Nur ein Trauermarsch als ob.

Widerstand gegen A100-Verlängerung wächst!

Trauermarsch

Chopin erklingt

Eine ansehnliche „Trauergemeinde“ hatte sich Samstagmittag (21. März) an der verkehrsumtosten Ecke Am Treptower Park/Matthesstraße unweit des Park Centers versammelt, dort wo die geplante Anschlussstelle der A100-Verlängerung neunspurig (!) münden und u.a. vierzehn 130jährigen Platanen das Leben kosten soll. Mitglieder der BI Stadtring Süd (BISS) hielten Kränze, Blumengebinde und Transparente, verteilten Protest-Postkarten an die vorüberhastenden Shopper und versahen die Bäume mit Trauerschleifen, auf denen zu lesen stand: „Ich möchte nicht für die A 100 sterben“ und „Bitte retten Sie mich. Einwendungen jetzt!“ Dazu ließ der Posaunist Chopins Trauermarsch erklingen.

Trauermarsch02

Trauergemeinde

Nach der ersten Marschetappe aber machte Harald Moritz von BISS in seiner Rede klar, dass es sich hier lediglich um eine symbolische Verabschiedung handele, denn ungeachtet der nicht nur arroganten, sondern ausgesprochen waghalsigen Ansage von Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer: „Wir bauen auf jeden Fall!“, gäben sich die engagierten BürgerInnen noch lange nicht geschlagen.

Ein von den Grünen beauftragtes Fachgutachten habe erst kürzlich bestätigt, dass auf Basis der bislang vom Senat zur Verfügung gestellten Planunterlagen und Verkehrsprognosen das Vorhaben keinesfalls genehmigungsfähig sei. So sprenge bspw. die Verkehrslast für Elsenstraße und -brücke schon jetzt die Kapazität, werde aber durch die Anschlussstelle noch weiter wachsen, alternative Trassenführungen seien nicht ausreichend geprüft worden etc. Dieses gleichwohl thematisch noch relativ eng gefasste Gutachten werde in einer Anschlussbeauftragung demnächst noch erheblich erweitert und vertieft.

Trauermarsch04

In der Beerstraße

Vor allem, so betonte der BISS-Sprecher, werde die Feinstaubbelastung, die ja schon jetzt allzu oft überm Limit liege, dann die zulässigen Grenzwerte mit Sicherheit erheblich überschreiten. Hiergegen seien neben der Verbandsklage des BUND auch Klagen verschiedener AnwohnerInnen in Vorbereitung. Neben weiterer Verlärmung und Verschmutzung würden gewachsene Nachbarschafts- und Kiezstrukturen zerstört, und wenn älteren Leuten, die ihren fußläufig zu erreichenden Kleingarten seit Jahrzehnten sommers geradezu als Lebensmittelpunkt erführen, angeblicher Ersatz am jenseitigen Ende von Bukow offeriert werde, belege dies bloß die Bürgerferne des Behördendenkens.

Beerstraße

Fällige Häuser, fällige Bäume

Doch nicht nur die Menschen seien betroffen, sondern mit der Fällung von ca. 300 Bäumen, wovon 160 der Baumschutzverordnung unterlägen, sowie der Vernichtung einer Vielzahl von Biotopen durchs Verschwinden Hunderter von Gärten würden auch Niststätten, Habitate, Rückzugsgebiete und Nahrungsquellen für ein ganzes Spektrum von Tierarten zerstört: von der Zauneidechse über Kohl- und Blaumeise, Haus- und Gartenrotschwanz bis hin zu Igel und Zwergfledermaus.

Erfreulich aber sei, dass nun neben dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, dessen BVV sich pikanterweise auch mit den Stimmen von SPD, die den Antrag sogar einbrachte, sowie der Linken gegen das Vorhaben ausgesprochen habe, nun auch aus Lichtenberg ähnliche Signale kämen. Damit komme neue Bewegung in die Sache.

Einwendungen jetzt!

Eminent wichtig sei jetzt, dass bis zum 23.4. noch möglichst viele individuell formulierte und begründete Einwendungen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einträfen. Hilfestellungen finden sich auf der Website der BI unter www.stop-A100.de.

Nach Dekorierung der potentiellen Todeskandidaten unter den Bäumen schritt der Zug ein Stück weit den geplanten Verlauf der Trasse über Matthes- bis zur Breemstraße ab, in der vier Wohnhäuser (drei davon frisch saniert) abgerissen werden sollen. Aus Fenstern und von Balkonen hingen verschiedentlich Protest-Transpis und Trauerflore. − Und auch hier wäre der die Straße säumende Baumbestand natürlich fällig. − Angesichts dessen, dass Berlin verglichen mit anderen deutschen Städten, ja auch z.B. mit Prag, pro Kopf der Bevölkerung eine viel geringere Autodichte aufweise mit weiter rückläufiger Tendenz, so ein Mitglied der Neuköllner Grünen,  setze der Senat mal wieder ein völlig falsches Signal.

Gut vier Wochen sind’s noch bis zum Einsendeschluss am 23. April, weshalb wir unsern Aufruf erneuern: Lasst uns SenStadt mit Einwendungen nur so überfluten, damit die Verantwortlichen vielleicht auf diese Weise im Superwahljahr erfahren, was ihre Arbeitgeber, sprich: die BürgerInnen von ihren Plänen und Entscheidungen halten!

Wir fangen erst an!

Wer Autobahnen sät, erntet Widerstand!

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