Umsetzung der ersten, mit BürgerInnen-Beteiligung geplanten, dauerhaften Sanierungsmaßnahme am Landwehrkanal hat begonnen!
Nachdem die wasser- und landseitige Kampfmittelräumung (KMR) endlich abgeschlossen werden konnte, ging’s letzte Woche am Riedel-Anleger Maybachufer zur Sache: zunächst direkt oberhalb der ca. dreißig Meter langen eigentlichen Abbruchstelle (Abschnitt S 2) mit Einbringen der so genannten Düsenstrahlwand im Hochdruckinjektionsverfahren (HDI), was sich, wie berichtet, zur Stabilisierung der Böschung und Sicherung des verbliebenen Riedel-Gebäudes als unabdingbar erwiesen hatte. Die ganze Planung hat die Firma GuD erstellt; umgesetzt wird sie vom Unternehmen für Spezialtiefbau, Stump. − Dass es sich um die erste mit Bübe geplante Umsetzung einer dauerhaften Variante durchs WSA handelt, hob Amtsleiter Michael Scholz mehrfach hervor (hoffentlich nicht vorrangig, um uns in Mithaftung zu nehmen). Und da mit der Baustellen-Einrichtung tatsächlich, wie geplant, pünktlich am 2.11. begonnen wurde, haben die BaL eine Wette verloren (der Schlendrian im Sommer, nachdem der Beschluss über “Riedel I” bereits im November 08 gefasst worden war, machte im Hinblick auf die zügige Durchführung der Sanierung der Teststrecke [s.u.] und des Corneliusufers unruhig), aber in diesem Fall fühlen wir uns als happy losers…
Düsenstrahlverfahren
Beim Düsenstrahlverfahren wird ein Gestänge abgeteuft, das am unteren Ende seitlich mit einer Düse versehen ist. Durch diese wird, während das rasch rotierende Gestänge wieder nach oben gezogen wird, unter hohem Druck eine Zementsuspension gepresst, die den umgebenden Boden als Füllstoff verwendet, wegen der gröberen Körnung nicht ins umgebende Erdreich dringt, sondern vielmehr aus diesem eine natürliche Schalung entstehen lässt, in der nach einer Aushärtungszeit eine belastbare Säule entsteht.
Nach Herstellung der Arbeitsebene wurden vergangenen Mittwoch (16.11) mittels des an einer Lafette fixierten Bohrgeräts zunächst zwei Probesäulen niedergebracht, um das Verfahren auf die Bodenbeschaffenheit abzustimmen. Darauf wurden bis zum 20.11. sechs sog. Primärsäulen erstellt, in die nun jeweils neun Meter lange Stahlträger eingelassen werden, welche − noch rückverankert − der HDI-Wand zusätzlichen Halt schaffen sollen. Zwischen den Primärsäulen werden dann im so genannten Pilgerschrittverfahren dicht an dicht die Füllsäulen eingebracht.
Emissionsmessungen
Die Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. (KÜS) übernahm die gemäß Paragraph 3 der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (BaustellV) vorgesehenen Sicherheits- und Gesundheitsschutz (SiGeKo) mittels Emissionsmessungen, die allerdings ursprünglich, wie berichtet, die Firma KSG übernehmen sollte und die wir auch während der Arbeiten in Abschnitt 6, also vor den Linden am Tempelhofer Ufer, gefordert hatten. Warum nur am Maybachufer gemessen wird, ist angesichts dessen, dass im Vergleich zum Einbringen von HDI- die von Spundwänden ungleich häufiger durchzuführen sein wird, ziemlich unverständlich.
Am kommenden Dienstag (24.11.) wird mit dem Einrammen der insgesamt nur fünf[!] aufgeständerten Bohlen im Bereich “unserer” Linden nahe U-Bahnhof Möckernbrücke begonnen: der letzte haarige Arbeitsgang im Abschnitt 6 und doch auch eine geeignete Gelegenheit, mal die Emissionen des zum Einsatz kommenden Schnellschlag-Bärs zu messen, um die notwendigen Vergleichsdaten zu gewinnen.]
Verspundung der Abbruchstelle erst in der 2. Dezemberhälfte
Am 15./16.12. soll auf der Uferstraße ein Kran in drei Teilen angeliefert werden, die durch die Lücke zwischen zwei Bäumen “hindurch gereicht” und erst auf dem vierbeinigen Ponton im Kanal zusammengebaut werden. Es gebe keinen Anlass, sich wegen der Bäume Sorgen zu machen, betonte ein Mitarbeiter der Firma Stump. Der Kran wird dann die Stahlbohlen zum Erstellen der wasserseitigen Spundwand zureichen.
Dass hier nur eine Spundwand verpresst wird und nicht deren zwei und damit Zeit, Kosten und nicht zuletzt Lärm- und Rußemissionen gespart bzw. vermieden werden, geht auf die BürgerInnen-Beteiligung zurück, die das Amt veranlassen konnte, die ursprünglich ins Auge gefasste Sanierungsvariante zu modifizieren.
Kampfmittelsondierung an Teststrecke
Die Kampfmittelräumer Hansa Taucher machen derweil an der Teststrecke für GIKENs Crush Piler am Paul-Lincke-Ufer (nahe Bouleplatz) weiter und sollen vom dortigen großen Publikumsverkehr überrascht worden sein. Dem ist hoffentlich nicht auch die große Menge kleinteiligen Zivilschrotts zu danken, dessen Bergung diesen vorbereitenden Arbeitsgang ausdehnt. Letzten Samstag (14.11.) musste gar die Feuerwehr gerufen werden, weil jemand auf dem Boot der Hansa Taucher gezündelt hatte.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Unterrichtung der AnwohnerInnen durchs WSA − es gibt ja auch eine KITA gegenüber − soll erst Anfang nächsten Jahres anlaufen, also kurz vor der für Januar geplanten Maßnahme durch GIKEN.
Das Ingenieurbüro Obermeyer wird die Arbeiten begleiten, d.h. zu Zwecken der Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit dokumentieren und evaluieren, und hat inzwischen auch die Statik berechnet.
Die Information der Bevölkerung über die Arbeiten am Riedel-Anleger Kottbusser Brücke beschränkte sich, abgesehen von Zeitungshinweisen und der eigenen Website, aufs Anbringen einiger Hinweiszettel [siehe Foto] im unmittelbaren Umkreis.
Ergänzungen des WSA vom 23.11.
“Folgende Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit zum einen Maybach- und zum anderen Tempelhofer Ufer haben wir bisher durchgeführt:
Allgemeiner Hinweis zur Bauphase des Winters 2009 / 2010
- Informationen an die Tageszeitungen
- Briefeinwurf pro Briefkästen pro Straße, Radius ca. 300 m um die Baustellen, linkes und rechtes Ufer
- Aushänge an den Hinweistafeln / Eingangstüren der Häuser
Informationsmail (Alternativ Fax) an folgende Institutionen:
zu Maybachufer
Bezirksamt Neukölln, Ordnungsamt
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Abt. Wirtschaft, Bürgerdienste und Ordnungsamt
Türkenmarkt am Maybachufer
Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg
Türkische Gemeinde zu Berlin e.V.
Quartiersbüro Reuter-Kiez
bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft mbH, Tempelhofer Ufer
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Abt. Wirtschaft, Bürgerdienste und Ordnungsamt
Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg
Und wir haben für die Rammarbeiten 23./24.11.2009 noch mal die Anwohner des Tempelhofer Ufers mit einem Postkasteneinwurf und Hinweiszettel informiert.
Nun steht noch die Kommunikation zur Teststrecke an, da würden wir gerne mehr oder auch anderes machen, das sollten wir in der AG ‘Teststrecke’ diskutieren. Wir sind hier offen für neue Wege.”




