bewahren konnte.

Leitbild Grünraum steht aus!

Sodann wäre zu betonen, dass im Vorfeld der Anlage/Stärkung der auch aus Sicht der Planer quantitativ und qualitativ unzureichenden Grünflächen, deren Größe sich nach dem vorliegenden Entwurf ja mitnichten erhöht, unbedingt unter BürgerInnen-Beteiligung ein bezirksübergreifendes Leitbild  entwickelt werden sollte, sowohl was Qualifizierung als auch was Pflege betrifft. Denn dass z. B. die allenthalben vorgenommene Auslichtung der bestehenden Parkanlagen zur Beseitigung von “Angsträumen”, Erhöhung der Transparenz und damit der  sozialen Kontrolle Teil eines solchen Leitbilds sein sollte, ist auch im weiblichen Bevölkerungsteil sehr umstritten und ließe für die “Stärkung” der Grünverbindung nichts Gutes erwarten.

Der von uns immer wieder eingeforderte Paradigmenwechsels in der Grünflächenpflege hin zum Dulden von Spontanaufwuchs, eigendynamischer Vegetationsentwicklung mit natürlicher Verjüngung und einem Zulassen von “Wildnis im urbanen Raum” [was im Fall der Brachflächen entlang des Grenzverlaufs sogar eine kulturelle Konnotation erhielte],  und all dies nicht nur aus ökologischen (Klima- und Artenschutz), umweltpädagogischen (authentische Naturerlebnisräume), sondern sogar aus haushalterischen Gründen: Nicht selten ohnehin scheiternde Neupflanzungen wären in geringerem Maße erforderlich; pflegerische Eingriffe müssten zwar sehr fachkundig, könnten dafür aber umso seltener erfolgen, seltener jedenfalls als z. B. bei ständig zu mähenden und zu wässernden Kurzrasenflächen, die während sommerlicher Hitzeperioden in aller Regel dann doch großflächig vertrocknen.

Nachtrag zur Umweltausschusssitzung

Im Nachgang zur letzten Umweltausschusssitzung am 19. Januar sei auch noch angemerkt, dass nicht einmal die von der Linken eingebrachte Beantragung einer Beschlussempfehlung für die BVV angenommen wurde, aus ökologischen Gründen unter Büschen und Hecken das Laub liegen zu lassen [Schutz vor Erosion, Habitat für Kleinlebewesen, Humusbildung − ausgenommen selbstredend das von den Larven der Miniermotte kontaminierte Laub der weißblühenden Rosskastanie] −, weil sich die Fraktion von B’90/Die Grünen unverständlicherweise enthielt bzw. dagegen stimmte und damit dem Gegenantrag von John Dahl (SPD) zur Mehrheit verhalf. − Ungeachtet dessen soll für den “Laub-Antrag” in der nächsten BVV-Sitzung am 27.Januar, also nächsten Mittwoch, dennoch eingebracht und für eine Annahme geworben werden.

Bereits umgesetztes Konzept wird dem Ausschuss nächstes Mal erläutert

Was die Gestaltung des Görlitzer Parks und besonders seinen Ostteil angeht, bestätigte Baustadträtin Kalepky, dass die drei rot punktierten Bäume gegenüber der einen der beiden neuen Toreinfahrten stehen bleiben dürfen. Was die nämlichen roten Punkten auf zahlreichen Bäumen nahe der neuen Treppe bedeuten, konnte Frau Kalepky nicht sagen. Ansonsten werde sie dem Umweltausschuss auf seiner nächsten Sitzung im Februar das Planungskonzept, das angeblich mit BürgerInnen-Beteiligung ausgewählt wurde, ausführlich vorstellen. − Das hat einen  Schönheitsfehler, dass nämlich dieses Planungskonzept (nach den eigenen Worten Frau Kalepkys) weitestgehend umgesetzt ist. − Auf das uns schon vor Monaten zugesagte Protokoll jener entscheidenen Planungswerkstatt, das die BürgerInnen-Beteiligung, von der zumindest niemand der AnwohnerInnen, mit denen wir sprachen und die schlicht entsetzt sind,  etwas mitbekommen hat, warten wir übrigens noch immer, was nun sogar ganz offiziell protokolliert worden ist.

Wiedergewinnung von Stadt

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Vom 2. Bürgerabend zur Städtebaulichen Rahmenplanung Luisenstadt

Ein Angebot an die BürgerInnen?

Gestaltung

Das Gestaltungskonzept

Die sog. Angebotsplanung von Herwarth + Holz, steht bzw. Anregungen und Kritik des Bürgerabends Numero 2 am vergangenen Donnerstag (13.1.) werden rasch, sehr rasch noch eingearbeitet, denn am 15. Januar, also gestern, war schon Redaktionsschluss: Dann wird der Entwurf zur “Städtebaulichen Rahmenplanung Luisenstadt” den zuständigen Stadträten von Mitte und F’hain-Kreuzberg vorgelegt, und diese wiederum leiten sie an die beiden Kommunalparlamente weiter − “zur Kenntnisnahme”, wie es heißt.

Der diesmal ausreichend beheizte Kirchenraum war seltsamerweise so abgeteilt und bestuhlt, als würde nurmehr die Hälfte interessierter BürgerInnen erwartet als zur Auftaktveranstaltung am 20. Oktober, doch trotz völlig unzureichender Bewerbung kamen diesmal zur sichtlichen Überraschung der VeranstalterInnen noch deutlich mehr, so dass Frau Thomas von der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael auch noch die Treppe als gute Sitzgelegenheit empfehlen musste…

Der Informationsstand der von der geplanten “Wiederentdeckung von Stadt” Betroffenen − immerhin 22.000 EinwohnerInnen im zweieinhalb qkm großen Planungsgebiet − den wir schon anlässlich jenes ersten Bürgerabends vor drei Monaten bemängelten, hat sich trotz gegenteiliger Beteuerungen zwischenzeitlich kaum verbessert, ja vor der Weihnachtspause hatten sich z. B. auch die Mitglieder der entsprechenden Fachausschüsse der BVV F’hain-Xberg noch wenig bis gar nicht informiert bzw. interessiert an diesem “großen Ost-West-Projekt” gezeigt, da es doch ganz überwiegend nur Mitte betreffe…

Erste Garnitur der beteiligten Bezirke terminlich verhindert

Podium

Das Podium

Die Damen der Verwaltung, die auf dem Podium Platz genommen hatten: Gudrun Matthes von SenStadt, Abt. IV., mit den Bereichen Stadterneuerung, Soziale Stadt sowie Mittelvergabe gemäß Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz; Kristina Laduch, Fachbereichsleiterin Planen im Bezirksamt Mitte, die Baustadtrat Gothe vertrat; und Jutta Kalepky, Baustadträtin von Xhain, in Vertretung von Bürgermeister Schulz −, sie alle gaben sich überzeugt, dass für ausreichende Öffentlichkeitsarbeit gesorgt worden sei, doch außer Pressemitteilungen (die von der Presse nicht aufgegriffen wurden und auch im Web nicht zu finden sind) und die Verteilung von Flyern an die direkten AnwohnerInnen wussten sie wenig aufzuzählen. − Die Pläne hätten bei Bürgerfesten ausgelegen, seien intensiv mit dem Bürgerverein Luisenstadt sowie in “Stadtteilrunden” diskutiert worden, beeilte sich noch der auch diesmal den Abend moderierende Carl Herwarth von Bittenfeld vom beauftragten Architekturbüro Herwarth + Holz zu ergänzen.

Keine Partizipation2.0 − kein webbasierter Dialog

Gestaltung 02

Gestaltungsvorschläge

Die Anregung, das Internet nicht nur einkanalig als virtuellen Schaukasten, sondern als interaktives, zweikanaliges und dazu unschlagbar kostengünstiges Medium einzusetzen, also mit Wiki, Forum oder wenigstens einer digitalen “Pinnwand” echten Dialog zu ermöglichen, um bei diesem Großprojekt, das auf Grund seines Bezirks- und Verwaltungsebenen übergreifenden Charakters immerzu, und jetzt auch wieder von Frau Matthes, als modellhaft gepriesen wird, die gesetzlich ja nun mal vorgeschriebene BürgerInnenbeteiligung gleichermaßen modellhaft anzugehen −, dieser schon am vorigen Bürgerabend unterm Motto einer Partizipation2.0 dringend angeratene Weg wurde wieder nicht beschritten. Und das Reden von “wir haben dies und jenes eingestellt” [was noch nicht einmal stimmte], nährt den Verdacht, dass hier was beharrlich [und vorsätzlich?] missverstanden wird.

Ausgangssituation

Herwarth von Bittenfeld beschreibt die Ausgangssituation

Natürlich ist dieses “Einstellen” von Unterlagen, Plänen, Protokollen etc. notwendige Bedingung5, denn sonst erhalten, wie mehrere, darunter vor allem jüngere, TeilnehmerInnen zu Recht hervorhoben, die zu “Gebietsexperten” beförderten BürgerInnen eine Stunde lang eine frontale Breitseite unterschiedlichster Daten, Fakten, Hintergründe und haben dann eine weitere Stunde Gelegenheit zur Replik ["die letzte", wie die Senatsvertreterin zu allem Überfluss auch noch dramatisierte], aber eben keine Möglichkeit, sich im Vorfeld in Ruhe mit der Materie auseinanderzusetzen (die lt. Herwarth ein 200-Seiten-Kompendium umfasst), mit prinzipiellen wie mit Detailfragen, was doch angesichts der Komplexität des auf eine zehnjährige Umsetzungsphase angelegten Vorhabens selbstverständlich sein müsste. − Und so bleibt eben nur, sich entweder auf Einzelheiten zu kaprizieren, die mehr oder minder direkt den eigenen Wohnbereich berühren, oder allzu abstrakt übers große Ganze zu extemporieren − auf die Gefahr hin, sich in Schlagworten und Gemeinplätzen zu verlieren, was dann auf gleicher Ebene gekontert werden kann und den Nährwert des Austauschs gegen Null tendieren lässt.

Problembewusstsein der Planer6

Leitziele

Leitziele

Erfreulicherweise zeigen Herwarth + Holz, was das Gebot der Stunde, sei’s in ökologischer oder sozialer Hinsicht, angeht, ein beachtliches Maß an Problembewusstsein. Die Planer müssen jedoch den Vorgaben der (Haupt-)Verwaltung nachkommen, die durch allerlei Kampagnen für Klima- und Artenschutz, Grünes Leitbild, Lärm- und Feinstaubminderung oder Förderung des Radverkehrs zwar wenig Nachhaltiges, aber viel fürs Greenwashing tut, an ihren konkreten Taten gemessen, jedoch täglich unter Beweis stellt, das es ihr vor allem um “Aufwertung” im monetär-materiellen Sinn geht, um in einem unserer Meinung nach völlig überholten Verständnis von “Investorenfreundlichkeit” die “harten Standortfaktoren” der urbanen Mitte Berlins zu stärken. Ums zuzuspitzen: Wenn vom Erhalt der “Grünen Metropole” und unseres “ungeheuren Grünvolumens” geredet wird, ist hauptsächlich die Tourismusindustrie der Adressat; wenn grüne, soziale und kulturelle Infrastruktur “qualifiziert” werden sollen, dann vor allem, um die solventere Klientel in der City zu halten oder zur Rückkehr aus dem Speckgürtel zu locken.

Fördermittel von Land, Bund und EU

Frau Matthes betonte also noch mal das besondere Interesse der Senatsverwaltung an der Luisenstadt und resümierte, dass in Fortführung des Stadterneuerungsprogramms aus 66 geprüften Gebieten 13 ausgewählt worden seien, um sie binnen zehn Jahren aufzuwerten, darunter eben die nördliche Luisenstadt, für die nun vorbereitende Untersuchungen liefen, ob sie die Kriterien eines Sanierungsgebiets erfülle, so dass neben den Fördermitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz auch solche für Stadterneuerung und -umbau fließen können.

Das städtebauliche Leitbild

Schwerpunktthemen

Schwerpunktthemen

Herwarth von Bittenfeld präsentierte das städtebauliche Leitbild der Rahmenplanung, in das die vielfältigen Anregungen der BürgerInnen eingearbeitet worden seien, ohne freilich auszuführen, welche wo und wie, aber nach Beschluss dieser “Angebotsplanung” durch die beiden BVVen würden ja erst die einzelnen Projektplanungen ausgeschrieben, und bei deren konkreter Ausführung gebe es für die Betroffenen dann noch viel Gelegenheit, sich einzubringen und mitzuwirken, so dass es sich bei der gegenwärtigen Veranstaltung also keineswegs schon ums Finale handele. Die Botschaft hörten wir wohl −, doch prangen auf den Plänen bspw. schon reichlich hell- und dunkelrote Felder, die entweder Vorplanungen für Neubauvorhaben oder einen bereits verbindlich Planungsstand, nämlich die vielen bereits erteilten Bauvorbescheide signalisieren, das Ergebnis zahlreicher intensiver Arbeitsgespräche, von denen Frau Laduch vom Stadtplanungsamt Mitte berichtete. (Am 1.12. hatte es ferner eine geschlossene Veranstaltung mit den eigentlichen “Gebietsexperten” gegeben: “Institutionen, Eigentümern, Verwaltungen”, worüber nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist −, doch es wurde versichert, dass denen gar nichts anderes präsentiert worden sei als uns jetzt.)

Die Ausgangslage

Maßnahmen

Maßnahmen

Städtebaulich zeigt die Luisenstadt gegenwärtig nach Westen, zum Stadtzentrum hin (Achse Lindenstraße) eine sehr urbane “Mantelzone” mit wenig Wohnbebauung und hohem Dienstleistungsanteil, die nordöstlich entlang der Spree stark gewerblich geprägt ist. Nach Südosten hin folgen auf den “Mantel” lockere Strukturen von mit Gewerbe durchmischter Wohnbebauung und relativ hohem Grünanteil, woran sich dann auf Kreuzberger Seite die “gründerzeitlichen” Strukturen hochverdichteter Wohnquartiere anschließen, mit Läden, Gastronomie, kulturellen Einrichtungen, Agenturen etc., kurz: der Kreuzberger Mischung vor allem im Erdgeschoss. − Ins Auge springt die Heterogenität der städtebaulichen Struktur, die Koexistenz der Gegensätze, die durch “die Geschichte” erzeugten Brüche und Brachen, ein Nebeneinander von Zerstörung und Aufbau.

Justierung

Wallstraßenblock

Der Wallstraßenblock

Angesichts dieser Ausgangssituation präsentierten Herwarth + Holz als städtebauliches Leitbild für die Luisenstadt eine “Justierung zwischen der (Über)Urbanisierung der Gründerzeit und der (Unter)Urbanisierung der Moderne.” In Bewahrung und Nutzung des historischen Gedächtnisses dieses Stadtteils gelte es, seine Gebäudesubstanz (mit Ausnahme einiger abzureißender Lagerhallen am Spreeufer) zu erhalten, behutsam weiterzuentwickeln und zu ergänzen, die Lücken und Brachen zu verbinden und zu vernetzen.

Von der Wiedergewinnung eines Stadtteils zur Wiedergewinnung von Stadt

“Wiedergewinnung von Stadt” meine in diesem Fall, das Erreichen einer hohen Wohn-, Aufenthalts- und Lebensqualität durch Entwicklung der sozialen, kulturellen und grünen Infrastruktur, Verflechtung der Luisenstadt nach innen und außen, ihre Heranführung “an neue Ufer”, also das der Spree, Schaffung bzw. Stärkung stadtraumbedeutsamer Grünverbindungen, zentraler Orte und des Geschäftszentrums, die Entwicklung der Straßen zu öffentlichen Räumen für AnwohnerInnen, Beschäftigte und BesucherInnen.

Gestaltung

Sebastianblock

Der Sebastianblock

Entlang der Achse Prinzen- und Heinrich-Heine-Straße, also in der “Mantelzone”, soll durch zahlreiche Bauvorhaben über die Schaffung von “Synapsen” die Verschmelzung beider Stadtteile, Luisenstadt und Mitte, an zentraler Stelle beispielhaft gelingen. Nördlich der Annenstraße könne noch verdichtet und in der Folge das Heinrich-Heine-Forum als “Marktort” in seiner Zentrumsfunktion gestärkt werden. − Die Grünanlage am Moritzplatz sei weiterzuentwickeln, auch die Erinnerung an den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße als eine Art “Klein-Checkpoint Charlie” zu bewahren. − Längs der Köpenicker Straße sollen die “zerfransten” Blockränder ergänzt werden; gegenüber des ver.di-Gebäudes gebe es noch einen Großstandort für Baugruppen. − In Abkehr vom Planwerk Innenstadt und seiner Wiederherstellung straßenbündiger Blockrandbebauung solle es entlang der Alexandrinenstraße grüngliedernde Elemente geben und auch eine entsprechende Qualifizierung entlang Heinrich-Heine- und Oranienstraße, eine Vernetzung der Grünanlagen, wenn auch nicht in direktem Anschluss, so doch  im Geiste Lennés, und eine Anbindung über Michaelkirch- und Lichtenberger Straße bis zum Volkspark Friedrichshain. − Neben dem genannten Planwerk seien auch alle übrigen kontroversen Planungen gründlich gesichtet und hinterfragt und, nach Übernahme des Brauchbaren, nunmehr ersetzt worden im Bestreben, “aus Gräben Baugruben” zu machen, worüber übrigens verwaltungsübergreifend bereits Konsens herrsche.

Unter bzw. hinter dem Mantel definierten die Planer sechs Großräume oder Schwerpunktbereiche, und zwar der

  • Wallstraßen-
  • Sebastian-
  • Dresdener-
  • Annen-
  • Holzufer- und der
  • Stallschreiberblock

Maßnahmen

Dresdenerblock

Der Dresdenerblock

Zu den hier geplanten Maßnahmen [siehe auch unsere  − angeklickten − Fotos]: der Bebauung; bzgl. der Straßen, Wege und Plätze; der Grünanlagen und -verbindungen sowie der sozialen Infrastruktur äußerte sich Herwarth-Kollege Thomas Fenske in sehr gedrängter Form, da er ja nicht von dem Stündchen Diskussionszeit noch was abknapsen mochte. Er betonte − sicher auch in Reaktion auf das Thesenpapier (S. 1 + 2) der AG Verkehr im BV −, dass keinerlei neuen Straßenöffnungen geplant seien (auch die Dresdener Straße werde mitnichten wieder Durchgangsstraße), stattdessen aber viel radverkehrliche Maßnahmen, besonders auch auf der Annenstraße, dazu Straßenverengungen etwa durch Baumpflanzungen: Das Votum der Verkehrsberuhigung sei also aufgenommen und nur noch auf der Köpenicker, der Oranien- und der Heinrich-Heine-Straße 50 km/h vorgesehen, überall sonst aber Tempo 30 oder noch darunter! Ferner sei der ÖPNV zu verbessern, namentlich die Bus-Frequenz, der U-Bhf. Heinrich-Heine-Straße aufzuwerten, und sodann der Spreeuferweg als Freiraum offen zu halten, mit “grünen Fenstern und Trittsteinen” (und in Absprache mit den Eigentümern), ferner der Köllnische Park zu qualifizieren und das Märkische Museum aus seinem Dörnröschenschlaf zu wecken. Die Grenze mit ehemaligem Mauerstreifen sei endgültig zu überwinden, und über Brachflächen seien bauliche Brücken zu schlagen.

Keine Chance zu qualifizierter Stellungnahme

Annenblock

Der Annenblock

Es würde unseren Rahmen sprengen, hier Leitbild, Entwicklungsziele, Gestaltungsprinzipien und “-vorschläge” im Einzelnen zu diskutieren und zu bewerten [die offiziellen sind unseren − angeklickten − Fotos zu entnehmen], wie auch das durch die Zubilligung nur einer einzigen Stunde für Verdauung und Reaktion einigermaßen überforderte Publikum in der sogleich sehr lebhaft aufbrandenden Debatte nur einige wenige Details und Gesichtspunkte quasi herauspicken konnte und angesichts dieses künstlich erzeugten, für ernstgemeinte Beteiligung absolut kontraproduktiven Zeitdrucks einigen Unmut bekundete. Es hätte, wie gesagt, für eine qualifizierte Diskussion im Sinne wenigstens rudimentärer Beteiligungsansätze einer eingehenden Vorbereitung anhand der (kommentierten) Planunterlagen bedurft −, doch auf der anderen Seite verblüffte der Vorsitzende des Bürgervereins Luisenstadt, der offenbar in alter Tradition einmal mehr als privilegierter Träger der BürgerInnen-Beteiligung mit einigen Materialien bedacht worden war, indem er sich über die Fülle des ihm Übersandten beklagte.

Einige Schlaglichter

Nachverdichtung, Brachen und Grünanlagen

Daten

Daten

Wenn z. B. die 16 ha Brachflächen alternativ als “untergenutzte Flächen” figurieren und andererseits für den erwarteten Bevölkerungszuwachs von 5 bis 8000 Menschen 4100 neue Wohneinheiten entstehen sollen, wird schnell klar, dass neben der Frage, in welchem Preissegment sich diese Wohnungen bewegen werden − was heißt denn in diesem Zusammenhang “Aufwertung”? −, die Art und Weise der Nachverdichtung interessieren muss. Denn angesichts der Folgen des Klimawandels, die insbesondere unsere Region und genau solche innerstädtischen Bereiche schon in wenigen Dekaden heimsuchen werden, muss Nachverdichtung sorgsam gegen den Bedarf an Freiflächen, Schattenzonen und Kaltluftentstehungsgebieten abgewogen werden. Und wenn auch die Pläne prima facie einen ordentliches grünes Netz aufzuweisen scheinen und ja auch viel von Qualifizieren, Stärken und Verbinden die Rede war, so bleibt festzuhalten, dass sich unterm Strich der Grünanteil keineswegs erhöht und hierfür von der Verwaltung auch gar kein Bedarf gesehen wird, weise dieses Stadtviertel doch einen außerordentlich guten Index auf, wenn es um fußläufig erreichbare Grünflächen gehe − so als sei Grünfläche gleich Grünfläche; so als habe ein Grünstreifen, auch wenn mitunter türkisch-deutsche Familien zum Verschnaufen damit Vorlieb nehmen mögen, irgendeine Aufenthaltsqualität. − Hier ist, wie schon öfter in diesem Blog betont, eine öffentliche, stadtnaturschutzfachlich unterlegte Leitbild-Debatte überfällig, nach welchen Kriterien wir unser öffentliches Grün künftig gestalten und pflegen wollen, um endlich den Anforderungen an ökologische Nachhaltigkeit zu genügen, und dies auch mit Blick nicht nur aufs Ballspielen, sondern auf die Naturerfahrung von Kindern und Jugendlichen und das Existenzrecht unserer nichtmenschlichen urbanen Mitwelt!

Stallschreiberblock

Der Stallschreiberblock

Und über dem Totschlagsargument, die Brachflächen, auf denen oft wertvolle Ruderalvegetation in schon weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadien gedeiht, seien derart von Altlasten kontaminiert, dass sie erstmal eines kompletten Bodenaustauschs bedürften, sollten wir dies doch bitteschön zunächst im Einzelfall überprüfen und abwägen, anstatt das Ganze umstandslos als Bauland auszuweisen, und uns ansonsten konsequenterweise auch so akribisch um die Altlasten von morgen bekümmern, die unser heutiger Lebensstil tagtäglich produziert.

An die Wohnungsbaugesellschaften sei jedenfalls das Angebot ergangen, unter Wahrung der grün geprägten Wohnstrukturen und dem Aspekt seniorengerechten Wohnens ihren Bestand weiterzuentwickeln, doch für Standard und Ausstattungsniveau, worin private Investoren Wohnraum bereitstellen, könnten, so Senats- und Bezirksvertreterin Mitte unisono, selbstverständlich keinerlei Vorgaben gemacht werden. Primär bemesse sich die Qualität von Wohnraum ohnehin an seiner Lage. − Hier muss vor allem z. B. per Grundbucheintrag festgeschrieben werden, dass die Innenbereiche nicht unbegrenzt versiegelt und überbaut werden dürfen.

Erhalt von Möglichkeitsräumen

Unbefriedigend sei auch die Situation der alternativen Wohn- und Lebensprojekte wie z. B. des Schwarzen Kanal, die sich nur einer geduldeten Zwischennutzung auf Privatgrund mit ständiger Räumungsdrohung erfreuen. Sondernutzungsformen wie der Tresor u.a. und Möglichkeitsräume für Experimente würden auf diese Weise schrittweise verdrängt. Obwohl den Leuten lt. Frau Laduch vom Planungsamt Mitte unter persönlichem Einsatz von Stadtrat Gothe “20 bis 30 Alternativstandorte” [sic!] angeboten worden seien, habe keiner ihren Anforderungen genügt.

In Reaktion auf die Forderung, den Mauerweg unbedingt auch weiterhin als geschichtliche Spur zu betonen und entsprechend offenzuhalten, versicherte Senatsvertreterin Matthes, das bleibe selbstverständlich weiterhin Thema.

Auch im Hinblick auf die Verkehrsberuhigung setzte es einerseits heftige Kritik seitens eines Bürgervereinsvertreters, der im “Nadelöhr” Michaelkirchstraße, das durch einen Radstreifen noch weiter verengt werden soll, den Hauptgrund für den zweimal täglichen Rückstau des Autoverkehrs bis zum Moritzplatz sieht, deshalb also vehement für Erweiterung eintrat und dabei Schützenhilfe von AnwohnerInnen erhielt, die schließlich mit ihrem Auto nach Hause und von dort auch wieder wegkommen müssten −, während andere das vorgestellte Verkehrsberuhigungskonzept ausdrücklich lobten, das Autofahren in der Luisenstadt ja gerade unattraktiv machen solle, aber in der Ergänzung der Blockrandbebauung, zumal in Nord-Süd-Richtung, also etwa entlang der Heinrich-Heine-Straße, Schluchten entstehen sehen, die durch die hier nun mal vorherrschenden Westwinde nicht mehr durchlüftet werden könnten. Und vollends grotesk sei es, die Blockränder als Lärmschutz fürs private Grün der Innenhöfe zu errichten, zumal wir doch davon ausgehen sollten, dass Lärm und sonstige Emissionen produzierender Individualverkehr, der in Berlin schon jetzt erfreulich rückläufig sei, bald ganz der Vergangenheit angehören müsse, wenn denn überhaupt noch Verkehr in unseren Ballungszentren möglich sein soll. − Die Straße werde durch Blockrandschließung mitnichten zum öffentlichen Raum, sondern dabei allenfalls nach dem “Presswurst-Prinzip” verfahren: ein langer eng gequetschter Abschnitt bar jeder Aufenthaltsqualität; dann eine Ab- (oder in diesem Fall Auf-)schnürung durch ein Grün- oder Freiraumsegment, woran sich der nächste schluchtartige Abschnitt anschließt.

Und wie geht’s weiter?

Mehrfache Nachfragen, wie denn im weiteren Verlauf die BürgerInnen-Beteiligung, die es bislang und ausgerechnet bei diesem modellhaften Großprojekt wieder nur in Schrumpfform gegeben habe, gehandhabt und ihrerseits noch aufgewertet werden solle; wie sich Interessierte etwa in Bebauungsplanverfahren einbringen könnten, wenn sie nicht einmal darüber informiert würden; ob nicht die Einrichtung einer Management- oder Anlaufstelle für Partizipation Sinn mache − all das blieb unbeantwortet. Pünktlich und reichlich mürrisch aufbrechende SeniorInnen lieferten den VeranstalterInnen den willkommene Anlass zum Hinweis, dass doch nun wohl genug diskutiert worden sei…


5 Carl Herwarth von Bittenfeld hat die zeitnahe Übersendung der weiter modifizierten Pläne zugesagt, die wir dann, wie schon beim letzten Mal, hier anstelle der Fotos veröffentlichen werden. Obschon gestern, wie gesagt, “Redaktionsschluss” war, ist bislang allerdings noch nichts eingetroffen.
[Update, 21.01.
: Die Präsentation von Herwarth + Holz sowie die zugehörigen Planunterlagen finden sich nach Abschluss der Endredaktion nunmehr auf der Firmen-Website (unter den ersten beiden Fotos).]
6 Siehe auch den Herwarth-Vortrag “Klima Berlin – erste Arbeitsergebnisse” auf der kürzlichen StadtForums-Veranstaltung 2 Grad Plus am 7. Januar im EnergieForum.

« Ältere Einträge

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 460 Followern an