Emissionsfrei auf dem Landwehrkanal

Erste kreuzungsfreie Ost-West-Verbindung in Berlins weißem Wegenetz

So stark frequentiert wie in diesen Tagen ist der Landwehrkanal allenfalls während der sommerlichen Paddelparade, und auch wie bei dieser Gelegenheit geschieht das rege Treiben komplett emissionsfrei, ganz ohne Dieselruß und Lärmemission, wenn wir mal vom begeisterten Kindergeschrei absehen. − Solche ungewohnten Bilder lassen uns denn doch sinnieren, ob diese eine der Plass’schen Sanierungsvarianten, nämlich jene, die ein Zuschütten mit schmalem Bächlein in der Mitten vorsieht, vielleicht gar keine so schlechte Idee sei.

zugefroren

Improvisierter Einstieg

Anders als manche im WSA wollen die BürgerInnen mehrheitlich ja ohnehin nicht zurück zur Fracht- und Güterschifffahrt, und wenn’s also eh beim denkmalgeschützten Schmuckkanal mit so genannter Freizeit- und Erholungsnutzung bleiben soll, ist die BesucherInnenzahl unter den derzeit obwaltenden Umständen eindeutig am höchsten! Die Reparatur der maroden Mauern wäre ebenfalls vergleichsweise ein Klacks, und im Nu hätten wir sommers einen grünen Kanal à la Erwin Barth, und Klaus Lingenauber könnte den ehem. Luisenstädtischen für immer in Ruhe lassen…

Eiskanal

Pilotprojekt 'Multifunktionaler Eiskanal'

Nur um die Beschäftigten von Stern und Kreis und Riedel und wie sie alle heißen, machen wir uns Gedanken, denn so viele Fahrrad-Rickshaws müssten wahrscheinlich öfters zu längeren Staus führen. − Auch die vielen Plötzen und wenigen Hechte, Aale und Moderlieschen müssten nach irgend einem Schlüssel in anderen innerstädtischen Kanälen, in Stadtspree und Havel Asyl finden…

Und andererseits ist doch sommers eine Schiffs- oder Bootsfahrt auf dem Kanal oder Radfahren und Wandern dran entlang auch immer lustig, wär’s halt noch weit mehr, wenn es so gestank-, lärm- und stressfrei vonstatten gehen könnte, wie heuer das ungewohnte Schlittschuhlaufen und Wandern mitten auf dem Kanal (und sogar mit Kinderwagen!), das auch bisschen an jene autofreien Sonntage auf der Autobahn erinnert, wenn kurzzeitig Menschen statt Autos diesen öffentlichen Raum für sich beanspruchten.

Engagieren wir uns also weiterhin für einen emissionsfreien Schiffs- und Bootsverkehr, für die Anlage eines durchgängig grünen Radwanderwegs entlang des Kanals auf der einen und naturnaher Grünzüge auf der anderen Seite, mit vielen Gelegenheiten zum Verweilen, Sicherholen und Entspannen und vielen Habitatsmöglichkeiten für unsere floristische und faunistische urbane Mitwelt, und nicht nur zu Lande, sondern auch im Wasser.

Weißverbindung

Erste Berliner Weißverbindung

2 Grad plus − oder eher mehr

Wie reagiert Stadtentwicklung auf die Klimaveränderung?

Bericht von einer aufschlussreichen Veranstaltung

Auditorium mit VIPs

Auditorium mit VIPs

Das EnergieForum Berlin, ein Niedrigenergiebau am Stralauer Platz, Mitte der 1990er Jahre mit ungestümem Enthusiasmus als Internationales Solarzentrum Berlin und Leuchtturmprojekt für die große Energiewende zur “Solarhauptstadt” geplant (in der Dekaden später gerade mal 1,87 Prozent des Energiebedarfs von Erneuerbaren gedeckt wird) −, das EnergieForum also erschien SenStadt der geeignete Ort, um am vergangenen Donnerstag (8.1.) im Rahmen des Stadtforums Berlin drei Stunden lang einer inzwischen wahrlich drängenden Frage nachzugehen:
Wie reagiert Stadtentwicklung auf die Klimaveränderung? Und diese Frage scheint nach dem Gipfel des Scheiterns in Flopenhagen zu Beginn der neuen Dekade auch eine immer größere Zahl von BürgerInnen umzutreiben, denn nach Verstreichen von ein, zwei akademischen Vierteln konnte sich das rund 300köpfige Auditorium in einen überfüllten Uni-Hörsaal versetzt fühlen.

Zur Begrüßung

Staatssekretärin Krautzberger

Staatssekretärin Maria Krautzberger

Staatssekretärin Maria Krautzberger, zuständig für Stadtplanung und Verkehr, stellte ungeachtet der aktuellen Winterkälte klar: “Der Klimawandel kommt nicht, er ist schon da!” und verwies auf den 80prozentigen Anteil, den die Städte zu den Treibhausemissionen beitrügen, sodann aber auf schon Geleistetes, nämlich das gemäß der Deklaration der Bürgermeister [nein, nicht jener zur COP15 im Hinblick aufs prognostizierte Scheitern, sondern der Berliner Erklärung der Bürgermeister von 2006] bereits 2008 formulierte klimapolitische Arbeitsprogramm des Senats, eben die Berliner Klimastrategie, “Klima schützen, Umwelt stärken, neue Arbeit schaffen”, mit ihren vier Säulen

  1. Klimaschutz durch weitere CO2-Reduktion (und zwar 40 Prozent bezogen auf 1990, wobei Berlin im European Green City Index in der Luftqualität den achten Rang belegt)
  2. Schaffung neuer Arbeit auf grünen Märkten (einschließlich der Region Brandenburg)
  3. Fortbestehen als grüne Metropole mit 42 Prozent klimaentlastendem Grünanteil und
  4. frühzeitige Einstellung auf die Folgen des Klimawandels

Nach einer im Auftrag von SenStadt erstellten und genau vor einem Jahr veröffentlichten Studie des PIK ist für die Region Berlin-Brandenburg, die das UBA als “besonders stark verwundbar” einstuft, bis 2050 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2,5 Grad zu gewärtigen − mit dramatischen Folgen wie sommerliche Hitze- und Dürreperioden und winterliche Starkregenereignisse.

Auditorium

Vollbesetzes Auditorium

Angesichts dieses Szenarios wurde unter Stadt-, Landschafts- und UmweltplanerInnen die Konzipierung eines Stadtentwicklungsplans (StEP Klima) ausgelobt, der die bisherigen Aktivitäten flankieren soll. − Besonders in hochverdichteten und damit unterversorgten City-Bezirken müssten fußläufig erreichbare Schattenzonen geschaffen sowie das klimaaktive Grünvolumen erhöht werden, um die Entstehung innerstädtischer Wärmeinseln zu verringern. Die Problematik der Nachverdichtung müsse neu durchdacht, Kaltluftentstehungsgebiete und Stadtgrün müssten erhalten bzw. neu geschaffen bzw. nachgepflanzt werden. Ein intelligentes Wassermanagement solle die Extreme von Knappheit und Überschuss ausbalancieren.

Vor allem komme es auf systematische Antworten seitens der Wissenschaft und Fachwelt an und nicht zuletzt auf den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Nach dieser Revue von eigentlich schon Bekanntem, aber beim Übergang zum Tagesgeschäft der ökonomischen Krisen, Sachzwänge und leeren Kassen alsbald wieder Verdrängten klang der fulminante Vortrag von PIK-Chef Prof. Hans-Joachim Schellnhuber wie ein Weckruf (und wohl nicht nur wir fragten uns unwillkürlich, wie so jemand unsere zaudernde, eigen- und leidenschaftslose Obermoderatorin aus dem Kanzlerinnenamt aushält, als deren Klimaberater er bekanntlich fungiert).

Stadt Land Fluss

Schellnhuber mit Nobelpreisträger-Appell

Schellnhuber mit Nobelpreisträger-Appell

Nach einer meteorologischen Erläuterung der für die aktuelle schneereiche Witterung verantwortlichen Genuazyklone, die sich durchaus mit jener vergleichen lasse, die zu anderer Jahreszeit 2002 das verheerende Elbhochwasser hervorrief, machte Schellnhuber noch einmal seinem Frust über das Scheitern von Kopenhagen Luft − von “globalem Klimakitsch” hatte er gegenüber der Süddeutschen gesprochen − und zog, da eine verbindliche Vereinbarung entschiedenen Handelns gegen die Erderwärmung top down nicht erreicht werden konnte, den radikalen Schluss, dass vorderhand Hilfe nur bottom up zu erwarten sei, also von den Kommunen, den vielen regionalen und lokalen Initiativen, kurz: der Zivilgesellschaft kommen müsse.

Den Zweiflern an der anthropogen verursachten Klimaveränderung, den “pensionierten Gewerbelehrern oder skeptischen Hobbymeteorologen”, hielt Schellnhuber den im November ‘09 von rund 60 Nobelpreisträgern unterzeichneten Appell an die Regierenden dieser Welt entgegen, ein verbindliches Abkommen zum Klimaschutz auszuhandeln. Wiewohl es dazu bekanntlich nicht gekommen sei, habe die Wissenschaft dennoch einen “tragischen Triumph” gefeiert, da die zwei Grad Celsius, um die sich die Durchschnittstemperatur verglichen mit vorindustrieller Zeit nicht erhöhen dürfe, wenn denn die Auswirkungen noch beherrschbar bleiben sollen, immerhin anerkannt worden seien. − Und im Hinblick auf die geringe Sonnenaktivität hätte bspw. 2008 eins der kühlsten Jahre sein müssen, erwies sich jedoch umgekehrt als eins der acht, neun wärmsten seit der Temperaturaufzeichnung.

Schon 2 Grad plus nur fauler Kompromiss!

Schellnhuber mit CO2-Budget

Das globale CO2-Budget

Doch diese zwei Grad seien keine magische Grenze: hüben alles im grünen Bereich und nur drüben das Desaster, sondern als absolutes Maximum des noch Beherrschbaren selber bereits ein politischer Kompromiss, der sich angesichts der weit früher als prognostiziert eingetretenen negativen Auswirkungen, was etwa die Schmelze von Gletschern, Grönlandschelf und antarktischem Meereis oder die Zerstörung der Korallenriffe betreffe, als fauler Kompromiss erweise: Erschienen 2002 die Korallenriffe bei einer Begrenzung auf zwei Grad  noch knapp diesseits des kritischen Bereichs, so sind sie inzwischen bei derselben Zielmarke längst in den roten geraten, d.h. zu 70 Prozent gefährdet und zu erheblichen Teilen schon längst zerstört − mit kaum abzusehenden negativen Auswirkungen auf Meeresfauna und Küstenregionen.

Kipp-Elemente

Und Gletschereis, Korallenriffe oder die Regenwälder sind Bestandteile des Erdsystems, die als sog. tipping elements beschrieben werden müssen und die korrespondierenden Entwicklungen als tipping dynamics, und zwar deshalb, weil man sich gemeinhin die Klimaveränderung als graduell und ontogenetisch nur wenig bemerkbar vorstellt. Doch durchs Umstoßen dieser Kippelemente wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu plötzlichen, sprunghaften, unumkehrbaren Veränderungen im unendlich komplexen Gefüge des globalen Gesamtsystems kommen, mit hochgradig nicht-linearen Entwicklungen und unbeherrschbaren katastrophischen Folgen.

Abwarten bis zur Kriegswirtschaft

Schellnhuber mit Assessments

Die Assessments tendieren zu 3,5°+

Angesichts der 750 Gigatonnen CO2 [entspricht einer Konzentration von 450 ppm] die unsere Atmosphäre bis 2050 nur noch verkraften kann, wenn die 2°-Latte nicht gerissen werden soll (und selbst dafür gibt’s nur eine 67prozentige Wahrscheinlichkeit, spielen wir also “amerikanisches Roulette” mit zwei Patronen im sechsschüssigen Revolver statt nur einer wie beim russischen), muss bei weiterem Zögern und Zuwarten ab einem Peak Year 2011 die globale Emission von Treibhaus-Gasen jährlich um 3,7 Prozent reduziert werden, während ihr gänzliches Runterfahren noch nach 2050 erfolgen kann; ab 2015 aber schon um 5,9 Prozent p.a. (d.h. “ein Kyoto pro Jahr”) sowie dem zusätzlichen Zwang, sie schon vor 2050 gänzlich auf Null zu reduzieren; beim Abwarten bis 2020 indessen um jährliche 9 Prozent, damit der Ausstoß von Treibhausgasen bereits 2040 total gestoppt ist. − Diese Option würde allerdings Rationierungsmaßregeln und Zwangsmaßnahmen zu ihrer Einhaltung erfordern wie in einer Kriegswirtschaft [und damit, ums offen zu benennen, eine Art Öko-Diktatur.]

Das Scheitern von Kopenhagen lastet Schellnhuber ausdrücklich der amerikanischen Seite an, die etwa für die finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Klimawandel-Adaption ab 2020 jährlich den Gegenwert von sechzig Stunden Irakkrieg anbot. − Fünf Personen, darunter keine aus der EU, handelten in einem Hinterzimmer ein unverbindliches Papier aus, wovon, wie bekannt, anschließend das Plenum lediglich Notiz nahm −, doch sei dieser Ausgang eindeutig besser als eine verbindliche Vereinbarung unzureichender Ziele, ein irrelevantes Ergebnis einem definitiv schlechten vorzuziehen. Das Positive des Scheiterns bestehe darin, dass der Prozess weiterhin ergebnisoffen sei. Nunmehr müssten die Akteure der Zivilgesellschaft die Sache selbst in die Hand nehmen!

3,5 Grad plus als best guess

Bis Monatsende gelte erstmal das “Klingelbeutelprinzip”: jede Nation könne nach Gutdünken ihre Selbstverpflichtung “reinwerfen”. Die Notwendigkeit einer 2°-Begrenzung wurde zwar anerkannt, doch  günstigste Einschätzung sei jetzt eine 3,5°-Erwärmung und daher Berlin zu entscheiden aufgerufen, was jetzt Deutschland davon noch “wegzuschnippeln” bereit sei.

Große Tränke vertrocknet

Schellnhuber mit Großer Tränke

Szenario für die Großer Tränke

Bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 3,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau bzw. einer atmosphärischen CO2-Konzentration von 550 ppm sei bspw. ein Hitzesommer wie 2003 mit 35.000 Toten in Europa jedes zweite Jahr zu erwarten. Was den regionalen Wasserhaushalt betrifft, wird in “normalen” Sommern der Pegel an der Großen Tränke, dem Zuflusspegel zum Berliner Gewässersystem, um achtzig Prozent niedriger liegen, in Hitzesommern aber auf Null sinken, d.h. die Spree wird trockenfallen und ein aufwendiges künstliches Wassermanagement mit Wasserüberleitungen von der Oder, Talsperren etc. notwendig, um Berlin mit Wasser zu versorgen − und den Spreewald mit Touristen [von der Fahrgastschifffahrt auf Stadtspree und LWK mal zu schweigen, da solch mittelfristige Überlegungen nun mal als ökonomisch nicht nachhaltig gelten].

Schellnhuber mit Großer Tränke 02

Herausforderungen ans Wassermanagement

Die Waldbrandgefahr wird einerseits natürlich steigen, aber ein erheblich verbessertes Management konnte die Zahl tatsächlicher Brandausbrüche in trockenen Sommern schon jetzt deutlich verringern. Und als positive Auswirkung bleibe festzuhalten, dass sich die Produktivität unserer Kiefernwälder um 10 bis 20 Prozent steigern werde, die Kiefer also Baum der Wahl bleiben sollte. [Allgemeine Heiterkeit.]

Die Stadtentwicklung, die gleichermaßen die Ziele Vermeidung und Adaption verfolgen müsse, bedürfe eines integrierten Energie- und Klima-Programms. Der Gebäudebereich berge das höchste CO2-Einsparpotential, selbstredend besonders beim Neubau bzw. der Bebauung seit 1970. Für den Altbaubestand jedoch würden erhebliche Sanierungsinvestitionen nötig, und Schellnhuber schlug vor, nach Einstellung des Flugverkehrs auf dem Gelände des Flughafens Tegel eine Bauausstellung für Null- bzw. Plus-Energie-Häuser zu veranstalten und sie gestalterisch an einem fraktalen Schnitt quer durch alle Berliner Bezirke auszurichten. Dem Plus-Energie-Haus, das im Unterschied zu Niedrigenergie- und sog. Passivhäusern eine positive Energiebilanz aufweist, also als kleines Kraftwerk überschüssige Energie ins Netz einspeist, gehöre die Zukunft, doch der Weg dorthin sei teuer. − Und damit eilte Schellnhuber von hinnen.

Unsere [hoffentlich nicht zu] ausführliche Darstellung seines beeindruckenden Vortrags geht natürlich leider auf Kosten der anschließenden Beiträge, die ebenfalls manch Bedenkenswerte enthielten, aber im folgenden nur kursorisch dargestellt werden können.  [Überhaupt soll’s ja in Kürze eine Dokumentation der Veranstaltung auf der SenStadt-Site geben.]

Schellnhuber mit Wasserüberleitung

Handlungsoption Wasserüberleitung von Oder zur Spree

Von Hopenhagen nach ResBONNsibility

Holger Robrecht, Bereichsleiter Nachhaltigkeitsmanagement von ICLEI(International Council of Local Environmental Initiatives)-Local Governments for Substainability, und trotz Daisy und der Deutschen Bahn rechtzeitig, aus Freiburg kommend, im EnergieForum eingetroffen, gab einen Überblick über die kommunalen Wege zur Klimaanpassung unterm vorgenannten launigen Motto.

Robrecht und Hi-Tech-Beispiel

Robrecht und Hi-Tech-Beispiel

Als Management-Experte bemängelte Robrecht an COP15 zunächst einmal die Vagheit des Leitziels sowie das Fehlen von Wegebeschreibung, Monitorings- und Evaluierungsinstrumenten − was freilich bei einem vagen Ziel nicht weiter verwundern kann. An die Stelle von Ernst Blochs Prinzip Hoffnung müsse nunmehr Hans Jonas’ Prinzip Verantwortung treten, und diese Verantwortung erfordere beispielsweise eine 80prozentige Senkung des Ressourcenverbrauchs bis 2100.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Städte und Gemeinden nicht einfach nur ihren Ressourcenverbrauch zu senken, ihre Emissionen zu mindern versuchen, sondern Nachhaltigkeit steuern, entsprechende integrative Strategien und Stadtentwicklungskonzepte erarbeiten, bei Anwendung des Versicherungsprinzips im Sinne kollektiver Risikoübernahme.

Zyklisches Nachhaltigkeitsmanagement

Zyklisches Nachhaltigkeitsmanagement

Zyklisches Nachhaltigkeitsmanagement

Planung ist lt. MGM-Gründer Goldwyn die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum. Diese Weisheit beherzigend, bedarf es korrekturfreundlicher Systeme und als zentrales Konzept stellte Robrecht das sog. Zyklische Nachhaltigkeitsmanagement vor, das ausgehend von a) der Bestandsaufnahme und ihrer Fortschreibung und b) der im Rahmen von Planungsworkshops gewonnenen Zieldefinition über c) den verbindlichen politischen Beschluss des erarbeiteten Handlungsprogramms zu d) seiner Umsetzung und deren Monitoring verläuft. Unter e) aber erfolgen Bilanzierung und Evaluierung sowie anhand periodisch zu erstellender Sachstandsberichte ggf. Richtungskorrekturen.

Lernende Städte

Die meisten Städte verfügen Robrecht zufolge zwar über Schutzprogramme, nicht aber über Anpassungsstrategien und ein Nachhaltigkeitsmanagement. Am weitesten seien, wenn es darum gehe, die Akteure in der Region auf der Grundlage von Beteiligungsprozessen mitzunehmen, − wen wundert’s − skandinavische Städte wie das finnische Tampere oder das südschwedische Växjö, die “grüne Modellstadt”, die den CO2-Ausstoß pro Kopf bereits vor Jahren um ein Viertel senken konnte und schon 2007 den “Sustainable Energy Europe Award” gewann; aber auch Tatabánya in Ungarn sei als Referenzgemeinde zu nennen oder das schwäbische Ludwigsburg, das schon seit 2004 durch Nachhaltigkeitsmanagement in seinem Stadtentwicklungskonzept ökologische, ökonomische, soziale und partizipative Momente erfolgreich zusammenzuführen sowie die breite Öffentlichkeit zu mobilisieren vermochte und als Beispiel der “lernenden Gemeinde” dienen kann.

Unterm Stichwort Vernetzung verwies Robrecht auf das Urban Climate Change Research Network der Columbia Unitversity (UCCRN),ein Konsortium von Einzelpersonen und Institutionen, das sich aus der Perspektive fortschreitender Urbanisierung der Analyse von Möglichkeiten zur Minderung des Klimawandels, Anpassungsstrategien und Energiefragen widmet sowie wegweisender fachwissenschaftlicher, ökonomischer und planungsbezogener Forschung. Das Netzwerk will die Kooperation innerhalb der Forschung, aber auch zwischen kommunalen Entscheidungsträgern und Stakeholdern zu allen Aspekten von Klimawandel und urbaner Entwicklung befördern und technische Unterstützung leisten.

Die schwierigste Hürde

Mit einer nur allzu wahren Einsicht beschloss Holger Robrecht seinen Beitrag, indem er Wolfgang Socher vom Umweltamt Dresden zitierte: “Ein Haupthindernis für erfolgreiche Anpassungsstrategien und –maßnahmen ist Besitzstandswahrung. Wir können uns leicht auf langfristige Ziele verständigen, aber nicht auf die Umsetzung von Maßnahmen, soweit sie uns, unsere Generation und unseren Besitz selbst betreffen. Insofern ist 2015 viel weiter entfernt als 2050.”

Holger Robrecht und die schwerste Hürde

Holger Robrecht und die schwerste Hürde

StEP Klima Berlin

Carl Herwarth von Bittenfeld vom Berliner Planungsbüro Herwarth + Holz stellte erste Arbeitsergebnisse bei der Umsetzung des Stadtentwicklungsplans (StEP) Klima vor.

Berlin wandert, so die Ausgangsthese, bzgl. der geographischen Breite auf die Höhe von Rom oder Barcelona, was neben gravierenden negativen Begleiterscheinungen vielleicht − allerdings nur kurzfristig − auch Chancen bietet. Stichwort: Tourismusindustrie. Die Entwicklung aber müsse, durchaus auch durch Neuorganisation, von der kompakten hin zur grünkompatiblen Stadt verlaufen.

Auf Grund der vorgefundenen baulichen Gegebenheiten mit Blockrandbebauung und dem gebietsweisen Mangel an unversiegelten Freiflächen gebe es insbesondere im innerstädtischen Bereich eine Vielzahl belasteter Räume, welchem Umstand abzuhelfen die kleinteilige Eigentumsstruktur nicht einfacher mache. Hier könne es nur darum gehen, die kleinräumigen Entlastungspotentiale etwa durch Fassaden-, Hinterhof- und Dachbegrünung, den Erhalt von Baulücken auch durch Rücknahme von Baurechten etc. zu nutzen. Zugleich blieben diese Entlastungsräume sehr verwundbar.

Relevant für eine klimaoptimierte Stadtentwicklung seien nicht zuletzt die sozialräumlichen Strukturen: Hier müsse der klimatologischen Benachteiligung sozial belasteter Bereiche begegnet werden. Eine Nachverdichtung habe jeweils höchsten stadtklimatologischen Anforderungen zu genügen!4

[Update, 15.01.10: Inzwischen hat uns Carl Herwarth von Bittenfeld dankenswerterweise seinen ausformulierten Vortrag "Klima Berlin – erste Arbeitsergebnisse" zur Verfügung gestellt, der hier, schon weil wir nur allzu knapp darauf eingehen konnten, als PDF (52 KB) runtergeladen werden kann.]

Podiumsunterhaltung

Podiumsplauderei

Podiumsplauderei

Im Anschluss an zu Bittenfeld, der von rbb-Moderator Henneberg quasi mit der Stoppuhr in der Hand nur max. 11 Minuten für seinen Beitrag bewilligt bekam und sich sichtlich stressen ließ, kam es zu einer kurzen Podiumsdiskussion, oder besser gesagt, -unterhaltung zwischen

  • Prof. Elke Pahl-Weber − Leiterin des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung
  • Claudia Gotz − Executive Director, Urban Land Institute Germany
  • Prof. Dr. Jürgen Baumüller − Stadtklimatologiedirektor a.D., Stuttgart sowie
  • Prof. Dr. Stefan Heiland − Fachgebiet Landschaftsplanung und -entwicklung an der TU Berlin

Wir schenken uns eine nähere Vorstellung der GesprächsteilnehmerInnen, nicht zuletzt weil sie trotz oder gerade wegen der mitunter bewusst provozierenden Anmoderation Hellmuth Hennebergs sich eher ein wenig mit dem Moderator  kabbelten, untereinander hingegen vorwiegend friedlich-einmütig parlierten bzw. monologisierten als kontrovers zu debattieren. − Erst in Reaktion auf die vier, allenfalls fünf Wortmeldungen aus dem Publikum, da nur lächerlich wenig Zeit zur Verfügung gestellt wurde, kam es auf dem Podium zu dosierten Divergenzen.

Prof. Baumüller legte Wert auf die Feststellung, dass in der Bauleitplanung Stuttgarts, seiner früheren Wirkungsstätte als Direktor für Stadtklimatologie, klimatische Aspekte schon seit Jahrzehnten berücksichtigt worden seien, denn im Vergleich zum Umland sei angesichts einer Differenz von bis zu zehn Grad infolge Motorisierung und Versiegelung innerstädtisch der Klimawandel ja längst eingetreten. Fünfzig Watt pro Quadratmeter gingen bspw. in Berlin als künstliche Wärmeenergie in die Atmosphäre. − Stadtentwicklungskonzepte seien zunächst einmal rechtlich überhaupt nicht verbindlich, sondern müssten Eingang in die Flächennutzungspläne finden, um die Umsetzung festzuschreiben. − Da die Sonneneinstrahlung aber erst ab 2030 gravierend zunähme, könnten wir uns mit der Entwicklung von Adaptionskonzepten durchaus noch Zeit lassen. Baumüller machte angesichts befremdeter Reaktionen im Publikum später aber noch einmal deutlich, dass es keine Zeit mehr für effektive Klimaschutzmaßnahmen gebe.

Frau Prof. Pahl-Weber erkannte in der siedlungsstrukturellen Typisierung den richtigen Ansatz, riet aber, um wirksam das Klima zu schützen, dringend zu Partnerschaften mit Städten aus Entwicklungsländern, um sie von unseren Fehlern abzuhalten, da unser eigener Beitrag hierzulande doch viel zu geringe Wirkung entfalten könne. − Auf Förderprogramme für Kommunen angesprochen, stellte Frau Pahl-Weber klar, dass sie eine Forschungsabteilung des Bundesbauamts im BMVBS leite, die keine einzelnen Kommunen fördern könne, sondern nach einem querschnittsorientierten Ansatz arbeite, fokussiert auf die private Immobilienwirtschaft −, doch in der Förderung von Baugenossenschaften, wie sie sich in Berlin vermehrt gründeten, sehe sie einen richtigen Weg.

Prof. Heiland hinterfragte den Aufruf an die zivilgesellschaftlichen Akteure, nach dem Scheitern von Kopenhagen nun die Sache eigeninitiativ anzugehen: Hier gehe es nicht nur um 190 Repräsentanten souveräner Staaten, sondern um Millionen Einzelner, von denen doch jeder warte, dass der andere anfange, weil es keinen Anreiz gebe, selber aktiv zu werden. Zudem träfen mit der Zivilgesellschaft und der Verwaltung zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander, und er könne keine Lösungen aus dem Hut zaubern, wie hier ein fruchtbarer Dialog anzustoßen sei. [Unser Dialogversuch mit dem Herrn Professor ist, wie berichtet, ja ebenfalls gescheitert.] − Frappierend war auch Heilands Identifizierung eines Zielkonflikts zwischen Klimaschutz und Anpassung an den Wandel: So könnte Baumbestand den Effekt von Kaltluftentstehungsgebieten vereiteln, Aufwuchs müsste ggf. verhindert werden, wenn er Luftschleusen blockiere, und in Wohnstraßen seien großkronige Straßenbäume schon deshalb ungeeignet, weil sich darunter die Autoabgase stauten, wodurch die Gesundheit der Anwohner gefährdet würde. − Da fragte Prof. Baumüller denn doch verwundert, weshalb es in dreißig Jahren noch Autoabgase geben solle.

Wie gesagt, für Fragen und Statements aus dem zahlreich erschienenen und fast vollzählig bis zum Schluss ausharrenden Publikum blieb kaum mehr Zeit; überziehen darf bekanntlich nur Gottschalk im Fernsehen.

Fragen aus der Zivilgesellschaft

Gefragt wurde von einem BaL-Vertreter, weshalb sich der Senat bei seinem offenbar hohen Problembewusstsein, seinen ambitionierten Strategie-Plänen und Absichtserklärungen standhaft weigere, anlässlich von dessen Sanierung die Förderung und Entwicklung des LWK und seiner Grünzüge in seine klimaoptimierte, nachhaltigkeitsorientierte Stadtentwicklungsplanung aufzunehmen, indem er die Federführung für eine integrierte Gesamtplanung mit Einbeziehung stadtökologischer Aspekte übernehme, auch wenn Tausende von BürgerInnen dies explizit fordern; sondern statt dessen lieber für eine 08/15-Gestaltung des Gleisdreieck-Parks mit schwerem Gerät ökologisch wertvollste Ruderalvegetation einer ehemals einzigartigen innerstädtischen Brachlandschaft schleife und mit einem versiegelten, kehrmaschienengerechten Wegenetz überziehen oder kürzlich die letzten zusammenhängenden Gehölze im östlichen Tiergarten durch ein ebensolches Wegenetz zerstückeln lasse.

Ein Vertreter von MediaSpree versenken fragte sinngemäß, warum sich der Senat beharrlich der Umsetzung des erfolgreichen Bürgerentscheids zum “Spreeufer für alle!” widersetze.

Und ein Vertreter des Graefekiez’ wollte wissen, weshalb die Anpassungsstrategie an den Klimawandel die bestehenden Strukturen des Immobilieneigentums fördern müsse, welche doch Segregation und Gentrifizierung Vorschub leisten und alteingesessene, aber einkommensschwache Bevölkerungsteile zunehmend aus dem Kiez verdrängen würden.

Die Stadtentwicklungssenatorin schlussfolgert

Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer

Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer

Senatorin Ingeborg Junge-Reyer, die laut Programm-Ankündigung Schlussfolgerungen aus den gehörten Beiträgen der Wissenschaftler ziehen wollte, berichtete zunächst von ihrem Erschrecken, als sie gehört habe, nach dem Gipfel-Scheitern läge nun alle Verantwortung fürs Handeln gegen den Klimawandel bei den Kommunen,  wiewohl sie durchaus die Verpflichtung der Verwaltung zu konkretem Handeln anerkenne. Doch “wir haben schon ein ungeheures Grünvolumen in unserer Stadt, das wir bewahren wollen.” Für die auf dem Tempelhofer Feld [von Senatsbaudirektorin Lüscher ungeachtet des "mehrstufigen Beteiligungsverfahrens" ganz ohne BürgerInnen-Votum] geplante IBA seien die Kernthemen: a) die soziale Integration, b) die Investorenfreundlichkeit und c) die ressourceneffiziente, klimagerechte Stadt.

Dann aber nahm die Senatorin, indem sie sich zur Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft bekannte und unter diesem Aspekt die Podiumsdiskussion gleichfalls allzu gemütlich fand, die Wortmeldungen der verschiedenen Initiativen zum willkommenen Anlass, statt Schlussfolgerungen zu ziehen, sich auf die Ebene von Kleinklein, Hickhack und Gegrantel zu begeben [zu den Details siehe unsern Videoclip ganz unten!]: Die Verantwortung für den 11 km weit fünf innerstädtische Bezirke durchfließenden LWK verortete sie mal wieder beim Vorhabenträger WSA, also dem Bund, der dafür zu sorgen habe, “dass die Bäume nicht ins Wasser fallen” und die Grünzüge mit ihrer ökologischen und sozialen Funktion erhalten blieben. Dazu brauche es keiner weiteren Planungen, sondern konkreten Handelns. [Siehe hier auch die Antwort Staatssekretärin Krautzbergers auf die Kleinen Anfrage zur stadtökologischen Sanierung des LWK von Marion Plattas (Die Linke) vom 21.12.09]

Im Hinblick auf den Graefekiez wunderte sich die Senatorin, dass es früher darum gegangen sei, die Abwanderung von Reichen aus der Innenstadt ins Umland aufzuhalten, es nun aber, da Besserverdienende wieder zurückkehrten, auch wieder nicht recht sei. “Dabei brauchen wir sie im Kiez, damit es dort Läden zum Einkaufen gibt.” − Wir ersparen uns mal, diese wohl ausreichend für sich selbst sprechende Einlassung zu kommentieren und hoffen auf Verständnis…

Und dann erfuhr die Zivilgesellschaft, dass sich der Senat die Parole “Spreeufer für alle!” gar als “Leitbild” zueigen gemacht habe −, doch wenn dann so eine Strandbar einen Teil des Ufers abzäune, um Eintritt nehmen zu können, und dies von der Initiative auch noch unterstützt werde, “weil der Besitzer mal zu einem Bier einlädt”, dann findet das Frau Junge-Reyer selbst auf die Gefahr hin, platt zu werden, nicht in Ordnung. − Während nun aber das Angesprochene ein Problem von gestern und längst geklärt ist, der Bezirk F’hain-Kreuzberg inzwischen aber ohne BürgerInnen-Beteiligung ausgearbeitete Bebauungspläne auf den Tisch legt, welche u.a. die Kernforderung eines 50 Meter breiten, öffentlich zugänglichen Uferstreifens verletzen, mit dem Erfolg, dass die BI “MediaSpree Versenken” den Sonderausschuss Spreeufer längst verlassen hat, erleichtert natürlich der Senatorin die Unterstützung jener Parole. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie dagegen ein wichtiges Instrument direkter demokratischer Beteiligung, nämlich den Bürgerentscheid, noch mit der Bemerkung abgewertet und beschädigt, es sei in Kreuzberg nun mal nicht schwer, 30.000 Unterschriften gegen irgendwas zu sammeln.

Und aus aktuellem Anlass beschloss Frau Junge-Reyer ihre Schlussfolgerungen mit der Absichtserklärung, das Monopol der S-Bahn zu brechen. Diese soll also nicht etwa rekommunalisiert werden, sondern offenbar auf demselben Schienennetz die harte Konkurrenz weiterer privater Anbieter erfahren.

So reichte denn der Spannungsbogen dieser gut dreistündigen Veranstaltung von den drängendsten Fragen, denen sich die Menschheit zu Beginn des Agenda-Jahres und einer wohl entscheidenden Dekade des 21. Jahrhunderts gegenüber sieht, bis hinunter in die tiefste Berliner Provinz.


4 [Herwarth + Holz wurden übrigens von SenStadt auch mit der "Städtbaulichen Rahmenplanung Luisenstadt" betraut und haben anlässlich eines 1. Bürgerabends am 20.10. durchaus diskussionswürdige Überlegen und von einem gewissen Problembewusstsein kündende Vorentwürfe präsentiert. − Deshalb sei an dieser Stelle auf den 2. Bürgerabend verwiesen [hier der offizielle Einladungsflyer (2 MB mit langer Ladezeit)], der am 13. Januar, 18 bis 20 Uhr, erneut in der [diesmal hoffentlich beheizten!] St. Michael-Kirche, Waldemarstraße 8-10 veranstaltet wird und Rechenschaft darüber geben soll, wie die Vielzahl der artikulierten Interessen und Bedürfnisse, Anforderungen, Anregungen und Vorschläge der BürgerInnen Eingang in die Vorplanungen gefunden haben, und dies vor dem Hintergrund, dass am 1.12.09 eine geschlossene Veranstaltung nur mit “Gebietsexperten − Institutionen, Eigentümern, Verwaltungen” zur Rahmenplanung stattgefunden hat.]

Das Elend der Grünflächenpflege

Notizen zur aktuellen Entwicklung

Toreinfahrten

Zwei Toreinfahrten für eine Teichpumpe

Von den wertvolle Stadtnatur und vergleichsweise hohen Aufenthaltswert zerstörenden Baumaßnahmen im östlichen Görlitzer Park, dessen Planung von der Freien Planungsgruppe Berlin seinerzeit übrigens so entworfen worden war, dass er gerade nicht als Radrennstrecke für schnellen Durchgangsverkehr zu missbrauchen wäre, hatten bis letzten Dienstag weder unser Bürgermeister, Franz Schulz, noch die BVV-Mitglieder irgendwelche Kenntnis. Inzwischen verlautete aus dem Fachbereich Naturschutz und Grünflächen des Xhainer Amts für Umwelt und Natur, dass die beiden neuen, einander gegenüberliegenden Toreinfahrten in der Umgrenzungsmauer deswegen geschaffen wurden, weil sonst eine Pumpe für den künstlichen Teich per Kran hätte über die Mauer gehoben werden müssen.

Fällkandidat 16

Fällkandidat 16

Auch seien nur zwei Bäume und ansonsten Gestrüpp gefällt worden, doch von den in der Fällliste aufgeführten zehn Bäumen, die “Wegeumbau” weichen müssten, sind ungeachtet eifrigen Suchens nur noch zwei (die bereits rot markierten mit den Nummern 16 und 17) außerhalb des Parks am Görlitzer Ufer auffindbar, gleich neben einem böse zugerichteten stattlichen Altbaum, dem durch eine unsinnige Kroneneinkürzung Dutzende Starkastwunden zugefügt wurden.

Hier türmt sich auch schon Baumaterial, und nicht nur die AnwohnerInnen, sondern auch ihre gewählten politischen VertreterInnen fragen sich, was das dort werden soll. [Da der Bezirk, falls denn planfestgestellt wird, gegen den 16. Bauabschnitt klagen will, immerhin kein Zubringer zur A 100...]

Schützt die alte Eiche am Fichtebunker!

Und auch an der ca. 200jährigen Eiche Nr.30 unweit des Fichtebunkers, die mit vier Meter Stammumfang das Zeug zu einem Naturdenkmal hat, aber schon in der Fällliste verzeichnet ist, will sich das Amt gleich morgen (14.12.) um 14 Uhr spektakulär zu schaffen machen, nämlich auf Anraten der Baumgutachterin Dr. Frauke-Elisabeth Schmidt in der Fachwelt höchst umstrittene Zugversuche mit einem LKW durchführen lassen. Der Baum hat in der Tat in 1,70 bis 2,50 Meter Höhe eine Hohlstelle und auch Pilzbefall, doch bleiben bekanntlich sogar gänzlich hohle Bäume noch viele Jahrzehnte stehen, da für die Statik vor allem die sog. Restwandstärke relevant ist. Diese wiederum ermittelt Fachleute per Resistograf oder/und Schalltomograf, also durch Bohrwiderstands- und Schallmessungen, aber ganz sicher nicht durch Seilziehen mit einem LKW. Als die 22 mit vierzig Betonklötzern beschwerten Bäume am Landwehrkanal (inzwischen sind es weniger und einige Klötzer weggeschafft) auch noch die zweite Wachstumsperiode durchstehen mussten, schlug der für die Korsettierung verantwortlich zeichnende Baumwertermittler, Jochen Brehm, zur Prüfung ihrer Standsicherheit derartige Zugversuche vor, doch das wurde seinerzeit nicht nur vom Grünflächenamt Mitte und vom Baumsachverständigen Dr. Barsig, sondern auch von der Vertreterin des Grünflächenamts F’hain-Xberg einmütig abgelehnt.

Killerpilze?

Lindenfällung

Fällung der Linde Reichenberger Str. 40

Und auch Baumpilze sind nicht gleich Baumpilze, z. B. gefährliche Braunfäule- von weniger bedenklichen Weißfäule-Erregern zu unterscheiden, gegen die sich ein Baum abschotten kann −, will sagen, hier kommt’s auf die korrekte Bestimmung an, woran es jedoch notorisch hapert. Die ebenfalls pilzbefallene, am 2.12. unangekündigt gefällte Silberlinde, Reichenberger Str. 40, sollte laut erstem Fäll-Gutachten den aggressiven Schwefelporling haben. Das Gegengutachten wies (wie übrigens auch bei jener Silberlinde Reichenberger/Ecke Ratiborstr.) eine falsche Pilz-Bestimmung nach: es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Weißfäule erregenden Schuppigen Porling (wegen damaligen Fehlens eines Pilzfruchtkörpers war keine exakte Identifizierung möglich, aber es wurde Weiß- und keine Braunfäule diagnostiziert). − Da jedoch dieses Gegengutachten nach anderthalb Jahren angeblich schon sein Verfallsdatum überschritten hatte, erstellte die erwähnte Frau Dr. Schmidt ein drittes, das uns allerdings nicht vorliegt, aber nach Aussagen von Grünamtsmitarbeitern einen gesundheitsgefährdenden Pilz feststellte, weshalb der Baum denn auch umgehend gefällt werden musste − und richtig: die Baumfäller litten, so geht das Gerücht, trotz Atemschutzmaske unter starken Schwindelanfällen und konnten sich nur mit Mühe auf der Leiter halten, ja auch ein Mitarbeiter des Grünflächenamts, der das Gefahrgut in seinem PKW abtransportierte, klagte über Schwindel und Brechreiz.

Wir waren bei der Fällung zufällig auch zugegen, haben aus großer Nähe fotografiert, dabei allerlei Sägespäne abbekommen, doch weder Arbeiter taumeln sehen noch bei uns selber derartige Symptome festgestellt. Schlecht wurde uns aus anderen Gründen, nämlich wegen der Art, wie mit Bäumen und den sich für sie einsetzenden BürgerInnen in einem “grün” regierten Bezirk verfahren wird.

Aber zurück zur Zugprüfung: Auch der Baumexperte des BUND lehnt dieses Experiment ab, desgleichen die davon informierten Bezirksverordneten von Grünen und Linken sowie nicht zuletzt die BIs BfK und BaL. Wir werden uns also Montag, 14.12., 14 Uhr an der mächtigen Eiche in der Fichtestraße einfinden, um gegen diese versuchte Sachbeschädigung ökologisch wertvollen öffentlichen Eigentums zu protestieren. Wir sind für jede Unterstützung sehr dankbar!

Eiche30 Fichtestraße

Eiche Nr. 30 nahe Fichtebunker in Kreuzberg

Ausgesetzt bis nach der Wahl?

55.000 Unterschriften gegen den Verkauf ostdeutscher Seen übergeben!

Der Bitte der Vorsitzenden des Petitonsausschusses, Kerstin Naumann, zu keiner Großkundgebung aufzurufen, wurde entsprochen und heute (7.9.) gegen 13 Uhr auf dem Pariser Platz nahe Brandenburger Tor nur ein schlichter Tisch mit den Unterschriften-Ordnern aufgestellt, eine Wäscheleine angebracht und  mit Unterschriften-Listen behängt.

“Rund 55.000 sind bislang über die ca. 29.000 der ePetition hinaus noch zusammengekommen”, berichtet Petitent Carsten Preuß. Vor allem der BUND Brandenburg, die Brandenburger LINKE, der Verein Pro Mellensee, aber auch andere Naturschutzvereine (darunter auch die BaL) und nicht zuletzt viele engagierte BürgerInnen haben in den vergangenen Wochen Unterschriften gesammelt. “Und solange die Bearbeitung der Petition noch andauert, können und sollten weitere gesammelt werden”, ermuntert Preuß und stellt in Aussicht, nach der Bundestagswahl, wenn der Vorsitz des Petitionsausschusses neu vergeben werden wird, eine weitere Übergabe der gesammelten Unterschriften zu organisieren.

Thema gehört in die parlamentarische Debatte!

Obschon die Zahl der erforderlichen 50.000 MitzeichnerInnen bei weitem übertroffen worden ist, geschah dies bekanntlich nicht in der vorgeschriebenen dreiwöchigen Frist, weshalb ein Rechtsanspruch, vom Petitionsausschuss zum Thema Gewässerprivatisierung in Ostdeutschland angehört zu werden, formal nicht besteht. Doch angesichts dessen, dass es auch technische Gründe hatte (unzureichende Serverkapazität), dass “nur” 28.612 Menschen die ePetition fristgerecht mitzeichnen konnten, anschließend aber binnen kurzem das Quorum weit übertroffen wurde und sich inzwischen auch namhafte Politiker von Ministerpräsident Platzeck über Umweltminister Gabriel bis zu Verkehrsminister Tiefensee (alle SPD) gegen eine weitere Privatisierung ostdeutscher Seen ausgesprochen haben, dürfen wir hoffen, dass auch im Falle einer (noch) privatisierungsfreundlicheren Nachfolge-Regierung gerade bei einem Thema von so eminentem öffentlichem Interesse − ob nämlich seit Jahrhunderten in Gemeineigentum befindliche Naherholungsgebiete quasi refeudalisiert werden sollten − die Vorschriften nicht buchstabengetreu ausgelegt werden.

Denn dass die genannten Politiker, die von amtswegen für diesen Bereich gar nicht zuständig sind, in Wahlkampfzeiten endlich mal ein Ende dieser seit der Wende munter geübten Praxis fordern und die BVVG weitere Verkäufe vorerst ausgesetzt hat, heißt eben noch lange nicht, dass sie nach der Wahl mit Verweis auf die horrenden Defizite in den öffentlichen Kassen nicht alsbald wiederaufgenommen werden, um auch noch das restliche Tafelsilber zu verscherbeln, höchstwahrscheinlich genau an jene, denen die öffentliche Hand in diesen Zeiten immerfort in nie gekanntem Ausmaß unter die Arme greift.

Jetzt müsste sich also vor allem mal der eigentlich zuständige Finanzminister Steinbrück äußern. Und nicht nur für die BVVG, auch für die Bundesimmobilienanstalt (BImA) muss es ein Moratorium für den weiteren Gewässerverkauf geben!

Weitersammeln!

Kurzum: auch die BaL sammeln am Rande ihrer Infotreffs und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit weiter Unterschriften gegen den Ausverkauf unserer Naturschätze und rufen dazu auf, nach Möglichkeit auch selber aktiv zu werden: Einfach Unterschriftenlisten runterladen, ausdrucken und, wenn sie voll ist, an die angegebene Adresse senden!

Halbzeit in der Einwendungsfrist

Btr. Planfestellungsverfahren zur so genannten Nordumfahrung

Spektewiesen 02

Ausgangspunkt Spektewiesen

Noch bis zum 9.9. liegen die Planunterlagen zur umstrittenen “Nordumfahrung”, einer Schnellstraße mitten durch ein wertvolles Naturschutz- und Naherholungsgebiet zwischen Spandau und Falkensee, im Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamt aus (Carl-Schurz-Straße 8). Es sind dieselben Unterlagen, die schon 2008 parallel im Havelland und in Falkensee der Öffentlichkeit präsentiert wurden, also z. B. ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die diesen Namen verdiente. − Was aber die Einwendungsfrist angeht, so ist jetzt mit Blick auf die Deadline des 23.9. ungefähr Halbzeit.

Die BISF sammelt auf dem Spandauer Marktplatz und andernorts fleißig Unterschriften und hat diverse Informationsveranstaltungen organisiert, auch eine nahe dem Pferdehof im Eiskeller, der nordwestlichsten, angeblich kältesten Ecke Berlins, wo dereinst das Eis aus dem Falkensee gelagert wurde, der aber sommers auch schnell zum “Heißkeller” werden kann. − Doch wenn erst Blech mit hundert Sachen hier durch brettert, dürfte es auch winters wärmer werden. Dass es soweit nicht komme, bedarf möglichst stichhaltiger und am besten individueller Einwendungen [ausgezeichnete Hilfestellungen auf der Website der BISF!], aber auch Unterschriften unter die von der BISF und ihren Anwälten, Peter Kremer und Karsten Sommer, formulierten Mustereinwendung.

Die BaL sammeln mit

Sie zu sammeln und Natur und Naherholung auch im Nordwesten der Hauptstadt zu schützen, helfen die BaL im Südosten, u.a. während ihres wöchentlichen

Freitag-Treffs
von 17:30 bis 19:30 Uhr
auf der Kottbusser Brücke in Xberg.

Wer im Augenblick nicht bis Spandau fahren, aber sich dennoch für den Erhalt eines FFH-Gebiets und einem wahren Kleinod für unsere Naherholung einsetzen will: hier kann sie/er die Sammeleinwendung mitzeichnen! Wenn nur ausreichend Quantität zusammenkommt, hoffen wir auf einen Umschlag in die Qualität und zu einem Überdenken der anachronistischen Planung auf Seiten der Verantwortlichen. Die Entwicklung im Hinblick auf den Widerstand gegen die Seeprivatisierung, dem sich mittlerweile auch namhafte SPD-Politiker angeschlossen haben, was die BVVG immerhin zum “Aussetzen” veranlasste, macht Hoffnung. Auch hier kann mensch, sofern noch nicht geschehen, bei unserm Infotreff auf der K. Brücke unterschreiben: die Masse macht’s!
Reginas Sonntagspaziergang: Allsinnliches Mobilisieren

Durch urigen Laubwald

Durch urigen Laubwald

Wer jedoch selber in Augenschein nehmen möchte, was hier auf dem Spiel steht − und das ist nur wärmstens zu empfehlen! −, die/der sei nachdrücklich aufgefordert, an

Regina Henkes
Aktionsspaziergang

am nächsten Sonntag, 6.9., durchs betroffene Gebiet teilzunehmen.

Treff um 10 Uhr
Endstation des M37
Freudstr./Goldkäferweg.
Karte

Regina, eine leidenschaftliche Flaneurin aus Reinickendorf, die schon viele Wanderungen in & um Berlin beschrieben und auch am Projekt der 20 Grünen Hauptwege mitgewirkt hat, gibt kenntnisreiche Erläuterungen zu Natur und Landschaft und (dies allerdings bewusst sparsam) zum unsinnigen, überflüssigen Bauvorhaben, da ihrer Meinung nach die eigene Anschauung die überzeugendsten Argumente liefert.

Dieser Einschätzung können wir nur vollumfänglich beipflichten!

Erhebt Eure Einwände gegen die so genannte Nordumfahrung!

Sinnfällige Argumente gegen einen unsinnigen Straßenbau

BISF-Plakat

BISF-Plakat

Seit gut einer Woche liegen die Planunterlagen zur sog. Nordumfahrung im laufenden Planfeststellungsverfahrens nun auch für die BerlinerInnen aus, und zwar im Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamt in der Carl-Schurz-Straße 8 (Raum 1103). Damit gibt es noch eine weitere Chance, diesen absurden Schnellstraßenbau mitten durch wertvolle Naturschutzflächen und Naherholungsgebiete zu verhindern, denn nicht nur die unmittelbaren AnwohnerInnen auf Brandenburger wie Berliner Seite sind berechtigt, ihre Einwände dagegen zu erheben, sondern auch alle BerlinerInnen, die dort wandern, baden, ihre Freizeit verbringen und auch weiterhin verbringen wollen! Die Pläne liegen noch bis zum 9. September aus, Einwendungen müssen bis zum 23. eingereicht werden, entweder direkt ans

Landesamt für Bauen und Verkehr
Dezernat 11 – Anhörungsbehörde
Lindenallee 51
15366 Hoppegarten

oder über die BI Schönes Falkensee. Die hat jeden Samstag bis zum 19.9. einen Infostand auf dem Marktplatz in Spandau (vor Jokers), sporadisch auch an anderen Stellen, doch dem Internet sei dank können wir Infomaterial, Textbausteine für Einwendungen und Unterschriftenlisten mit Sammeleinwendung auch von ihrer Website laden.

Die BaL e.V. sammeln auf ihrem freitäglichen Infotreff auf der Kottbusser Brücke von 17:30 bis 19:30 Uhr ebenfalls Unterschriften gegen die “Nordumfahrung”.

Vom sonntäglichen Aktionsspaziergang (16.8.)

Spektewiesen

Spektewiesen

Vergangenen Sonntag veranstaltete Regina Henke aus Reinickendorf einen weiteren Aktionsspaziergang gegen das Natur und Landschaft zerstörende Bauvorhaben, um nicht (nur) mit Plänen, Verkehrsprognosen und Statistiken, sondern augen- und sinnfällig zu zeigen, welche unschätzbaren Verluste hier drohen.

Ausgangspunkt Spektewiesen

Spektewiesen 03

Spektewiesen

Sieben TeilnehmerInnen haben sich an der Endhaltestelle des M 37 Ecke Freudstr./Golkäferweg eingefunden, und wir beginnen unsere Wanderung an den nahen Spektewiesen, einem von Wegen gesäumten, etwa 100 Hektar großen, Ende des letzten Jahrhunderts aus A&E-Mitteln der Deutschen Bahn renaturierten Grünzugs entlang der gleichnamigen Flachmoorniederung mit einer der wenigen unverbauten Wiesenlandschaften Berlins: Trocken-, Feucht- und Nassbiotopen samt wertvollen Übergangsbereichen wechseln mit ihrer je spezifischen Flora & Fauna auf relativ engem Raum einander ab.

Blauflügelige Ödlandschrecke02

Blauflügelige Ödlandschrecke © R.Henke

Vielfalt an Biotopen, Flora und Fauna

Rotwangenschildkröte

Ausgesetzte Rotwangenschildkröte

Laubsänger in den Ufergebüschen und die um Goldrute und Blutweiderich [Foto s.u.] summenden Insekten untersteichen noch die beeindruckende Stille. Auch Drosselrohrsänger brüten hier, verhalten sich jedoch um diese Jahreszeit still. In kleinen Pfuhlen des Feuchtgebiets Alter See dösen Blässrallen und Stockenten beim Froschkonzert; eine in Freiheit mächtig herangewachsene Rotwangenschildkröte sonnt sich derweil auf einem im Wasser liegenden Stamm.

Hainwachtelweizen

Hain-Wachtelweizen © R.Henke

In Trockenbereichen ist hier die Blauflügelige Ödlandschrecke, eine Rote-Listen-Art, keine Seltenheit. Zauneidechsen flitzen in Deckung, auch Ringelnattern sollen häufig sein. Am Wegesrand wächst der Hainwachtelweizen mit seinem auffälligen zweifarbigen Blütenstand, auf Trockenrasen Gras- und Heidenelke, doch die hier ebenfalls vorkommende Sand-Strohblume können wir nicht finden. − Großen blaugrün-mettalic schillernden Rosenkäfern auf dem Weg werden RadlerInnen zum Verhängnis, wie überhaupt uns FußgängerInnen in solcher Umgebung auffällt, dass auch Radfahren so völlig emissionsfrei gar nicht ist.

Haltlose Schreibtisch-Argumente

Laubwald

Weg durch Laubwald

Vor einem BISF-Plakat am Gartenzaun eines Siedlungshauses [s.o.] verdeutlicht Regina die Haltlosigkeit einiger verkehrsbezogener Argumente der Straßenplaner (solche Plakate werden wir übrigens an den Einfriedungen der Villen entlang des Falkenhagener Seeufers vergeblich suchen, wiewohl doch auch deren exklusive Lage einiges an Reiz einbüßen muss): Die Gartenstadt Falkenhöhe wird jedenfalls mitnichten umfahren, sondern vielmehr durch die Piste vom südlichen Falkenhagener See getrennt. Die Einkaufsfahrten der SpandauerInnen nach Falkensee werden gewiss nicht über die “Umfahrung”, sondern wie bisher über die Falkenseer Chausee führen, die somit in keiner Weise entlastet wird. Im Gegenteil: Schwerlastverkehr, der die mautpflichtige Autobahn nun meiden kann, würde tags und nachts zunehmen. − Doch selbst wenn es denn zu den höchst unwahrscheinlichen Entlastungen käme: der Preis an Verlärmung und Zerschneidung wertvollster Natur und beliebter Naherholungsgebiete stünde dazu in keinem irgendwie zu rechtfertigenden Verhältnis!

Überzeugen durch Zeigen

Tafel Lebensraum Baum 02

Tafel Lebensraum Baum

Um dies aber sinnlich unmittelbar zu erfassen, genügt eine solche Wanderung durchs betroffene Gebiet. Auf dem Weg von den Spektewiesen zum Falkenhagener See würde eine acht Meter breite Schnellstraße zum nervtötenden Hindernis, für die Amphibien während ihrer Wanderungszeit jedoch zu einer weiteren letalen Barriere. Dabei befinden wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet und sehen, was dieser Schutzstatus wert ist. Entlang des Seeufers klärt ein Naturlehrpfad mit liebevoll gestalteten Tafeln über den Artenbesatz von Stillgewässern, den Baum als Lebensmittelpunkt eines breiten Spektrums von Tier- und Pflanzenarten oder über Besonderheiten wie die Totholzhecke auf und mahnen, die Brutgewässer nicht als Hundebadestellen zu missbrauchen.

Macht nicht kaputt, was Euch ganz machen kann!

Biotopbaum

Biotop-Baum

Alte bruchgefährdete Eichen werden nicht einfach aus Verkehrsicherungsgründen umgehauen, sondern mit Warntafel versehen und umzäunt, denn so genanntes Tot- oder Biotopholz ist, mal von den Höhlenbrütern und Fledermäusen abgesehen, auch ein Eldorado für eine kaum zu überschauende Vielzahl anderer, immer seltener werdenden Lebensformen bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. − Entsprechend bleibt im nahen Spandauer Forst mit dem unter Naturschutz stehenden, als FFH-Gebiet ausgewiesenen Feuchtgebiet Große Kuhlake, alles Biotopholz liegen.

Hier umfängt uns wohlige Kühle, während auf den ausgedehnten, landwirtschatlich genutzten Teufelsbruchwiesen die Sonne nur so auf uns hernieder brezelt. Doch in einer Hecke thront ein Neuntöter auf seiner Warte, Feldsperlinge schwirren umher, eine Feldlerche steigt auf (ohne zu jubilieren), und am Himmel gewahren wir einen maunzenden Mäusebussard, dann eine Rohrweihe, die ein Turmfalke zu verhassen sucht. − Die westlich angrenzenden Reiherwiesen in Eiskeller sollen ebenfalls von der Trasse tranchiert werden.

Schaut’s Euch an!

Blutweiderich

Blutweiderich

Auch nächsten Sonntag will Regina Henke wieder einen solchen Spaziergang unternehmen [siehe auch einige ihrer Wegbeschreibungen hier oder hier], also am

23. August, 10:00 Uhr
Treffpunkt:
Endhaltestelle des M37

(Freudstraße/Goldkäferweg)
[Details siehe hier]

Erste Anmeldungen sind schon eingetroffen unter

Regina.Henke[at]t-online.de.

Wenn hinlänglich bekannte Argumente, wonach Tag für Tag nach wie vor über 100 Hektar Fläche in unserm Land “verbraucht” werden, auch wenn es bereits von 230.000 km Straße gerastert wird,  nicht “ziehen”: Solch praktische Überzeugungsarbeit dürfte bei den Teilnehmenden die nachhaltigste sein.

Teufelbruchwiesen

Teufelsbruchwiesen in den Hundstagen

Hier geht’s zur Foto-Galerie (‘Diashow’ anklicken)…

Sonntagsspaziergang gegen “Nordumfahrung”

Gastbeitrag

Zu Falkenhagener See und Teufelsbruchwiesen

  • Wer kennt Falkensee?
  • Wer kennt die Teufelsbruchwiesen?
  • Oder die Große Kuhlake?

Ich möchte einladen, diese schöne, noch sehr stille Gegend nahe Spandau kennenzulernen, um die Natur zu erleben und eine Vorstellung zu bekommen, was die geplante Schnellstraße anrichten würde.

Alter See, Falkenhagen

Alter See, Falkenhagen ©R.Henke

Ich finde, das geht nicht nur die Anwohner etwas an, sondern auch uns Berliner. Ich wohne in Reinickendorf und bin hier spazieren gegangen. Dann sah ich die Plakate und konnte es nicht fassen. Diese geplante Schnellstraße würde ein noch intaktes großes Naturschutzgebiet, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, darunter auch gefährdete Arten, zerstören. Der Lärm von solchen Schnellstraßen schallt sehr weit. Es gibt schon unzählige Beispiele dafür, wie solche Schnellstraßen ein ganzes Gebiet zerstören können: z. B. die A 10 in Erkner. Dort hört man den Lärm im ganzen Wald rundherum. Ein weiteres Beispiel ist die Zerschneidung des Barnimer Dörferwegs durch die A 10 und A 114. Bei der geplanten sog. Nordumfahrung wird es nicht viele Übergänge für Fußgänger geben; dieses ganze Gebiet fällt zum Wandern dann praktisch weg. An vielen Stellen sind Kreisverkehre geplant. Das Video über die geplante Trasse macht das sehr anschaulich. Wer kann sich nur so etwas ausdenken!?

Goldammer Teufelsbruchwiesen

Goldammer, Teufelsbruchwiesen ©R.Henke

Es würde durch den Straßenbau ein Naherholungsgebiet, auch für Berliner, zerstört. Ich wandere hier sehr gerne. Es ist viel ruhiger als im Stadtforst in Berlin. Noch keine Straße zerschneidet bisher den Wald. Kein Verkehrslärm − wo gibt es das in Berlin? Man kommt auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, man kann einfach von Spandau aus loslaufen, am besten vom Spektegrünzug, aber auch vom Mauerweg kommt man an vielen Stellen ins Waldgebiet “Große Kuhlake”. Auch diese grünen Verbindungen würden durch den Straßenbau zerstört. Wald kann man nicht machen. Auch neugestaltete Parkanlagen können ihn nicht ersetzen. Wald ist etwas in sehr vielen Jahren natürlich Gewachsenes. Es ist ein ganz anderes Gefühl, durch einen Wald zu laufen, als durch einen angelegten Park. Wird diese Straße gebaut, geht unwiederbringlich etwas sehr Kostbares verloren.

Ich möchte mit diesen Spaziergängen den Reichtum zeigen, den wir “gleich um die Ecke” von Berlin haben und zugleich auch zeigen, indem wir da öffentlich spazieren gehen: Wir lassen uns das nicht nehmen, sondern wollen das auch weiterhin tun!

Straßen gibt es schon genug !

Regina Henke

Zeit: Sonntag, 16. August, 10 Uhr
Treff: Endhaltestelle des M37, Freudstraße/Goldkäferweg (an den Spektewiesen)

Andere mögliche Verkehrsverbindungen:
Bus 337 “Freudstr.” oder Bus M37 “Waldkrankenhaus” bis Falkenseer Chaussee/Stadtrandstr.

Ziel: Mauerweg Radelandstr.: M37 oder Bus 130 “Waldkrankenhaus”
Dauer: 3 bis 4 Stunden (ca. 9,5 km)

« Ältere Einträge