Fichte-Eiche einstweilen verschont

Vor Weihnachten noch was Positives!

Bis zuletzt bangten nicht nur die AnwohnerInnen, dass die 200jährige Eiche in der Fichtestraße 13 am gestrigen Montag (21.12.) wenn nicht fragwürdigen Zugversuchen, so doch womöglich einer massiven Kroneneinkürzung unterzogen würde. Am Freitag hatte Fachbereichsleiter Schädel auf Bitten der Baustadträtin Kalepky die BaL kurz vor Ausbruch des Wochenendes per Mail lediglich darüber informiert, dass die in Erwägung gezogenen Zugversuche kurzfristig ausgesetzt seien und die Messdaten des Gutachtens von Fr. Dr. Schmidt, die am Baum zu ziehen angeraten hatte, zusammen mit ihr und weiteren Sachverständigen erneut ausgewertet würden, über Umfang und Uhrzeit der stattdessen beabsichtigten Kronenreduzierung am Montag aber nichts mitgeteilt.

Unzureichendes Gutachten

Eine erneute Auswertung und Komplettierung des Gutachtens hatten auch Baumsachverständige u.a. des BUND angeraten, die das Fehlen der Messkurven der Bohrwiderstandsmessungen bemängelten und dass diese offenbar nur in einer Höhe von 180 – 270 cm durchgeführt wurden, die schalltomografischen Messungen nur auf einem Niveau von 180 cm. Auch fehle die Darstellung der Messpunkte in Form einer dreidimensionalen Grafik mit den ermittelten Restwandstärken, vor allem aber die für eine Beurteilung der Standsicherheit unverzichtbaren Stammfuß- und Wurzelstock-Untersuchungen, um zu ermitteln, wie weit die vom Schwefelporling − dessen „Sträuße“ aus einer Stammhöhlung lugen − ausgehende, zum Glück absteigende Holzzersetzung schon vorgedrungen ist. Unstrittig ist, dass das Gewicht der Krone verringert werden muss, um ein etwaiges Auseinanderbrechen der Eiche zu verhindern.

Kronenreduzierung Fichte-Eiche

Geplante Kronenreduzierung an der Fichte-Eiche ©F.-E. Schmidt

Unklar blieb den BaumschützerInnen jedoch, weshalb gleichzeitig am Baum schon der Kronenrückschnitt durchgeführt und währenddessen das über seinen Umfang doch entscheidende (und außerdem noch unvollständige) Gutachten erst gründlicher ausgewertet werden sollte. Und vor allen Dingen, wann am Montag die Sägen angeworfen würden, so dass sich manche schon, in aller Herrgottsfrühe vor Ort angekommen, als Eiszapfen vom Rad fallen sahen…

Ungewohnte Transparenz

Gerüchte wollten wissen, dass erst nachmittags gesägt würde, doch Gewissheit verschaffte erst eine weitere Mail Hilmar Schädels am Montagmorgen um zehn − aus Sicherheitsgründen habe die Pflegefirma den Einsatz verschieben müssen −, und eine dritte enthielt dann auch die gewünschten detaillierteren Angaben:

Frau Dr. Schmidt habe folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. Einkürzen und Auslichten der Endverzweigungen der Krone um ca. 10 – 15 %
  2. Einkürzen von Kronenteilen nach ZTV 3.1.9.2 ca. 2m (im Bereich der Straße)
  3. Freischnitt der Fassade
    [Wieso dies vorgenommen und damit die Asymmetrie der Krone hin zum Straßenraum reproduziert werden soll, können wir nicht nachvollziehen. (BaL)]
  4. Totholzentnahme nach ZTV 3.1.5

Zusätzlich wurde uns noch obiges Foto übersandt, worin die Gutachterin die beabsichtigten Maßnahmen gekennzeichnet hat. Wann sie nun durchgeführt werden, bleibt offen: „Ein neuer Termin steht leider noch nicht fest. Wir werden Sie schnellstmöglich über neue Terminabsprachen informieren“, schrieb der Fachbereichsleiter.

Wir sind angesichts dieser vorweihnachtlichen Transparenz-Offensive so überrascht wie dankbar und hoffen, dass es sich dabei nicht nur um eine saisonbedingte Sonderzuteilung handelt, sondern als Auftakt zu einer offeneren Kommunikation und Kooperation von Seiten der Behörde beim sensiblen Thema des Umgangs mit den Xhainer Bäumen und den sich um ihren Schutz bemühenden BürgerInnen verstanden werden darf.

In diesem Sinn wünschen wir den MitarbeiterInnen des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächen im Xhainer Bezirksamt, seinem Leiter, Herrn Schädel, und last but not least seiner Chefin, Frau Baustadträtin Jutta Kalepky, friedvoll-besinnliche, entspannende Feiertage und einen unfallfreien Rutsch!

Kommunaler Baumbestand am Kanalufer von Partizipation ausgenommen?

Vereinbarung mit WSA muss auch für bezirkliche Baumpflegearbeiten am LWK gelten!

Nicht einmal ein Viertel (22,5 %) der Bäume am LWK fallen in WSA-Zuständigkeit; von der großen Mehrheit (78,5 %) stehen die meisten auf Bezirksflächen. Als vor ziemlich genau zwei Jahren am Maybachufer hohe Linden gefällt wurden, ohne dass Mediationsforum oder BI informiert worden wären, fiel die Reaktion Letztgenannter ziemlich heftig aus. Und das Neuköllner Grünflächenamt versprach Besserung und informiert seither nicht nur über Fäll-, sondern auch Schnittmaßnahmen.

Obschon die BI nicht zuletzt auf Grund dessen lange davon ausging, dass die kurz vor diesem Zwischenfall in einem Außenposten des Grünflächenamt Mitte beschlossene Routine zum Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen, in die Bäume involviert sind, auch für den bezirklichen Uferbaumbestand gelte (und nicht nur für jeden 4,5ten Uferbaum!), sollte auch mit den Bezirken eine entsprechende Vereinbarung getroffen und schriftlich fixiert werden. Allein ohne dass es groß bemerkt worden wäre, verliefen die Bemühungen um dieses wesentliche Desiderat wegen Ausscheidens des auf Seiten von BI/Verein BaL damit betrauten Mitglieds aus dem Mediationsverfahren im Sande.

Im vergangenen Frühjahr nun, als der ABZ Neukölln wegen radikaler Strauchrodungen am Paul-Licke-Ufer und Verstoßens gegen die vereinbarte Routine stark kritisiert wurde, kam auch hier ein „Soll nicht wieder vorkommen!“ Die zugesagten Ersatzpflanzungen stehen unseres Wissens zwar noch aus, aber wie auch immer: die anschließenden unangekündigten, inmitten der Vegetationsperiode erfolgten Einheits-Pappelkappungen von bezirklichen Uferbäumen im Bezirk Mitte (Müller-Breslau-Ufer) und später dann in Kreuzberg (die übrigens bis heute nicht aufgeklärten am Brachvogel) provozierten auf Seiten der BI abermals scharfen Protest, nicht zum wenigsten, weil gerade solche Façon-Rasur in der Fachwelt sehr umstritten ist [Siehe z. B. die sich an interessierte Laien richtende, vortrefflliche Info-Broschüre des Dipl. Forstwirts Peter Kluge].

Nach einem halben Jahr schaffte es dieses Thema auf die Tagesordnung

Nach wechselseitigen Drohungen, aus dem Mediationsverfahren auszusteigen, und allzu langer, unsere Geduld arg strapazierender Verschleppungstaktik und dem unbekümmerten Übergehen eines entsprechenden schriftlichen Antrags eines BI-Mitglieds kam die Thematik schließlich in der letzten AK-Sitzung dieses Jahres am vergangen Donnerstag (17.12.) doch noch auf die Tagesordnung [bzw. wurde gespannt abgewartet, ob wir sie ad hoc einspielen, doch die Bezirksvertreter zeigten sich wohlpräpariert], und es überraschte denn doch, dass zunächst einmal die anwesenden Grünflächen- bzw. Umweltamtsmitarbeiter von Neukölln bis Charlottenburg-Wilmersdorf unisono und intransingent die Maximalforderung erhoben: dass nämlich Maßnahmen an „ihren“ Uferbäumen von der genannten Routine (=> Meldung über den Verteiler des AK Kurzfristige Maßnahmen; Einräumen einer 24stündigen Vetofrist; im Einspruchsfall Vor-Ort-Termin und gemeinsame Begutachtung mit dem Vertrauens-Sachverständigen der BI) mit den so vielfältigen wie wenig überzeugenden Begründungen ausgenommen werden müssten. − Es kam zum Aufmarsch der üblichen Argumentationsfiguren als da wären: Personalknappheit und engmaschige Zeitpläne; die in den Grünflächenämtern in ausreichendem Maß versammelte Fachkompetenz; unteilbare Verantwortlichkeit und Haftung in punkto Verkehrssicherungspflicht etc.

Unsere unterdessen nicht minder bekannten Argumente, wonach

  • das Landschaftsbild am Kanal eben nicht nur aus den registrierten 900 „WSA- oder Bundesbäumen“ bestehe, sondern die 3100 erfassten „Bezirksbäume“ einschließe [von all jenen, die noch ihrer Kartierung harren, sowie der übrigen, ökologisch kaum minder wichtigen Begleitvegetation mal (doch wie lange noch?) abgesehen], mithin für AnwohnerInnen, BesucherInnen und NutzerInnen unteilbar sei [die Perspektive Biotopverbund aus jener der nichtmenschlichen "An- und Bewohner" ebenfalls mal außen vor gelassen];
  • Bäume und Baudenkmal ein Ensemble bilden;
  • das Mediationsverfahren zur Kanalsanierung Pilot- und Modellcharakter haben und nicht zuletzt der Erprobung von Instrumenten dienen solle, die Perspektiven, Interessen und Bedürfnisse aller Stakeholder einzubinden;
  • die Fairness, die es gebietet, etwa bei gemeinsamen Kanal-Bereisungen zum Zweck der Baumschau oder anlässlich langer gemeinsamer Sitzungen auch die geplanten bezirklichen Maßnahmen kundzutun und zu erörtern −

all das schien leider einmal mehr nicht zu verfangen, und nur die allgemeine vorweihnachtliche Gestimmtheit hielt uns davon ab, die Keule der Ausstiegsdrohung zu schwingen, was in diesem Kontext schon deshalb angezeigt wäre, weil wir diesen Sachstand vor all jenen, die wir im Mediationsverfahren zur Zukunft des LWK vertreten, schlechterdings nicht rechtfertigen können. In diesem Betracht ist mithin auch der Anwendungsbereich des Partizipationsprinzips unteilbar und sein gewichtigster Teil liegt nach allgemeiner Überzeugung gerade in der kommunalen Sphäre, im lokalen Bereich [siehe die 2006 vom Abgeordnetenhaus verabschiedete Lokale Agenda 21].

Partizipation erschöpft sich nicht in Information

Nachdem sie sich genug auf die Hinterbeine gestellt zu haben glaubten, erinnerten die anwesenden Bezirksvertreter sodann daran, dass sie selbstverständlich und doch schon lange bereit seien, nicht nur Fällungen, sondern auch erhebliche Schnittmaßnahmen anzukündigen, im Web und (ausgenommen Charlottenbg.-Wilmersdf. und F’hain-Kreuzberg) auch per E-Mail. Die Vertreterin von F’hain-Kreuzberg nahm bedauerlicherweise ausgerechnet an dieser AK-Sitzung nicht teil, so dass die Haltung dieses Bezirks, in welchem bekanntlich die längste Uferstrecke liegt, weiterhin offen bleibt.

Schon die Information ist unzureichend

An dessen im Web stehender Fällliste (bei der man von der – technisch simpel zu bewerkstelligenden – Herausfilterung der LWK-Bäume zwischenzeitlich wieder abgekommen ist) lässt sich übrigens sehr schön demonstrieren, dass diese virtuelle Lösung nicht einmal zur bloßen Information taugt: Hier werden bspw. nur Fällungen aufgeführt, die Fälldaten aber offen gelassen; die Liste wird allzu selten aktualisiert, listet Bäume, die es längst nicht mehr gibt, enthält Doppelnummerierungen, falsche Standort-Bezeichnung etc. und nicht zuletzt eine ganze Reihe fragwürdiger Radikalmaßnahmen. [Ein BaL-Mitglied klappert, zeitweise von einem Baumfachmann des BUND unterstützt, ungeachtet der gegemwärtig eher unwirtlichen Witterung die über 180 Fällkandidaten allein im Ortsteil Kreuzberg ab, und wir beabsichtigen, darüber eine Dokumentation vorzulegen. Es kann auch nicht die Aufgabe unseres Vereins sein, derart aufwendig das Verwaltungshandeln zu überprüfen, sondern hier sind die AnwohnerInnen dringend aufgefordert, die Fällliste daraufhin durchzusehen, ob und weshalb etwa der Baum vor ihrem Fenster demnächst weggehauen werden soll!]

Wie sich also hier die Bezirke im einzelnen festlegen, wird in der nächsten Zusammenkunft weiter zu diskutieren und dann als verbindliche Vereinbarung zu beschließen sein. − Doch wie bereits betont, Information ist zwar die Voraussetzung, aber noch lange keine Partizipation!

Abschließend seien uns deshalb noch einige grundsätzliche Bemerkungen zum großen Thema BürgerInnen-Beteiligung gestattet:

Prinzipielles zur Partizipation

Angesichts der immer noch weiter fortschreitenden Privatisierung des Gemeinwohls bei gleichzeitiger öffentlichen Verarmung muss (zunächst) notgedrungen das nur Wünschbare von dem zwingend Gebotenen unterschieden werden. Und um das Gebotene zu tun, bedarf es schon wegen der teilamputierten Öffentlichen Hand der politischen Förderung echter und eben nicht nur förmlicher BürgerInnen-Beteiligung, und die ist eben nicht mit bloßer Information abzuhaken. Selbstredend übernimmt die Zivilgesellschaft dabei Aufgaben, die sie an den Staat delegiert hat und wofür sie Steuern zahlt,  sanktioniert durch ihre Mit- und Beihilfe also rückwirkend noch dessen „Verschlankung“. − Doch wer könnte in diesen Zeiten aus ideologischen Gründen ruhigen Gewissens der Zerstörung unserer Stadtnatur tatenlos zusehen?

Umgekehrt kann die Verwaltung jedoch nicht bei jeder Gelegenheit einerseits ihre ja politisch gewollte Personal- und Mittelknappheit bitter beklagen, andererseits aber Machtverlust an die BürgerInnen befürchten und eifersüchtig ausgerechnet ihnen gegenüber sozusagen ihr Herrschaftswissen hüten: den perhorreszierten Machtverlust hat sie nämlich  in den letzten Jahrzehnten längst erlitten! Unter den gegebenen politischen Konstellationen kann dieser sich nur noch verschlimmernde defizitäre Zustand bspw. des urbanen Naturschutzes, der urbanen Grünflächenpflege, -planung und -entwicklung nur durch die frühzeitige Einbeziehung von Kenntnissen, Kompetenzen und Know How der EinwohnerInnen und „Insider“ vor Ort im Rahmen ihrer früh- und rechtzeitigen Beteiligung auf Augenhöhe an den sie und ihr Lebensumfeld betreffenden Maßnahmen ansatzweise kompensiert werden! Die immer drängenderen ökologischen Probleme, die fatalerweise erneut hinter die ökonomischen, obgleich mittelfristig diese nur im Zusammenhang mit jenen lösbar, zurückzutreten drohen, müssen − gerade auch in Reaktion auf das schmachvolle Scheitern des jüngsten Gipfel-Palavers − verstärkt und entschieden auf der Ebene des Lokalen und Kommunalen konkret-praktisch angegangen und den existentiell notwendigen Lösungen näher gebracht werden.

Strukturell bedingte Kompetenz-Mängel

Und auf dieser profanen Ebene ist zunächst einmal festzuhalten, dass die Behauptung, die Gartenämter würden über ausreichend Fachpersonal und avanciertes technisches Equipment etwa zur Baumdiagnose (wie Resistograf, Schalltomograf etc.) verfügen, schlicht und ergreifend nicht den Tatsachen entspricht. Und selbst wenn solche Geräte ausgeliehen würden, gäbe es in den wenigsten Ämtern jemand, der sie fachgerecht bedienen könnte. − Und das soll keine Kritik der nach eigener Aussage immer stärker überforderten MitarbeiterInnen sein!  Hier hat sich ein Ethos tradiert, das nur immer weiter gezielt seiner materiellen Basis beraubt wird.

Gutachterstreit?

Freiberufliche Sachverständige, die deshalb hinzugezogen werden müssen, sind umgekehrt auf diese Behördenaufträge oft angewiesen und werden dadurch in ihrem fachlichen Urteil notwendig beeinflusst, mitunter gar korrumpiert, können zumindest tendenziell gar nicht mehr autonom, objektiv und „wissenschaftlich“ urteilen − und d.h. für uns zunächst einmal naturnah, „baumfreundlich“, im Interesse des Baumerhalts. Wenn es vor diesem Hintergrund zu Bewertungen kommt, in die z. B. pekuniäre Aspekte wie die Minimierung der Pflegekosten einfließen und deshalb, wie bekanntlich schon des öfteren in dieser Stadt geschehen, von BürgerInnen Gegengutachten beauftragt und aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, ist es eine harte Geduldsprobe, mit Kalauern abgespeist zu werden wie „Wenn zwei Sachverständige einer Meinung sind, heißt das, einer davon ist keiner…“ oder „Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist ein Gutachterstreit!“ − Nebenbei: ein baumsachverständiges Gutachten, das nicht selbst seine Fehlerwahrscheinlichkeit benennt und beziffert, ist schon aus diesem Grund fachlich fragwürdig. [Siehe auch unsern Bericht über Frank Rinns Vortrag über "Messtechnik an Bäumen" im Baumforum 2008]

Nicht zuletzt aber sind die Ämter (ausgenommen vielleicht das des Bezirks Mitte mit seinem großen Anteil sog. hauptstädtischen Grüns und einem entsprechend großen Stück vom „Kuchen“ der Pflegemittel*) aus haushalterischen Gründen gezwungen, externe Firmen mit Pflegearbeiten, Schnittmaßnahmen u.dgl. zu beauftragen, und hier erhält − nach inoffiziellem Eingeständnis hochrangiger BehördenvertreterInnen − eben oft der preiswerteste Anbieter den Zuschlag, und Ein-Euro-Jobber verrichten gärtnerische Arbeiten. − Vor allem lassen sich die BürgerInnen, die bezirks- und stadtweit tagtäglich unsachgemäße Grünflächen- und Baumpflege und eine nicht nachhaltige Stadtplanungs- und -entwicklungspolitik beobachten und erleiden müssen, sich deshalb zunehmend einmischen und für ihr Quartier, für ihre Stadt und für Erhalt und Qualifizierung ihrer Stadtnatur engagieren, nicht länger auf mehr oder minder subtile Weise als Störfaktor und Behinderung des Vollzugs eines mängelbehafteten Verwaltungshandelns diskriminieren, hinhalten, desinformieren, abwimmeln, so als würden sie sich in fremde Angelegenheiten einmischen.

Die naturnahe Gestaltung und Pflege des Stadtgrüns ist so wichtig wie nie − sei’s unterm Aspekt von aktivem und passivem Klima-, sei’s unter dem von Artenschutz −, auch und in wachsendem Maße (um die, ungeachtet der selbstverschuldeten Katastrophe fröhliche Urständ feiernde marktgetränkte Denke und Terminologie zu bemühen) zur Qualifizierung eines harten Standortfaktors! − Wenn aber das Mediationsverfahren zur Zukunft des LWK in diesem Sinne auf eine Pilotfunktion in angewandter Partizipation verzichtet, dann beschneidet es nicht nur ohne Not sein eigenes Potential und stuft seine Bedeutung erheblich herab, sondern stellt die darin sich seit zweieinhalb Jahren zeit- und kraftintensiv engagierenden BürgerInnen wieder einmal vor die Sinnfrage. − Darüber könnten ruhig auch die MediatorInnen ein Weilchen meditieren: die Zeit zwischen den Jahren bietet dafür sicher ein paar Mußestunden.


*Viele Nachpflanzungen erfolgen direkt durch den Senat − aber auch viele Zerstörungen wie jüngst beim „Verbessern der Durchwegung“ des Tiergartens. Abgesehen von allem anderen wie dem Zerschneiden der letzten zusammenhängenden Gehölzbestände, wurde mit Sicherheit nicht die DIN 18920 befolgt, die den Baumschutz auf Baustellen defniert und vorschreibt, bzw. die Einhaltung dieser Norm  kontrolliert.

Exklusiv entwickelte Modifizierungsvariante für Baumanbindung abgelehnt

Vertreter des Grünflächenamts Mitte fordert Gutachten zur Notwendigkeit der Brockelmannschen Würfel

In der letzten diesjährigen AK-Sitzung Kurzfristige Maßnahmen am vergangenen Donnerstag (17.12.) lehnte der Bezirk Mitte die vom technischen Sachbearbeiter des WSA, Tassilo Henniger, präsentierte, gemeinsam mit dem Baumwertermittler und Vater der Baumkorsettierung, Jochen Brehm, angeblich schon im Sommer entwickelte und nunmehr bereits zweite Modifizierung der Anbindung für die weiterhin angeschirrten Kastanien am Corneliusufer rundheraus ab. Trotz erheblicher Bedenken habe man 2007 im Interesse der Wiederaufnahme der Fahrgastschifffahrt [!] dieser Maßnahme zugestimmt, jedoch einzig unter der Voraussetzung, dass spätestens in diesem Winter die Baumaßnahme durchgeführt werde. Die Aufhebung von deren Ausschreibung habe den Bruch dieser Vereinbarung bedeutet.

Die von AnwohnerInnen privat finanzierte Promenade entlang der Corneliusstraße sei durch Verschulden des WSA in einem katastrophalen Zustand und seit nunmehr zweieinhalb Jahren unbenutzbar, erklärte der Mann aus Mitte. Die nun unter Ausschluss von Bezirksvertretern geplante Modifizierung, die eine Abstützung der Verbindungsbalken durch je einen senkrechten, in einem neuen Betonfundament zu verankernden Stützbalken vorsehe, der die Umwandlung des Korsetts in eine lockere Verseilung ermöglichen soll, bedeute keineswegs eine nicht erhebliche Maßnahme, sondern verpflastere und verschandele das Ufer nur noch schlimmer.

Mit drohenden Klagen seitens der AnwohnerInnen konfrontiert, verlangte der Vertreter des Grünflächenamts Mitte Aufschluss darüber, was nun überhaupt 2010 mit der Promenade passieren werde.

Und zur Verblüffung der BaL-VertreterInnen erneuerte er ihre alte Forderung nach einem unabhängigen Gutachten zur sachlichen Erforderlichkeit der Betonklötze, zur Klärung ihres Sinns, und zwar mit dem erklärten Ziel, die ganze Konstruktion baldmöglichst zu entsorgen. Immerhin sei es in dieser ganzen Zeit nirgends zu einem weiteren Uferversagen gekommen.

Neuerliche Intransparenz der Behördenhandelns

Und auch die BürgervertreterInnen protestierten gegen die neuerliche Intransparenz: Entgegen der Vereinbarung waren Stakeholder und Fachleute, weder der Bezirksvertreter als Baumsachverständiger noch der Baumgutachter der BI, an Vorgesprächen und Erörterung der nun unversehens aus dem Hut gezauberten Planung beteiligt: Alle sollten sie nur noch abnicken. − Für die Umsetzung dieses „grausigen Alptraums“ müsste es jedoch eine neue Ausschreibung geben, eine neue Gewährleistungsübernahme etc. und fielen vor allem neue Kosten an. − Die Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, beteuerte, die Hinzuziehung der betreffenden Personen sei schlicht vergessen worden.

Crush Piler ans Corneliusufer!

Der Vorschlag einer Anwohnervertreterin und zugleich BaL-Mitglieds: Wenn die Verspundung der Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer [die nunmehr wohl kaum vor der ersten Februarhälfte durchgeführt werden wird] klappt, woran kaum zu zweifeln ist, dann sollte noch in dieser Wintersaison der Crush Piler am Corneliusufer eingesetzt werden, wo das Verspunden mit integrierter Bohrhilfe ohnehin Teil der Leistungsbeschreibung war. Hätte die beschränkte Ausschreibung zu einem Auftrag geführt, hätte das Crush Piling dort sowieso seine weitere Teststrecke gehabt.

Damit jedoch entfällt die Notwendigkeit sowohl einer Ausschreibung für die Umsetzung der modifizierten Anbindung als auch für ein Gutachten zur Klärung ihrer Sinnhaftigkeit als solcher. Andererseits sind Logistik und Baustelleneinrichtung schon geplant bzw. vorhanden, und diese braucht nur vom Paul-Lincke- ans Corneliusufer befördert zu werden. GIKEN verfügt lt.  Frau Ernst nach Angaben von Herrn Matsuka über die notwendigen Kapazitäten, aber außerdem gibt es auch noch die Firma Mette Wasserbau, die sich am Tempelhofer Ufer durchaus lernfähig, ambitioniert und flexibel gezeigt hat.

Frau Dr. Ernst, von der geschlossenen Zurückweisung von Hennigers „Vorschlag“ sichtlich überrumpelt, versprach, noch vor Weihnachten die verschiedenen Optionen im Hause zu besprechen, doch Entscheidungen seien erst 2010 zu erwarten.

Vorerst Bau- und Fällstopp im östlichen Görlitzer Park

Dringlichkeitsantrag der Linken wird von der großen Mehrheit der BVV unterstützt

Obwohl die BVV-Sitzung am Mittwoch (16.12.) [in der wir auch einen Offenen Brief verteilten (s.u.)], eine pralle Tagesordnung hatte und auch einige Zeit der blumenreichen Verabschiedung der zum Senat wechselnden bisherigen Vizebezirksbürgermeisterin und Stadträtin für Finanzen, Kultur, Bildung und Sport, Sigrid Klebba, gewidmet war, die in die SenBWF aufrückt, nahmen die Baumaßnahmen mit Baum- und Buschrodungen, Wegeversiegelung und Schaffung torbreiter Einfahrten im östlichen Görlitzer Park einen breiten Raum ein.

BürgerInnen-Anfragen und Politikerinnen-Antworten

Zunächst gab es zwei EinwohnerInnenanfragen: einerseits zu Sinn und Zweck dieses gravierenden Eingriffs in den ökologisch, naturschutzfachlich sowie von Aufenthalts- und Erholungsqualität her wertvollsten Bereichs des Görlis; andererseits nach der Begründung für die unterbliebene BürgerInnen-Beteiligung. Nicht einmal eine zureichende BürgerInneninformation mit Wurfsendungen und Plakaten habe es gegeben, und die irreführende Bau-Infotafel mit ihrem zynischen Text sei so aufgestellt worden, dass von Parkbäumen zwar sichtbehindernde Starkäste abgeschnitten werden mussten, von der Görlitzer Straße aus aber dennoch nichts zu sehen ist: und da hätte es wahrlich genug Stellplatz gegeben.

Baustadträtin Kalepky, die wegen eines Unfalls nicht an der gemeinsamen Sitzung des Stadtplanungs- und Umweltausschuss vor einer Woche hatte teilnehmen können, wo, wie berichtet, keins der Mitglieder und auch nicht der anwesende Bürgermeister entsprechende Nachfragen beantworten konnte −, Frau Kalepky erklärte zunächst einmal, dass es sich um keine erhebliche Maßnahme handele und sie im Übrigen auch schon so gut wie abgeschlossen sei: nur noch ein paar restliche Arbeiten und drei Baumfällungen. Sodann sei der Entwurf der Freien Planungsgruppe, der hier einen umfriedeten und geschützten Naturerlebnisraum mit Feuchtbiotop und für RadlerInnen möglichst unattraktiven schleusenartigen [jedoch barrierefreien!] Zugängen vorgesehen hatte, von den Zeitläuften, also der Wiedervereinigung, inzwischen längst überholt. Hier sei eben nicht mehr „das Ende der Welt“, sondern eine attraktive Anbindung ans wieder zugängliche Treptow längst überfällig, welches Erfordernis die Planer damals nicht hätten voraussehen können.

Nun ist zwar richtig, dass der Ideenwettbewerb, den die Freie Planungsgruppe gewann, 1984 stattfand, aber gestaltet wurde der östliche Teil erst Anfang der 90er, also nach dem Mauerfall, und deshalb auch schon eine Verbindung nach Treptow über die ehemalige Eisenbahnbrücke hinweg geschaffen, die seitdem auch rege genutzt wird. Wieso es plötzlich noch einer weiteren Verbindung bedarf, die zunächst an eine Straße führt, erschließt sich vor allem dann nicht, wenn ihr der einzige ruhigere und naturnahe Teil des Parks geopfert werden muss.

Als nächstes kam das Argument der Teichpumpe, die andernfalls mit dem Kran über die Mauer gehievt werden müsste; ferner die notwendige Zugänglichkeit für Pflegefahrzeuge des Grünflächenamts bzw. beauftragter Firmen. − Man kann darüber denken wie man will, aber warum gleich zwei Zufahrten übereck? Für den Gegenverkehr?

Rodungen wurden sage und schreibe damit begründet, dass den Teich eine Rallenart besuche, die auf der Roten Liste stünde und eine freie An- und Abflugschneise brauche − echte Hardcore-Ornithologie! Allen Ernstes war auch die Rede vom Biotopverbund −, der offenbar aus Granit bestehen soll.

Schließlich aber kamen die wahren Gründe und Motive zum Vorschein: 400 Tausend Euro aus dem Programm Stadtumbau West drohten zu verfallen und mussten investiert werden, und da bot sich die Herstellung besserer Übersichtlichkeit, Kontrollmöglichkeit, Überwachbarkeit an und, logisch, die Beseitigung von „Angsträumen“. Dichte Vegetation macht Angst und gehört − Ornithologie hin oder her − gelichtet: die zahlreichen Singvogelarten, die hier ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquelle haben, stehen ja nicht auf der Roten Liste, jedenfalls noch nicht alle.

Wieso andererseits die den Schnellverkehr und die Besucherfrequenz fördernden breiten, gepflasterten Wege, noch breiteren Einfahrten und die Mordstreppe zum Hauptweg hinauf den Missbrauch des mit Binsen und Röhricht bestandenen Teichs, den Frau Kalepky als ständig wegen mangelnder Wartung vom Umfallen bedroht schilderte, als Hundebadestelle eindämmen können, erschließt sich ebenfalls nicht.

Die BürgerInnen-Information und -beteiligung, so Frau Kalepky, habe in Form einer „gut besuchten, kompetenten Veranstaltung“ am 24.04.09 stattgefunden, bei der die Pläne ausgelegen hätten. − Wir haben leider von dieser Veranstaltung oder gar ihrer Tagesordnung nichts mitbekommen, wissen nicht, wie die Alternativplanungen aussahen und mit welchen Begründungen jene verworfen wurden und diese ausgewählt, und warten gespannt auf das zugesagte Protokoll.

Die EinwohnerInnen dürfen nur zwei Fragen schriftlich einreichen und eine mündliche Nachfrage stellen, aber nicht begründen oder gar argumentieren. Es soll ja nicht zu einem Dialog zwischen Amt und BürgerIn kommen. Die BzV kennen die Fragen mit ihrer Erläuterung zwar bzw. haben sie gerade vor sich auf dem Tisch, aber dem Publikum auf der Empore, für das solche Anfragen doch auch von Interesse sein könnten, bleiben sie ohne Begründung und Kontextualisierung natürlich notwendig rätselhaft und die wortreich antwortenden AmtsvertreterInnen gegenüber der/m ständig wegen ihres/seines unerlaubten Räsonierens gemaßregelten BürgerIn zunächst immer siegreich. − Eine der FragestellerInnen ließ denn auch Fotos durch die Reihen der Verordneten gehen, die das Vorher und Nachher veranschaulichen.

Große BVV-Mehrheit für Bau- und Fällstopp

Wegen des Kälteeinbruchs seien die Arbeiten gestoppt, so dass bis zur nächsten Sitzung des Umweltausschusses im Januar, wo die BzV umfassend informiert würden, ohnehin nichts geschehen werde, versicherte die Baustadträtin auf entsprechende Anfragen von BzV, und auch die beiden Bäume am Ufer sowie jener eine, der dem Treppengeländer im Wege stünde, kämen erst später dran. – Damit mochten sich allerdings nur die wenigsten Verordneten zufrieden geben.

Und so bekam der später eingebrachte Dringlichkeitsantrag der Linken für einen Bau- und Fällstopp im östlichen Görli, dem nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD und einige von CDU und FDP zustimmten, eine überwältigende Mehrheit. Babara Seid von der Linken fragte in ihrer Begründung des Antrags ironisch, ob man auch die Wälder Brandenburgs als Angsträume demnächst roden solle und sah die behauptete Barrierefreiheit spätestens an der steilen 24stufigen Treppe enden. Vor allem aber bestand Frau Seid unter allgemeinem Beifall auf einer umfassenden Unterrichtung der gewählten BürgervertreterInnen. − So muss das Zerstörungswerk im östlichen Görli wenigstens bis zur nächsten Umweltausschusssitzung ruhen, doch in einem hat die Baustadträtin natürlich recht: sein Hauptteil ist bereits verrichtet.

Ein- und Ausfahrt

Neu geschaffene Ein- und Ausfahrt zu Görlitzer Straße und Ufer

Offener Brief Friedrichshain-Kreuzberger und Tempelhof-Schöneberger Initiativen und Personen

Missstände bei Baumschutz, Grünflächenpflege, ökologisch nachhaltiger Stadtentwicklung und BürgerInnen-Beteiligung in Friedrichshain-Kreuzberg

Wegen ihrer Unzufriedenheit mit Grünflächenpflege, Park- und Freiraumgestaltung sowie der Handhabung der BürgerInnen-Beteiligung nicht nur in F’hain-Kreuzberg sondern stadt- und landesweit verteilten wir einen Offenen Brief an die Bezirksregierung, die BVV und den Fachbereichsleiter Naturschutz und Grünflächen, Hilmar Schädel, den die

  • Bäume am Landwehrkanal (BaL)
  • Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck (AGG)
  • Anwohnerinitiative Flaschenhals-Bautzener Straße (AIF)
  • Bäume für Kreuzberg (BfK)
  • Anwohnerinitiative Reichenberger Straße 98
  • Initiative Fichtebunker
  • sowie weitere Einzelpersonen, unter anderem auch für den Quartiersrat Magdeburger Platz

gemeinsam unterzeichnet haben.

Er wendet sich an Politik und Verwaltung und ausdrücklich an alle Parteien, wenn auch B’90/Die Grünen als die Bezirksregierung stellende Partei Hauptadressat ist, weil in erster Linie dafür verantwortlich und zuständig, ein verselbstständigtes, nicht nachhaltiges, oftmals bürgerfernes Verwaltungshandeln auch und gerade im Umgang mit unserer, in diesen Zeiten in Wert und Funktion kaum zu überschätzenden Stadtnatur schleunigst zu reformieren.

Zugleich ist es eine erste gemeinsame Aktion, hoffentlich Auftakt zu vielen weiteren auf dem Weg zu einer effizienten Vernetzung, Kooperation und gegenseitigen Unterstützung unserer Initiativen, denn es geht um den längst überfälligen Wechsel hin zu einer sozialverträglichen, ökologisch nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik in Xhain und Berlin, die nur mit echter BürgerInnen-Beteiligung gelingen kann! Dieser Wechsel ist − wie schon sehr oft bemerkt − vorrangig nicht eine Frage der notorisch knappen Finanzen oder ihrer Verteilung, sondern des politischen Willens!

Fragwürdige Zugexperimente an 200jähriger Eiche vertagt

Aufgeschoben ist noch nicht aufgehoben

Eiche Nr.30

Eiche Nr.30

Wie schon aus der Vorabmeldung in einem Kommentar ersichtlich: die Zugprüfung blieb der Eiche 30 in der Fichtestr. 13 heute erspart! Etliche AnwohnerInnen, BaumschützerInnen mehrerer Initiativen und Vereine wie BaL, BfK, Fichtebunker und BUND sowie freischaffende Baumexperten, die solchen Zugversuchen zwar kritisch gegenüber stehen, aber wenn sie nun schon mal durchgeführt würden, ihnen aus fachlichem Interesse beiwohnen wollten, waren zusammengekommen − an die 30 Menschen und erfuhren, ganz überwiegend sehr erleichtert, vom Aufschub des fragwürdigen Experiments.

Widersprüchliches aus dem Amt

Das Grünflächenamt hatte mitgeteilt, vor der Durchführung des nun um eine Woche verschobenen, also auf den 21.12 terminierten Zugversuchs wolle man erst noch eine weitere Stellungnahme der Gutachterin, Frau Dr. Schmidt, abwarten. Angesichts der angekündigten frostigen Witterung und der damit zunehmenden Spröde des Holzes müsste dann das Experiment übrigens erst recht in eine Katastrophe münden.

Schuppiger Porling

Schwefelporling

Mit Erstaunen hörten wir von einem Anwohner, der am Vortag mit der Baumgutachterin telefoniert hatte, dass, ungeachtet der inzwischen verschwundenen Hinweisschilder auf Baumpflegearbeiten am 14./15.12., Frau Dr. Schmidt sich ohnehin den 21.12. notiert hätte, von einer verlangten zusätzlichen Stellungnahme aber jedenfalls nichts zu wissen schien.

Pikant auch die Info, dass der Fällauftrag schon vor drei Monaten erteilt worden sei und die ausführende Firma, kurz bevor sie ans Werk ging, sicherheitshalber noch einmal im Amt nachfragte und erst bei dieser Gelegenheit von der Verschiebung der Maßnahme erfuhr. Welch ein Glück!

Torso

Eichen-Torso vis-à-vis

Ferner berichteten AnwohnerInnen, die im Übrigen ihre Eiche nicht aus den Augen lassen werden, dass sie vom Baumsachverständige Philipp Funk aus Frankfurt schon einmal, nämlich 2005, gerettet worden sei. Angesichts des Pilzbefalls − und zwar wieder der Schuppige Porling (ein nicht-aggressiver Weißfäule-Erreger), sichtbar in einer, durch Verstrebungen „gesicherten“ Stammhöhlung − riet der Gutachter schon seinerzeit zu einer moderaten Kroneneinkürzung und zur regelmäßigen Entfernung des Totholzes. Beides sei jedoch vier Jahre lang unterblieben. Und abgesehen von den Zugversuchen, rieten die anwesenden Baumsachverständigen auch von der Entfernung der eisernen Kronenverstrebungen ab, welche baumchirurgischen Methoden zwar überholt seien, aber die Stabilität der Krone, nun da sich daran gewöhnt habe, gefährden würden.

[Korrektur (17.12.): Es handelt sich im Stamm der Eiche (siehe obiges Bild) mitnichten um den Schuppigen, sondern tatsächlich um den aggressiven Schwefelporling, einen Braunfäule-Erreger − wir bitten um Nachsicht für unseren kapitalen Irrtum! Doch auch Schwefelporlingsbefall muss noch nicht heißen, dass der Baum schon nicht mehr stand- und verkehrsicher ist. Bevor es zu weiteren Untersuchungen kommt, sollten erst einmal die Messkurven der angeblich schon durchgeführten Bohrwiderstandsmessungen vorgelegt sowie das vorliegende Schalltomogramm gründlicher ausgewertet werden. Dies müsste zu einer Beurteilung ausreichen, zu der jedoch Zugversuche nach Meinung der meisten befragten Experten nichts beitragen können − und, wie gesagt, bei den derzeitigen Frosttemperaturen schon gar nicht! Am Rande der gestrigen BVV hat Baustadträtin Kalepky zugesagt, gemeinsam mit Amtsleiter Schädel die für den 21.12. geplante Durchführung dieser Versuche  noch einmal zu überdenken.]

Die Eiche wird bewacht!

Ungeachtet der frostigen Temperaturen blieb eine große Gruppe Menschen noch eine ganze Weile unter dem mächtigen Baum versammelt, ein Anwohner reichte heißen Çay Indian Style und zum Abschied spendete das 200jährige gemeinsam umarmte Naturdenkmal seinen BeschützerInnen noch gehörig Kraft fürs beharrliche Durchhalten, damit nicht am Ende, wenn überhaupt, nur ein solch bedauernswerter Torso von ihm bleibe wie im Fall der Eiche schräg gegenüber.

Eichenkraft

Für Baumschutz Eichenkraft tanken

Das Elend der Grünflächenpflege

Notizen zur aktuellen Entwicklung

Toreinfahrten

Zwei Toreinfahrten für eine Teichpumpe

Von den wertvolle Stadtnatur und vergleichsweise hohen Aufenthaltswert zerstörenden Baumaßnahmen im östlichen Görlitzer Park, dessen Planung von der Freien Planungsgruppe Berlin seinerzeit übrigens so entworfen worden war, dass er gerade nicht als Radrennstrecke für schnellen Durchgangsverkehr zu missbrauchen wäre, hatten bis letzten Dienstag weder unser Bürgermeister, Franz Schulz, noch die BVV-Mitglieder irgendwelche Kenntnis. Inzwischen verlautete aus dem Fachbereich Naturschutz und Grünflächen des Xhainer Amts für Umwelt und Natur, dass die beiden neuen, einander gegenüberliegenden Toreinfahrten in der Umgrenzungsmauer deswegen geschaffen wurden, weil sonst eine Pumpe für den künstlichen Teich per Kran hätte über die Mauer gehoben werden müssen.

Fällkandidat 16

Fällkandidat 16

Auch seien nur zwei Bäume und ansonsten Gestrüpp gefällt worden, doch von den in der Fällliste aufgeführten zehn Bäumen, die „Wegeumbau“ weichen müssten, sind ungeachtet eifrigen Suchens nur noch zwei (die bereits rot markierten mit den Nummern 16 und 17) außerhalb des Parks am Görlitzer Ufer auffindbar, gleich neben einem böse zugerichteten stattlichen Altbaum, dem durch eine unsinnige Kroneneinkürzung Dutzende Starkastwunden zugefügt wurden.

Hier türmt sich auch schon Baumaterial, und nicht nur die AnwohnerInnen, sondern auch ihre gewählten politischen VertreterInnen fragen sich, was das dort werden soll. [Da der Bezirk, falls denn planfestgestellt wird, gegen den 16. Bauabschnitt klagen will, immerhin kein Zubringer zur A 100...]

Schützt die alte Eiche am Fichtebunker!

Und auch an der ca. 200jährigen Eiche Nr.30 unweit des Fichtebunkers, die mit vier Meter Stammumfang das Zeug zu einem Naturdenkmal hat, aber schon in der Fällliste verzeichnet ist, will sich das Amt gleich morgen (14.12.) um 14 Uhr spektakulär zu schaffen machen, nämlich auf Anraten der Baumgutachterin Dr. Frauke-Elisabeth Schmidt in der Fachwelt höchst umstrittene Zugversuche mit einem LKW durchführen lassen. Der Baum hat in der Tat in 1,70 bis 2,50 Meter Höhe eine Hohlstelle und auch Pilzbefall, doch bleiben bekanntlich sogar gänzlich hohle Bäume noch viele Jahrzehnte stehen, da für die Statik vor allem die sog. Restwandstärke relevant ist. Diese wiederum ermittelt Fachleute per Resistograf oder/und Schalltomograf, also durch Bohrwiderstands- und Schallmessungen, aber ganz sicher nicht durch Seilziehen mit einem LKW. Als die 22 mit vierzig Betonklötzern beschwerten Bäume am Landwehrkanal (inzwischen sind es weniger und einige Klötzer weggeschafft) auch noch die zweite Wachstumsperiode durchstehen mussten, schlug der für die Korsettierung verantwortlich zeichnende Baumwertermittler, Jochen Brehm, zur Prüfung ihrer Standsicherheit derartige Zugversuche vor, doch das wurde seinerzeit nicht nur vom Grünflächenamt Mitte und vom Baumsachverständigen Dr. Barsig, sondern auch von der Vertreterin des Grünflächenamts F’hain-Xberg einmütig abgelehnt.

Killerpilze?

Lindenfällung

Fällung der Linde Reichenberger Str. 40

Und auch Baumpilze sind nicht gleich Baumpilze, z. B. gefährliche Braunfäule- von weniger bedenklichen Weißfäule-Erregern zu unterscheiden, gegen die sich ein Baum abschotten kann −, will sagen, hier kommt’s auf die korrekte Bestimmung an, woran es jedoch notorisch hapert. Die ebenfalls pilzbefallene, am 2.12. unangekündigt gefällte Silberlinde, Reichenberger Str. 40, sollte laut erstem Fäll-Gutachten den aggressiven Schwefelporling haben. Das Gegengutachten wies (wie übrigens auch bei jener Silberlinde Reichenberger/Ecke Ratiborstr.) eine falsche Pilz-Bestimmung nach: es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Weißfäule erregenden Schuppigen Porling (wegen damaligen Fehlens eines Pilzfruchtkörpers war keine exakte Identifizierung möglich, aber es wurde Weiß- und keine Braunfäule diagnostiziert). − Da jedoch dieses Gegengutachten nach anderthalb Jahren angeblich schon sein Verfallsdatum überschritten hatte, erstellte die erwähnte Frau Dr. Schmidt ein drittes, das uns allerdings nicht vorliegt, aber nach Aussagen von Grünamtsmitarbeitern einen gesundheitsgefährdenden Pilz feststellte, weshalb der Baum denn auch umgehend gefällt werden musste − und richtig: die Baumfäller litten, so geht das Gerücht, trotz Atemschutzmaske unter starken Schwindelanfällen und konnten sich nur mit Mühe auf der Leiter halten, ja auch ein Mitarbeiter des Grünflächenamts, der das Gefahrgut in seinem PKW abtransportierte, klagte über Schwindel und Brechreiz.

Wir waren bei der Fällung zufällig auch zugegen, haben aus großer Nähe fotografiert, dabei allerlei Sägespäne abbekommen, doch weder Arbeiter taumeln sehen noch bei uns selber derartige Symptome festgestellt. Schlecht wurde uns aus anderen Gründen, nämlich wegen der Art, wie mit Bäumen und den sich für sie einsetzenden BürgerInnen in einem „grün“ regierten Bezirk verfahren wird.

Aber zurück zur Zugprüfung: Auch der Baumexperte des BUND lehnt dieses Experiment ab, desgleichen die davon informierten Bezirksverordneten von Grünen und Linken sowie nicht zuletzt die BIs BfK und BaL. Wir werden uns also Montag, 14.12., 14 Uhr an der mächtigen Eiche in der Fichtestraße einfinden, um gegen diese versuchte Sachbeschädigung ökologisch wertvollen öffentlichen Eigentums zu protestieren. Wir sind für jede Unterstützung sehr dankbar!

Eiche30 Fichtestraße

Eiche Nr. 30 nahe Fichtebunker in Kreuzberg

Ökologisch wertvollster Teil des Görlitzer Parks zerstört

Stadtnatur als Material

Infotafel

Infotafel Stadtumbau

Die chronische Übernutzung des Görlitzer Parks mit Wettgrillen und Müllbergen ist hinlänglich bekannt, die Schildbürgerei um den Pamukkale-Brunnen ein running gag. Einzig das Areal ganz am östlichen Parkende − kleiner Pendant etwa zum Rhododendron-Hain in der Hasenheide − vermochte den Eindruck zu erwecken, sich in einer naturnah gestalteten Grünanlage zu befinden, in die sich mensch vorm Lärm flüchten, von Bäumen und Büschen dicht umstanden und zur Straße hin geschützt, am Ufer eines kleinen Teichs entspannen, Vögel beobachten und sogar der Nachtigall lauschen konnte.

Toreinfahrt

Toreinfahrt

Mit dieser bescheidenen Idylle ist es jetzt vorbei. Im Zuge der „Neugestaltung der südlichen Lohmühleninsel, 3. Bauabschnitt“ wurde unterm Label der Barrierefreiheit eine torbreite Lücke in die Umfriedung gestemmt. Der vormals unversiegelte Pfad um den Teich wurde gegen jede Proportion unsinnig verbreitert und wird nun granitgepflastert; hinauf zum sommers stark frequentierten Hauptweg wird eine ausladende Treppe führen, so als müssten Zehne nebeneinander hinauf und hinab steigen können. Für eine „übersichtliche Gestaltung“ werde gesorgt, heißt es auf der Bau-Infotafel, damit der Ernst-Heilmann-Steg „für Radfahrer und Fußgänger besser erreichbar“ sei: eine groteske Begründung, wenn man bedenkt, dass zum Aufenthaltswert dieses einst lauschigen Refugiums nicht zuletzt die relative Seltenheit hindurch bretternder RadlerInnen beitrug. Es war die einzige trubelfreie, naturästhetisch schönste und naturschutzfachlich wertvolle  Zone im ganzen Park, sein grünes Herz. Ein türschmaler, durchaus barrierefreier Eingang führte von der Görlitzer Straße aus hinein. Jetzt aber kann die neu gebrochene Einfahrt zum Görlitzer Ufer ein LKW passieren.

Und nicht vergessen sei der Hinweis: Hier gab es mitnichten Dealer oder eine Scene, falls dieses probate Argument mal wieder in Anschlag gebracht werden sollte; hier gab es auch vergleichsweise wenig Müll, so als hätten die sich hier Erholenden instinktiv Respekt vor dieser gelungen naturähnlich gestalteten Kleinlandschaft empfunden.

Freitreppe

Freitreppe und Wege-Versiegelung

Zehn der vor rund zwei Jahrzehnten neu gepflanzten Bäume wurden (oder werden noch) dieser „behutsamen besseren Einbindung“ geopfert; es heißt, sie sollen nicht nur Wegen sondern auch Sichtachsen Richtung Treptow im Wege gestanden haben. Rücksichtslos werden Baumaterialien dort abgekippt, wo es vor kurzem noch dichtes, vogelreiches Buschwerk gab − und selbstredend auch auf die Scheiben noch stehender Bäume. Auf Befragen erklären die Bauleute, sie würden hier eine ruhige Ecke schaffen, so als sei sie vormals laut gewesen, und Bänke aufstellen, so als habe es vorher keine gegeben, die lediglich nicht mehr repariert wurden, und neue Bäume würden gepflanzt, wahrscheinlich bessere als die alten.

BürgerInnen-Beteiligung Fehlanzeige

Die sich äußernden AnwohnerInnen sind entsetzt und völlig überrumpelt (die kürzlich durchgeführte Ideen-Werkstatt beschäftigte sich mit anderen Themen), doch wenn zum Engagement aufgefordert, zucken die meisten die Achseln: Nun sei es eh zu spät, und „die machen ja doch …“ Wir haben jedenfalls niemanden getroffen, die/der von seiten des Bezirks auch nur informiert, geschweige gebeten worden wäre, eigene Anregungen einzubringen oder sich wenigstens an der Bewertung jener „Vorschläge“ zu beteiligen, die da auf der Infotafel präsentiert werden, doch, was den Görlitzer Park betrifft, überwiegend längst umgesetzt sind. Auch im Netz findet sich unter der „Vielzahl von öffentlichen Grünanlagen [die] 2009 umgebaut oder neu angelegt [wird]„, nur ein Hinweis auf die Lohmühleninsel, aber eben keiner auf den Görlitzer Park.

Parkumbau

Ohne Rücksicht auf Verluste

Sehr seltsam nur, dass Bürgermeister Franz Schulz, der dort ganz in der Nähe wohnt, vor Jahresfrist im persönlichen Gespräch gerade die Naturnähe dieses Bereichs lobte, die oben geschilderte Wahrnehmung der Qualitäten in vollem Umfang zu teilen schien und lediglich (und zu recht) beklagte, dass die HundebesitzerInnen ihre Lieblinge nicht anleinten, so dass es trotz reichlich Binsen und natürlicher Deckung keine Stockente, kein Blesshuhn wagt, im Teich zu brüten. Das Personal des Ordnungsamts vermöge sich nicht durchzusetzen, werde mit Kampfhunden bedroht und sehe sich außerstande, dem Leinenzwang Geltung zu verschaffen.

Das dürfte in diesem „Transitraum“, wie er jetzt genannt wird, noch schwieriger werden. − Ob Gleisdreieck [siehe auch hier], Cherusker Park, Tiergarten, jetzt Görli und demnächst das Tempelhofer Feld: in dieser Stadt, in der erst vor kurzem zur gemeinsamen Arbeit am „Grünen Leitbild Berlin“ aufgefordert wurde, scheint die Verwaltung, wenn nur Bund oder EU die Mittel locker machen, auf allen Ebenen längst emsig bestrebt, als weichen Standortfaktor ein pflegeleichtes, ordentlich übersichtliches Einheitsgrün ins Werk zu setzen.

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