Kampfmittelsondierung unter baumsachverständiger Aufsicht
Nach einigen missglückten Anläufen mit geplatzten Schläuchen und verbogenem Gestänge ist nach dreiwöchiger Verzögerung die Kampfmittelsondierung der SeaTerra GmbH nunmehr in die Gänge gekommen.
Zunächst geht es um den Bereich vor den betongesicherten Bäumen an Schöneberger und Tempelhofer Ufer in Kreuzberg, wo entlang einer jetzt zu sondierenden Trasse im Herbst die Spundbohlen eingepresst werden sollen, damit die angeblich abrutschgefährdete Ufermauer wasserseitig gesichert und die Bäume endlich vom Beton erlöst werden können.
Das sog. Schwimmgefäß namens Delphin III, worauf sich der Ausleger und davor der Ponton mit der Vorrichtung zum Einpressen der Sonde und der Messapparatur befinden, ist so breit, dass ein gleichzeitiger Schiffsverkehr unmöglich ist, weshalb, um die Fahrgastschifffahrt nicht zu beeinträchtigen, die Sondierungsarbeiten von Mitternacht bis zehn Uhr morgens durchgeführt werden.
Da die Mittelachse des „Schwimmgefäßes“ von der Uferkante ca. 4 Meter entfernt ist und das Rohr mit den Sonden nicht im Ganzen, sondern in Meterstücken, die jeweils zusammengesteckt werden, in die Kanalsohle getrieben wird, gibt es für die überhängenden Uferbäume, hauptsächlich Linden und Weiden, nur in Einzelfällen und dann auch nur im Schwachast-Bereich Probleme, die also nicht gravierend sind.
Störende Äste mit Kletterseilen hochgebunden
So weit irgend möglich, werden die Äste von Mitarbeitern der Baumpflegefirma GvL mit Kletterseilen aus Nylon seitwärts weg- oder hochgebunden, welche erprobte Methode auch hier anzuwenden, der vom WSA beauftragte Baumsachverständige Dr. Barsig vorgeschlagen hat. Er beaufsichtigt nun gewissermaßen als „Bauleiter Baumschutz“ die Durchführung der Maßnahmen, kontrolliert auch zuweilen des Nachts vor Ort den Fortgang der eigentlichen Sondierung und beurteilt die Sache mit Blick auf die Bäume als insgesamt erfolgreich. Nur ein geringerer Teil der Äste und Zweige der Linden an Möckernbrücke bzw. Tempelhofer Ufer musste gekürzt werden, und zwar um ca. ein Sechstel. An der Weide nahe Technikmuseum konnten die vorderen Girlanden aufgrund der Arbeitstechnik der Munitionstrupps erhalten werden, die hintere Girlandenreihe der Weidenzweige wurde eingekürzt, wird aber schon bald wieder nachgewachsen sein. Vermutlich werden die Arbeiten bis nächste Woche dauern; danach wird die Verseilung wieder abgebaut.
Grünamtsvertreter würde mehr schneiden

Vorbesprechung
Bezeichnend übrigens die Haltung des Kreuzberger Bezirksamtsvertreters während der Vorbesprechung: Mehrfach weist er auf die Möglichkeit hin, im Einklang mit der Berliner Baumschutzverordnung Äste bis 15 cm Umfang genehmigungsfrei zu kürzen, rät wiederholt zum Freischneiden des Lichtraumprofils und schlägt schließlich allen Ernstes vor, schon jetzt all das einzukürzen, was dann im Herbst bei der Spundwandeinpressung im Weg sein könnte, damit im Interesse des Steuerzahlers der Steiger nicht zweimal in den Baum müsse. Schließlich bremst WSA-Ingenieur Albrecht Biewald regelrecht. Andererseits muss sich jedoch derselbe Mitarbeiter des Grünflächenamts darauf hinweisen lassen, dass bei zwei Bäumen abgestorbene, die Verkehrssicherheit beeinträchtigende Starkäste („Unglücksbalken“) vielleicht entdeckt, aber nicht entfernt worden sind. Zugegeben: Außer uns darf hier ja augenblicklich niemand verkehren. − Die Totholzbeseitigung übernimmt jedenfalls die Firma GvL.

