Reduzierung der Mischwasserentlastung

BWB-Mitarbeiter Kai Joswig informierte das Mediationsforum über die geplanten hydraulischen Sanierungsmaßnahmen mittels Erweiterung der Entlastungkanäle und Vergrößerung der Auslaufbauwerke, und zwar

  • entlang der Lausitzer Straße in Kreuzberg: Hier soll der Entlastungskanal von jetzt DN 800 auf DN 1800 erweitert werden, was dann an der Ecke Lausitzer Str./Paul-Linke-Ufer ein größeres unterirdisches Auslaufbauwerk erfordert, um den Druck der Einleitung mit Rücksicht auf den passierenden Schiffsverkehr zu reduzieren; die genaue Lokalisierung dieses Auslaufbauwerks (und damit die Anzahl der nötigen Baumfällungen!) hängt davon ab, wo Leitungsträger/Medientrassen die Verlegung des ca. zwei Meter breiten Rohres zulassen. − Womöglich gibt es auch die Alternative, ins vorhandene Auslaufbauwerk rechts und links eine Nut für Dammbalken einzubauen, um dann das nach Starkregen angestaute Mischwasser kontrolliert abzulassen, doch das wolle man während der Sanierung durch Taucher untersuchen lassen, habe allerdings auch jetzt schon auf die Hansa Taucher zurückgegriffen. [Kaum überraschend, plädieren wir im Interesse des Baumschutzes unbedingt für die zweite Variante!] Und
  • an der Ecke Fasanerstr./Müller-Breslau-Ufer: Dort soll ein Stauraumkanal für Mischwasser-Zwischenspeicherung angelegt werden, wobei allerdings auch hier noch ganz offen ist, ob ein neues Auslaufbauwerk errichtet oder das vorhandene umgebaut wird.

Beide Vorhaben befinden sich laut Joswig noch immer in der Vorplanungsphase, und das Forum werde in einer konkreteren Phase rechtzeitig eingebunden.

Naturzerstörung im Namen von Tourismus und Denkmalpflege

Die Optimierung Berlins grüner Lunge

Schlachtfeld Tiergarten

Schlachtfeld Tiergarten

Im Tiergarten reiten die Denkmalschützer- und rückwärtsgewandten StadtentwicklerInnen und scheren sich kein Deut um Vereinbarungen von gestern. Die touristische Infrastruktur muss optimiert, das Wegenetz und die bestehenden Wege müssen auf Kehrmaschinenbreite erweitert werden. Schon 2005/6 sollte nach dem Willen des Landesdenkmalamts der östliche Tiergarten und namentlich das Areal um das Venusbassin (vulgo „Goldfischteich“) denkmalgerecht rekonstruiert, Wildwuchs gerodet, Sichtachsen freigelegt und zugunsten von gerader Linie und rechtem Winkel Asymmetrien beseitigt werden, gemäß einer überkommenen, jedoch gründlich diskreditierten Symbolik, der zufolge eine Parkanlage auch von der Bändigung und Veredelung einer in ihrer unordentlichen Wildheit unvollkommenen Natur zeugen soll.

Doch ganz abgesehen von musealer Ästhetik und Reduzierung des Erholungswerts, waren die Berliner Naturschutzverbände entsetzt, wie einem weitbekannten und beliebten innerstädtischen Refugium − eben nicht nur für gestresste GroßstädterInnen, sondern auch für eine ungeahnte Vielfalt mitunter selten gewordener Arten aus Flora und Fauna – derart brutal und zerstörerisch zu Leibe gerückt werden sollte.

Artenreichtum inmitten der City

Goldfischbassin

Goldfischbassin: Sechs Bäume gefällt...

1410 Tier- und Pflanzenarten wurden im Rahmen des GEO-Tags der Artenvielfalt 2005 an einem einzigen (regnerischen) Tag bestimmt: von der Nachtigall bis zu Raritäten wie Osterluzei und Herzgespann, und Berlin gewann lässig gegen den New Yorker Central Park, in dem zeitgleich eine Artenzählung stattfand. Das Engagement der Verbände schien von Erfolg gekrönt, als Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer zusagte, den östlichen Tiergarten mit neuen Wegen und Baumfällungen zu verschonen.

perfekt

...und neue aufgestellt

Doch wenn über die Senatsverwaltung Wirtschaft, Technologie und Frauen 16,5 Mio. Euro Fördermittel von EU und Bund für die „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ [!] winken, sagt sich Frau Junge-Reyer mit Adenauer „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“, und so bewegen im Auftrag von SenStadt und LDA seit Anfang der Woche schwere Baumaschinen Erdmassen und verdichten dabei den Boden, werden gesunde Bäume gefällt und die wenigen zusammenhängenden Restgehölze durch Wegschneisen weiter verinselt, werden beim Verlegen von Wasserrohren Wurzeln „im Weg“ stehender Bäume gnadenlos gekappt, und ungeachtet geltender Regelwerke und DINormen zum Baumschutz auf Baustellen, entgegen allen Erkenntnissen und Alarmrufen von BaumschützerInnen, wonach die meisten abgängigen Bäume Berlins eben im Zuge von Bauarbeiten zu schaden gekommen sind, wird auf Baumscheiben Aushub abgekippt, schweres Baumaterial und Gerät deponiert etc. − Scheitert bei einer solchen Millioneninvestition der Einsatz eines „Bauleiter Baumschutz“ am Geld? Die Umweltverbände NABU und BUND haben gegen das Vorhaben scharf protestiert.

Ist das schon mal ein Vorschein des wort- und broschürenreich angekündigten Grünen Leitbilds Berlin? Sieht so die Beteiligung von Naturschutzverbänden und BürgerInnen an einer nachhaltigen Grünflächengestaltung aus? – Vor allem ist es nach der Schleifung der Brachlandschaft auf dem Gleisdreieck ein weiterer Fall von Sachbeschädigung an öffentlichem Eigentum herausragenden ökologischen Werts, ein weiteres Indiz dafür, dass diese Senatsverwaltung die Zeichen der Zeit penetrant ignoriert! Hier gibt’s keinen Lernprozess, kein Umdenken, keinen Paradigmenwechsel. − Und Schlimmstes ist für die „Erschließung“ des Tempelhofer Felds zu gewärtigen. [Siehe auch hier.]

Ausbau

Das Investitionsvorhaben

A 100 gebremst, aber noch nicht gestoppt

Kommt Freitag zur Erörterung der Umweltverträglichkeit ins CCB

Stop A 100

Nachdem das Abgeordnetenhaus weitere 3,1 Mio. Euro für die Planung des 16. Bauabschnitts der A 100 bis zur Vorlage der Gesamtverkehrsprognose erst mal eingefroren hat, suggerierten die Schlagzeilen in der Hauptstadtpresse [siehe auch immer unsere aktuelle Presseschau] schon zum Wochenanfang, die Kuh sei vom Eis, und folgerichtig fand noch weniger Öffentlichkeit den Weg in die derweil unbeirrt weiterlaufende Erörterung im Congress Centrum am Alexanderplatz.

VertreterInnen von BISS und BUND hoffen zwar, dass diese anachronistische Betonnerei, womit sich unsere Stadtentwicklungssenatorin offenbar ein geziemendes Wahrzeichen für ihr politisches Wirken zu errichten gedenkt, nicht zuletzt mit Blick auf die nicht mehr ferne Abgeordnetenhauswahl eines baldigen politischen Todes stirbt, doch wetten möchte niemand darauf. Und so geht es nach wie vor darum, akribisch die Fehler, Versäumnisse und offenkundigen Tricksereien in den Planunterlagen aufzudecken und mit Blick auf die noch abzuarbeitende Tagesordnung fragt sich, ob mit dem morgigen Freitag (27.11.) nach dann neun Tagen wirklich schon der letzte gekommen ist.

Ging es gestern und auch noch heute Vormittag um den Komplex Verkehrslärm und dabei u.a. um die Frage, ob die schutzwürdigen Belange weiter entfernt vom Planungsgebiet, etwa in Friedrichshain-Kreuzberg, Wohnender ausreichend in die Abwägung eingestellt worden sind, wie es nach Auffassung vom Anwalt der EinwenderInnen, Carsten Sommer, die aktuelle Rechtssprechung des Bundesverwaltungsgerichts verlangt, so wandte sich die Anhörungsbehörde nachmittags dem lufthygienischen Gutachten zu. Auch hier zeigen sich aus Sicht der EinwenderInnen etliche Ungereimtheiten: von der Konzedierung des durch die Autobahn zwar leicht anwachsenden Anteils des Schwerlastverkehrs, der sich dann aber im Straßennetz irgendwie verlieren soll, bis zu fotokatalytisch aktiven Gehwegplatten (Heidelberger Zement), welche die womöglich doch zu erwartenden Stickoxiddemissionen jenseits zulässiger Grenzwerte in Schwefeltrioxid verwandeln sollen, wobei der Nachweis der Praktikabilität − wie im Fall jener ominösen CO2-Abscheidung − indessen noch fehlt.

Morgen wird zunächst weiter die Lufthygiene erörtert, doch dann dürfte es um Umwelt und Natur, nämlich die Umweltverträglichkeitsstudie und den Landschaftspflegerischen Begleitplan gehen. Auch Inforadio und Abendschau haben sich angesagt.

Also kommt, falls Ihr könnt, in die Alexanderstraße 11 und zeigt, dass über ein für die Lebensqualität in der südöstlichen City so schicksalhaftes Vorhaben nicht ohne reges öffentliches Interesse verhandelt werden kann. Wenn NichteinwenderInnen auch kein Rederecht haben, so sind sie an Zustimmungs- und Missfallenskundgebungen und daran, der EinwenderInnen-Seite dergestalt den Rücken zu stärken, nicht gehindert!

Auch die Rammung verlief glimpflich

Verspundung unter überhängenden Bäumen bei nur minimalen Astschäden gelungen!

Der „Bauleiter Baumschutz“ am Landwehrkanal, Dr. Barsig, berichtet:

„Heute (24.11.) wurden mit der Rammung von fünf aufgeständerten Bohlen die Spundwandarbeiten am Tempelhofer Ufer erfolgreich abgeschlossen.

Nur bei der Linde Nr.25 trat mit einem 50 cm langen Rindenschaden an einem Starkast eine ernsthaftere Verletzung während der Rammarbeiten auf. Dieser konnte innerhalb von zwei  Stunden fachgerecht nach ZTV Baumpflege durch das Aufnageln einer speziellen Wundschutzfolie versorgt werden, weil die in der Nähe ansässige GaLaBau-Firma Wildwuchs das notwendige Material freundlicherweise sofort zur Verfügung stellen konnte. Ein weiterer Rindenschaden an der benachbarten Linde Nr.26 ist als weniger gravierend einzustufen, ebenso wie ein vereinzelter abgebrochener Grobast an Linde Nr. 28. Somit zeigte sich, dass die Baumkronen bei Rammarbeiten potenziell stärker gefährdet sind.

Abschnitt 6 verspundet

Abschnitt 6 verspundet | ©U.Kleimeier

Insgesamt ist aber hervorzuheben, dass durch die gute Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligten die Spundwandarbeiten unterhalb der Lindenkronen zügig durchgeführt und schneller als erwartet beendet werden konnten. Die Baumkronen konnten vollständig erhalten werden, die entstandenen Schäden sind gering bis sehr gering. Unter den gegebenen Umständen wurde der bestmögliche Baumschutz realisiert. Für künftige Sanierungsarbeiten unterhalb von Baumkronen kann festgehalten werden, dass das Einbringen und Einpressen der Spundbohlen bei simultaner Arbeitstechnik optimal möglich ist. Für die Rammtechnik besteht aus baumschützerischer Perspektive noch Verbesserungsbedarf. Insgesamt ist aber ein sehr erfreulicher Abschluss dieses Pilotprojekts zu konstatieren.“

Siehe auch hier.

Instandsetzung der Abbruchstelle Maybachufer

Umsetzung der ersten, mit BürgerInnen-Beteiligung geplanten, dauerhaften Sanierungsmaßnahme am Landwehrkanal hat begonnen!

Baustelle Maybachufer

Baustelle Maybachufer

Nachdem die wasser- und landseitige Kampfmittelräumung (KMR) endlich abgeschlossen werden konnte, ging’s letzte Woche am Riedel-Anleger Maybachufer zur Sache: zunächst direkt oberhalb der ca. dreißig Meter langen eigentlichen Abbruchstelle (Abschnitt S 2) mit Einbringen der so genannten Düsenstrahlwand im Hochdruckinjektionsverfahren (HDI), was sich, wie berichtet, zur Stabilisierung der Böschung und Sicherung des verbliebenen Riedel-Gebäudes als unabdingbar erwiesen hatte. Die ganze Planung hat die Firma GuD erstellt; umgesetzt wird sie vom Unternehmen für Spezialtiefbau, Stump. − Dass es sich um die erste mit Bübe geplante Umsetzung einer dauerhaften Variante durchs WSA handelt, hob Amtsleiter Michael Scholz mehrfach hervor (hoffentlich nicht vorrangig, um uns in Mithaftung zu nehmen). Und da mit der Baustellen-Einrichtung tatsächlich, wie geplant, pünktlich am 2.11. begonnen wurde, haben die BaL eine Wette verloren (der Schlendrian im Sommer, nachdem der Beschluss über „Riedel I“ bereits im November 08 gefasst worden war, machte im Hinblick auf die zügige Durchführung der Sanierung der Teststrecke [s.u.] und des Corneliusufers unruhig), aber in diesem Fall fühlen wir uns als happy losers

Düsenstrahlverfahren

HDI-Säulen

HDI-Säulen und Anker im Plan

Beim Düsenstrahlverfahren wird ein Gestänge abgeteuft, das am unteren Ende seitlich mit einer Düse versehen ist. Durch diese wird, während das rasch rotierende Gestänge wieder nach oben gezogen wird, unter hohem Druck eine Zementsuspension gepresst, die den umgebenden Boden als Füllstoff verwendet, wegen der gröberen Körnung nicht ins umgebende Erdreich dringt, sondern vielmehr aus diesem eine natürliche Schalung entstehen lässt, in der nach einer Aushärtungszeit eine belastbare Säule entsteht.

Einbringen des Trägers

Einbringen eines Trägers in Primärsäule ©U.Kleimeier

Nach Herstellung der Arbeitsebene wurden vergangenen Mittwoch (16.11) mittels des an einer Lafette fixierten Bohrgeräts zunächst zwei Probesäulen niedergebracht, um das Verfahren auf die Bodenbeschaffenheit abzustimmen. Darauf wurden bis zum 20.11. sechs sog. Primärsäulen erstellt, in die nun jeweils neun Meter lange Stahlträger eingelassen werden, welche − noch rückverankert − der HDI-Wand zusätzlichen Halt schaffen sollen. Zwischen den Primärsäulen werden dann im so genannten Pilgerschrittverfahren dicht an dicht die Füllsäulen eingebracht.

Emissionsmessungen

Die Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. (KÜS) übernahm die gemäß Paragraph 3 der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (BaustellV) vorgesehenen Sicherheits- und Gesundheitsschutz (SiGeKo) mittels Emissionsmessungen, die allerdings ursprünglich, wie berichtet, die Firma KSG übernehmen sollte und die wir auch während der Arbeiten in Abschnitt 6, also vor den Linden am Tempelhofer Ufer, gefordert hatten. Warum nur am Maybachufer gemessen wird, ist angesichts dessen, dass im Vergleich zum Einbringen von HDI- die von Spundwänden ungleich häufiger durchzuführen sein wird, ziemlich unverständlich.

Am kommenden Dienstag (24.11.) wird mit dem Einrammen der insgesamt nur fünf[!] aufgeständerten Bohlen im Bereich „unserer“ Linden nahe U-Bahnhof Möckernbrücke begonnen: der letzte haarige Arbeitsgang im Abschnitt 6 und doch auch eine geeignete Gelegenheit, mal die Emissionen des zum Einsatz kommenden Schnellschlag-Bärs zu messen, um die notwendigen Vergleichsdaten zu gewinnen.]

Verspundung der Abbruchstelle erst in der 2. Dezemberhälfte

Am 15./16.12. soll auf der Uferstraße ein Kran in drei Teilen angeliefert werden, die durch die Lücke zwischen zwei Bäumen „hindurch gereicht“ und erst auf dem vierbeinigen Ponton im Kanal zusammengebaut werden. Es gebe keinen Anlass, sich wegen der Bäume Sorgen zu machen, betonte ein Mitarbeiter der Firma Stump. Der Kran wird dann die Stahlbohlen zum Erstellen der wasserseitigen Spundwand zureichen.

Dass hier nur eine Spundwand verpresst wird und nicht deren zwei und damit Zeit, Kosten und nicht zuletzt Lärm- und Rußemissionen gespart bzw. vermieden werden, geht auf die BürgerInnen-Beteiligung zurück, die das Amt veranlassen konnte, die ursprünglich ins Auge gefasste Sanierungsvariante zu modifizieren.

Kampfmittelsondierung an Teststrecke

Kampfmittelsondierung an der Teststrecke

Kampfmittelsondierung an der Teststrecke ©U.Kleimeier

Die Kampfmittelräumer Hansa Taucher machen derweil an der Teststrecke für GIKENs Crush Piler am Paul-Lincke-Ufer (nahe Bouleplatz) weiter und sollen vom dortigen großen Publikumsverkehr überrascht worden sein. Dem ist hoffentlich nicht auch die große Menge kleinteiligen Zivilschrotts zu danken, dessen Bergung diesen vorbereitenden Arbeitsgang ausdehnt. Letzten Samstag (14.11.) musste gar die Feuerwehr gerufen werden, weil jemand auf dem Boot der Hansa Taucher gezündelt hatte.

Öffentlichkeitsarbeit

AnwohnerInnen-Information

WSA-AnwohnerInnen-Information

Die Unterrichtung der AnwohnerInnen durchs WSA − es gibt ja auch eine KITA gegenüber − soll erst Anfang nächsten Jahres anlaufen, also kurz vor der für Januar geplanten Maßnahme durch GIKEN.

Das Ingenieurbüro Obermeyer wird die Arbeiten begleiten, d.h. zu Zwecken der Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit dokumentieren und evaluieren, und hat inzwischen auch die Statik berechnet.

Die Information der Bevölkerung über die Arbeiten am Riedel-Anleger Kottbusser Brücke beschränkte sich, abgesehen von Zeitungshinweisen und der eigenen Website, aufs Anbringen einiger Hinweiszettel [siehe Foto] im unmittelbaren Umkreis.

Ergänzungen des WSA vom 23.11.

„Folgende Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit zum einen Maybach- und zum anderen Tempelhofer Ufer haben wir bisher durchgeführt:

Allgemeiner Hinweis zur Bauphase des Winters 2009 / 2010

  • Informationen an die Tageszeitungen
  • Briefeinwurf pro Briefkästen pro Straße, Radius ca. 300 m um die Baustellen, linkes und rechtes Ufer
  • Aushänge an den Hinweistafeln / Eingangstüren der Häuser

Informationsmail (Alternativ Fax) an folgende Institutionen:

zu Maybachufer

Bezirksamt Neukölln, Ordnungsamt

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Abt. Wirtschaft, Bürgerdienste und Ordnungsamt

Türkenmarkt am Maybachufer

Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg

Türkische Gemeinde zu Berlin e.V.

Quartiersbüro Reuter-Kiez

bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft mbH, Tempelhofer Ufer

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Abt. Wirtschaft, Bürgerdienste und Ordnungsamt

Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg

Und wir haben für die Rammarbeiten 23./24.11.2009 noch mal die Anwohner des Tempelhofer Ufers mit einem Postkasteneinwurf und Hinweiszettel informiert.

Nun steht noch die Kommunikation zur Teststrecke an, da würden wir gerne mehr oder auch anderes machen, das sollten wir in der AG ‘Teststrecke’ diskutieren. Wir sind hier offen für neue Wege.“

Halbzeit in A100-Erörterung

Mäßiges öffentliches Interesse, aber die abendliche Stunde der EinwenderInnen ist übervoll

Stop A 100

Entsprechenden Anträgen der EinwenderInnen und ihres Rechtsbeistands, Carsten Sommer, stattgebend, hat die Anhörungsbehörde, wie berichtet, die Öffentlichkeit zugelassen − doch mehr als ein Fünftel des Saals im Congress Centrum Berlin ist zu keiner Zeit besetzt −, und des weiteren allabendlich von 19 bis 20 Uhr eine Stunde reserviert, in der die Einwände unmittelbar betroffener PrivateinwenderInnen, die tagsüber verhindert sind und auch keine Vertretung organisieren können, außerhalb der thematisch gegliederten Tagesordnung erörtert werden.

Wurde von dieser Möglichkeit anfangs nur zögerlich Gebrauch gemacht, so reicht diese eine Stunde (wie übrigens vom Vertreter des Vorhabenträgers, Dr. Berger, gleich zum Auftakt am 12.11. prophezeit) mittlerweile kaum mehr aus, so dass der Vorsitzende, Michael Losch, angesichts der Redeliste schon mal EinwenderInnen daran hindert, ihre Argumente von Sachverständigen noch weiter untermauern zu lassen, oder sie implizit veranlasst, die Reihe ihrer Einwände hastig herunterzuspulen bzw. sie von vornherein zusammenzustreichen. Und auch die VertreterInnen des Vorhabenträgers lassen es in der besonderen Stimmung kurz vor Feierabend zumeist mit einer kursorischen oder summarischen Auseinandersetzung genug sein.

Sieht man sich noch dazu nicht unmittelbar, sondern vielleicht als Kreuzberger nur mittelbar betroffen und erfährt, dass die Verkehrsprognosen erstens „schon durch“ seien und zweitens z. B. für die Skalitzer Straße, insofern sie doch parallel zur A 100 verlaufe, sogar von einem Rückgang des Verkehrsaufkommens auszugehen sei, widerstrebt es trotz erheblicher Restzweifel, direkten AnwohnerInnen die knappe Zeit auch noch „wegzunehmen“.

Außer dem Abhaken der Tagesordnung im Web bleibt die Verwaltung offline

Die wenigsten BürgerInnen haben die Möglichkeit oder auch nur das Sitzfleisch [auf den schon nach einer Stunde mächtig unbequemen Plastestühlen], neun Tage die volle Distanz von elf bis zwanzig Uhr (das sind − abzüglich der Pausen, die man in Bistros am Alex verbringen kann −, siebeneinhalb Stunden) durchzustehen, was nicht als Plädoyer für ein Abgehen von der themengebundenen Erörterung missverstanden werden soll, aber die Anregung in der Auftaktveranstaltung, zeitnah wenigstens eine stichwort- oder exzerptartige Unterrichtung über das bislang Erörterte online zugänglich zu machen, so dass es zumindest grobe Anhaltspunkte dafür gibt, nicht nur an welchem Tag, sondern vielleicht auch, ob vor-, nachmittags oder erst abends ein Thema erörtert wird −, diese Anregung wurde zwar dankbar aufgenommen, doch damit hatte es auch schon sein Bewenden. Auf die nicht nur symbolische, sondern substantielle Integration von Instrumenten des eGovernment oder gar Government 2.0 auch und gerade in solche auf Transparenz, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit angelegte Verwaltungsinstrumente, wie sie eine solche Erörterung der im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens erhobenen Einwände darstellt und wie es bspw. in skandinavischen Ländern schon seit längerem Usus ist, müssen wir wahrscheinlich hierzulande noch einige Legislaturperioden warten. Nicht mal detaillierte Planunterlagen sind auf der Senatsportal zu finden [oder gut versteckt?]

Auch wir können im folgenden nur exemplarisch auf einige Themen und Beiträge von EinwenderInnen eingehen, wobei die Auswahl subjektiv und vom Zufall bestimmt bleibt.

Vom letzten Tag der ersten Halbzeit

Am 5. Tag  der Erörterung der Einwendungen gegen die Planunterlagen zum 16. Bauabschnitt (18.11.) ging es unterm Punkt A.03 Variantenuntersuchung / Alternativen / Anschlussstellen verschiedenen EinwenderInnen nach wie vor darum, das Vorhaben umfassender zu kontextualisieren. Die Punkte Verkehrsprognose und Gestaltung der Verkehrsanlage waren am 4. Erörterungstag (17.11.) in einer Flash-Animation kulminiert, welche die geschwinde Reibungslosigkeit des Verkehrsablaufs zwischen der Anschlussstelle Am Treptower Park bis zur Stralauer Allee suggestiv demonstrierte. − Als nun am Folgetag eine unmittelbar betroffene Einwenderin darauf beharrte, dass sie sich dies für die schon jetzt nicht staufrei funktionierende Elsenstraße, in die ja noch weitere 8.200 PKW „hineingepresst“ werden sollen, schlechterdings nicht vorstellen könne, wurde sie von der Chefin der Vorhabenträger-Delegation, Katrin Vietzke, lapidar beschieden, man habe die Problematik am Vortag geklärt und dem nichts hinzuzufügen. − Ungeachtet dessen wird aber die Triftigkeit der Verkehrsprognostik gerade, was die Zunahme des Verkehrsaufkommens über Stralauer Allee und Schlesische Straße Richtung Friedrichshain und Kreuzberg betrifft, von BISS und BUND nach wie vor massiv bezweifelt.

Soziologische Aspekte

Die Soziologin und BISS-Vertreterin Birte Roderberg sieht neben all den technischen und juristischen Zwangspunkten durchaus noch gewichtige aus soziologischer Sicht, die nach ihrer Meinung auf Grund unauflöslicher Zielkonflikte das gesamte Planwerk in Frage stellen. In Anknüpfung an die Ausführungen Norbert Rheinlaenders vom 16.11., die der Vorhabenträger ungerechtfertigterweise unter „nichts Neues“ abgebucht habe, wies Frau Roderberg darauf hin, dass der Senat mit seiner Autobahn-Planung verschiedenste seiner Absichtserklärungen, Selbstverpflichtungen, Leitbilder und Masterpläne zum großen Komplex Nachhaltigkeit von Stadtentwicklungsplanung und Mobilität unterlaufe und aushöhle, mit denen er sich doch gerade in jüngster Zeit anheischig mache, den internationalen Kampagnen zum Schutz von Klima und Biodiversität wie EU-Vorgaben etwa zum Gender Mainstreaming, also der geschlechtersensiblen Folgenabschätzung von Planungen, die der Amsterdamer Vertrag 1997 zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik der EU erhoben hat, Genüge zu tun. Vor dem Hintergrund des immer noch geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Mobilitätsverhaltens [von A nach B und retour (Wohnung – Arbeitsplatz – Wohnung als Regelfall "männlicher" Mobilitätsmuster) vs. von A über C, D nach B und ähnlich wieder zurück nach A (Wohnung – Hort/Kita/Schule – Arbeitsplatz – Läden – Wohnung, der sog. Reproduktionsmobilität bei den Frauen] geht es hierbei um die Förderung von Multimodaler Mobilität, wie sie etwa auch der StEP Verkehr fordert.

Zu erinnern sei ferner an den Lärmaktionsplan und den Luftreinhalte- und Aktionsplan,die Arbeit am Grünen Leitbild Berlin, das Demografiekonzept für eine lebenswerte Stadt etc.

Zumal im Aufrechnen von „27.000 entlasteten gegenüber 11.000 belasteten“ BürgerInnen würden hingegen die sozialen Gleichstellungsgrundsätze unterlaufen. Die Verpflichtungen des Staates im Rahmen seiner allgemeinen Daseinsvorsorge gälten grundsätzlich für alle, und anhand des konkreten Vorhabens sei zu überprüfen, wie das staatliche Verwaltungshandeln in diese höherrangigen Verpflichtungen eingebettet sei, gäbe es doch hier ein Zuwiderhandeln gegen das gleichstellungspolitische Rahmenprogramm (GPR) 2008 − 2011 zu rügen. Mit ihrem beharrlichen Nachhaken, wie mit dem in ihrer schriftlichen Einwendung ausführlich formulierten Ersuchen, die Kompatibilität des Vorhabens mit diesen politischen Leitlinien und Zielvorgaben zu überprüfen, denn nun konkret umgegangen werde, handelte sich Frau Roderberg allerdings nur auf der einen Seite einen längeren Exkurs des Vorsitzenden Losch ein über die Hierarchie der in den Abwägungsprozess einzubeziehenden öffentlichen und privaten Belange entsprechend ihrem rechtlichen Schutzstatus, und wurde andererseits vom Vertreter des Vorhabenträgers, Wohlfahrt, mit der vergleichsweise lapidaren Auskunft abgespeist, wonach selbstverständlich eine Prüfung der Planung unterm Blickwinkel des StEP Verkehr in jeder Phase und entlang des gesamten Trassenverlaufs erfolgt sei. Und ansonsten geschehe die Fortschreibung des Flächennutzungsplans wie des StEP Verkehr selbstverständlich auch unter Aspekten wie dem Gender Mainstreaming. −  Zu allem Überfluss wurde noch anhand von Sequenzen aus der erwähnten Animation sowie Intervall-Angaben zum Signalsystem erst „nachgewiesen“, dann aber doch eingeräumt, dass die Ampelschaltung über die Kreuzung Elsenstr./Am Treptower Park mit 13 Sekunden zwar Mutter-Kinderwagen-gerecht, von gehbehinderten Senioren allerdings eher nicht am Stück zu bewältigen sei. Gegenüber der jetzigen Situation bringe das Vorhaben immerhin keine Verschlechterung.

Geplanter Trassenverlauf

Geplanter Trassenverlauf in Treptow (click!)

Alternativen

Rechtsbeistand Carsten Sommer stellte Fragen zu zwei Alternativvorschläge zur Trassenführung bzw. -gestaltung, nämlich

a) Warum werde, um die Abtrennung von wesentlichen Grundstücksteilen in der Kiefholzstraße und den wahrscheinlichen Ruin der betroffenen Gewerbetreibenden zu vermeiden, der dortige bogenförmige Verlauf der Trasse nicht etwas nach Osten hin „gestreckt“, der Ringbahntrasse angenähert und deren Kreuzung der Autobahntrasse etwas nach Süden hin verlagert, wodurch nur ungenutzte Fläche des Treptower Güterbahnhofs in Anspruch genommen würde? und

b) Warum seien die Häuser in der Beermannstr. nicht dadurch zu erhalten, dass, bevor die Finanzierung des 17. Bauabschnitts mit Überbrückung der Spree und Untertunnelung des Ostkreuz gesichert sei, die Zubringer nur provisorisch errichtet würden?

Die Begründungen des Vertreters des Vorhabenträgers, Grenz, warum diese Alternativen leider nicht berücksichtigt würden, klangen freilich etwas seltsam:

ad a) Für das Areal des Treptower Güterbahnhofs, das bei einer veränderten Trassenführung beansprucht werden müsse, gebe es schon anderweitige Pläne;

ad b) habe der Gesetzgeber den Bedarf auch des 17. Bauabschnitts bereits festgestellt, so dass sich Grundstückserwerb bzw. -enteignung in der Beermannstraße im Fall zunächst nur provisorischer Zubringer lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschiebe. [So sicher muss sich da die Senatsverwaltung gebärden!] Eine detailliertere Auseinandersetzung mit den Alternativen behielt sich der Vorhabenträger noch vor.

Die engen Grenzen der Kompensation

Eine Anwohnerin aus der Beermannstraße schilderte detailliert und anschaulich die Elemente und Faktoren der Lebensqualität, die ihr augenblickliches Lebensumfeld böte und wollte wissen, ob und wie der Vorhabenträger dies zu kompensieren gedenke, denn ihr Mietvertrag enthalte eine Klausel, wonach der Vermieter im Planungsfall für keinerlei Entschädigung aufkomme. Die Delegationsleiterin des Vorhabenträgers, Frau Vietzke, unterschied zwischen Ansprüchen gegenüber dem privaten Vermieter, die es nicht gäbe, und jenen gegenüber dem Vorhabenträger, also dem Land Berlin, räumte aber ein, dass eine Kompensation eins zu eins natürlich nicht möglich sei, dass die Betroffenen aber Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Ersatzwohnung bekämen und die Umzugskosten erstattet würden. Für die voraussichtlich höhere Miete müssten sie − wenig überraschend − allerdings selbst aufkommen.

Nächste Woche Dienstag, 24.11., geht die Erörterung mit dem TOP A.04 Raumordnung / Städtebauliche Belange in die 2. Halbzeit, und es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Zeit bei vier verbleibenden Tagen knapp wird. − Die Öffentlichkeit ist, wie gesagt, zugelassen, sofern sie den Mund hält.

Ein Kreis schließt sich

Wenn auch noch anderthalb Arbeitsgänge ausstehen und mensch bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben soll, dürfen wir dennoch sagen: am Bauabschnitt 6 mit den berühmten vier Linden [Tempelhofer Ufer nahe U-Bhf. Möckernbrücke] hat sich nach zweieinhalb Jahren ein Kreis geschlossen. Ohne Frage geht’s bei der zukunftsfähigen Sanierung des LWK um weit mehr als den Schutz des Uferbaumbestands, doch bleibt dieser Katalysator des BürgerInnen-Engagements für den Kanal.

Wir erinnern uns

Baumbesetzung

Baumbesetzung am 23.06.07

Eines Samstags im Juni 2007 war hier ein Fällkommando angerückt, um nach den dreizehn Bäumen am Einsteinufer in Charlottenburg, den zehn Rosskastanien am Reichpietschufer in Mitte und den sechs Graupappeln am Prinzenbad in Kreuzberg, auch die „umsturzgefährdeten“ vier Linden am Tempelhofer Ufer mitsamt dem einen Eschenahorn, der nicht mal in der Fällliste verzeichnet war, im Auftrag des seinerzeitigen WSA-Chefs Hartmut Brockelmann umzusägen, um im Wortsinn radikal die angebliche „Gefahr im Verzug“ zu beseitigen, damit der ihretwegen gesperrte Kanal wieder geöffnet werden könnte, bevor die ökonomische Existenz der sich lautstark beklagenden Fahrgastschiffer vernichtet würde.

geschafft!

geschafft!

Nachdem am Reichpietschufer in Mitte und nahe dem Zollhaus in Kreuzberg heimtückisch und in skandalöser Weise während laufender Verhandlungen abgeholzt worden war, wurde die geplante Fällung am Tempelhofer Ufer während einer Pressekonferenz immerhin offiziell angekündigt − mit dem Ergebnis, dass schon in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages BaumschützerInnen kurzerhand in die Kronen kletterten und die bedrohten Bäume besetzten. Im Laufe des Vormittags eilten dann weit über hundert Engagierte herbei und formierten sich zu einer schützenden Mauer, und mit ihnen kamen auch gewählte BürgervertreterInnen von SPD und Grünen, aus BVV und Abgeordnetenhaus.

Selbstredend war auch die Staatsgewalt zur Stelle, brauchte jedoch nicht einzuschreiten, denn der Leiter des WSA-Außenbezirks Neukölln, Jörg Augsten, hielt zwar die Behauptung einer Gefahr im Verzug aufrecht, setzte sich jedoch von Anbeginn für eine Deeskalierung der Situation ein und schickte nach Rücksprache mit seinen Vorgesetzen schon bald seine Kolonne ins Wochenende, wobei er versprach, dass zumindest bis zum darauf folgenden Montag den Bäumen nichts geschehen werde − was ihm freilich niemand abnahm −, doch die Zusage hatte Bestand.

Um einerseits bei der Wiederfreigabe des Kanals das Gesicht zu wahren und anderseits den Ökowahn, dem die BaumschützerInnen anheim gefallen seien, sinnfällig werden zu lassen, wurden für 40 TEuro 20 Bäume mit schwerem Geschirr an vierzig noch schwerere Betonklötzer gepflockt, darunter auch jene am Tempelhofer Ufer. Und was damals niemand von WSA und BAW, weder Tiefbauingenieur noch Wasserbauer für möglich gehalten bzw. öffentlich eingeräumt hätte; was auch die meisten Verwaltungsangehörigen, PolitikerInnen, BürgerInnen und Presseleute, ja selbst einzelne Baumsachverständige nachdrücklich bezweifelten −, nun ist’s in einem wegweisenden, disziplinen- und ressortübergreifenden und vor allem die engagierten BürgerInnen beteiligenden Akt gelungen: Die wasserseitige Ufersicherung, deren sachliche Notwendigkeit die BaumschützerInnen freilich nach wie vor bezweifeln, der sie im Interesse der Bäume aber schließlich zustimmten, nicht ohne indessen Art und Weise der Ausführung nachhaltig zu beeinflussen −, der schwierigste Teil dieser „wasserseitigen Sicherung“ der maroden Uferbefestigung durchs Vorsetzen einer Stahlspundwand (mit sich später anschließendem Verfüllen des Raums zwischen Stahl und Stein) wurde im Abschnitt 6 bewältigt, ohne den wertvollen, stark über die Mauerkrone geneigten Bäumen auch nur einen einzigen Starkast abzubrechen, und auch Schwachäste und Zweige nur in ganz minimalem Umfang!

unverletzt

Die Linden am Tempelhofer Ufer (16.11.09) - unversehrt!

Konzertierte Aktion

Aufstieg 02

Aufstieg eines Seilkletterers

Nach diversen Anfangsschwierigkeiten in diesem Frühjahr klappte die Zusammenarbeit zwischen der Wasserbaufirma Mette, dem Maschinenführer des Subunternehmens Tauber, den vor Ort Zuständigen des WSA, der Baumpflegefirma GvL und dem von den BürgervertreterInnen durchgesetzten „Bauleiter Baumschutz“ in hervorragender, Maßstäbe setzender Weise. Der von Amtsleiter Scholz persönlich ausgegebenen Devise des „bestmöglichen Baumschutzes“ wurde vollumfänglich Genüge getan, nicht zuletzt dadurch, das Baumpfleger und Wasserbauer simultan arbeiteten und nicht ein schematisch postulierter Arbeitsraum im Vorfeld freigeholzt worden ist.

Baumschonender Wasserbau

Akrobatik

Justieren

Auf beharrlichen Druck der BürgervertreterInnen hatte sich Mette Wasserbau schriftlich verpflichtet, unter Starkästen die maximale Arbeitshöhe von sechs Metern keinesfalls zu überschreiten und sich strikt daran gehalten. Dort, wo es möglich war, längere (sc. 8,40 m) Bohlen einzufädeln, um die, den betreffenden Baum ja abermals gefährdenden Arbeitsschritte des Aufständerns und Nachpressens bzw. -rammens einzusparen [jede rot nummerierte Bohle ist noch nicht auf Endtiefe], vollbrachte der Führer des kleinen Fuchs-Seilbaggers, Franke, wahre Meisterstücke, derweil die GvL-Seilkletterer, die nun an Stelle der BaumbesetzerInnen, wenn auch erheblich weiter oben, in den Kronen saßen bzw. standen, um immer, wenn’s heikel ward, mittels einer hakenbewehrten Stange die Äste bei Seite zu biegen, einen akrobatischen Knochenjob leisteten. [Nur die im Foto rechts oben erkennbaren rot nummerierten Bohlen müssen im Unterschied zu den "grünen" noch in einem zweiten und dritten Arbeitsgang aufgeständert und auf Endtiefe gerammt werden. Nachtrag: Je nachdem, zu welchem Resultat der Prüfstatiker kommt, werden es aber nicht, wie zunächst angenommen, um die dreißig, sondern vielleicht nur fünf bis sechs Bohlen sein. Begonnen wird damit voraussichtlich kommenden Donnerstag, 19.11.]

Ökologisch nachhaltige Wasserstraßenunterhaltung

Teamwork

Zureichen einer 6m-Bohle

Alle Beteiligten standen in solch brenzligen Momenten buchstäblich miteinander in Blickkontakt; VertreterInnen von WSA, Bezirk, der BaL, AnwohnerInnen oder auch Passanten verfolgten das Geschehen hinterm Absperrgitter bisweilen mit angehaltenem Atem, und der neue Techniker in der AG LWK, Björn Röske, trotz seines noch jugendlichen Aussehens bereits zwanzig Jahre in WSA-Diensten (zuletzt ABZ Erkner), dokumentierte als Basis für Evaluierung, Qualitätsmanagement und Kostenabschätzung jede Einzelheit gewissenhaft.

Einfädeln 02

Durchfädeln

Natürlich erfordert der Baumschutz einige „Personalien“ zusätzlich und wegen der nur vier Meter Einbringtiefe müssen zur Stabilitätserhöhung die Schlösser der Bohlen auch sogleich verschweißt werden, damit die elf Tonnen und Millionen Euro schwere Presse nicht etwa ins Wasser kippt, aber der Erhalt ökologisch wertvoller und das Landschaftsbild prägender ca. sechzig Jahre alter Bäume rechtfertigt diesen Mehraufwand allemal.  Röske jedenfalls scheint das Gebot der Stunde erkannt zu haben, sei es, was ökologisch sensible Wasserstraßenunterhaltung, umweltverträglichen Wasserbau oder auch, was BürgerInnenbeteiligung am Planungsprozess angeht, und es steht zu hoffen, dass jetzt, wo der Kreis möglicher BewerberInnen für die noch immer vakanten Stellen in der AG LWK über den Personal-Pool des WSA-B hinaus erweitert worden ist, sich auch in dieser Hinsicht engagierte IngenieurInnen finden, die in ihr technisches Herangehen eine ökologische Folgenabschätzung zu integrieren bereit und in der Lage sind und öffentliche Partizipation nicht als störende Randbedingung wahrnehmen, sondern als Bereicherung und notwendiges Korrektiv schätzen lernen.

Weiter so!

Seilkletterer

Kein Ast geknickt!

Wegen der angespannten Personallage lässt die genaue Kartierung zwar noch auf sich warten, aber auf jeden Fall sind es noch viele Abschnitte mit ufernahem oder überhängendem Baumbestand entlang des Kanals, die es im Zuge dieser Sanierung noch zu meistern gilt. Möge das bisherige Vorgehen im Abschnitt 6 dabei nachhaltig stilbildend wirken! − Und Brockelmanns Würfel sollten nun auch am Tempelhofer Ufer schnell verschwinden. Ob das Absterben eines der Wipfel-Stämmlinge der hohen Weide Nr. 22 unterhalb des FußgängerInnen-Übergangs Möckernbrücke, der kürzlich von GvL endlich entfernt wurde, auf die Korsettierung des Baums zurückgeführt werden muss, bleibt zumindest strittig.

GIKEN Z-Piler mit 6m-Bohle

Versierter Geräteführer von TAUBER mit GIKEN Silent-Z-Piler

« Ältere Einträge