BaumschützerInnen-Info vom 27.06.08
Desinteresse der Politik erregt Verdruss!
Im Namen des Forums lud das Mediationsteam die PolitikerInnen zum Meinungsaustausch über den Stand des Mediationsverfahrens zur Zukunft des Landwehrkanals, doch − bis auf einen Landespolitiker der Grünen und einen Kreuzberger Bezirksverordneter der CDU war niemand interessiert, auch nicht jene PolitikerInnen, die im letzten Herbst direkt Kontakt mit den MediatiorInnen aufgenommen und am Forum hatten teilnehmen wollen, was dieses jedoch seinerzeit abgelehnt hatte. (Sollte diese Verschnupfung auch jetzt noch nicht kuriert sein?)
Die Fraktionsvorsitzenden und verkehrspolitischen SprecherInnen der Parteien im Deutschen Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhauses, der Regierende Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden in den Bezirksverordneten-versammlungen sowie die BürgermeisterInnen der betroffenen Bezirke − alle waren sie eingeladen, doch ganze 2 (zwei) Bezirksbürgermeister hielten es wenigstens überhaupt für nötig abzusagen, und zwar aus terminlichen Gründen.
Auch z. B. von der Tempelhofer Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert (SPD), die sich zugute hält, am Zustandekommen der Mediation maßgeblich beteiligt gewesen zu sein und die von Verkehrsminister Tiefensee laut dessen eigener Aussage gar als sein „Brückenkopf im Verfahren“ ausersehen war, kam keinerlei Reaktion.
Solches Desinteresse von Seiten der Politik verdient schon, skandalös genannt zu werden! Andererseits verwundert einigermaßen die Kurzsichtigkeit und mangelhafte Sensibilität , welche ungeachtet allen Schwadronierens von nachhaltiger Verkehrspolitik, nachhaltiger Stadtplanung, Grüner Metropole, Klima-, Biotop- und Biodiversitätsschutz weder Regierungs- noch OppositionspolitikerInnen am Landwehrkanal − immerhin eine 11 km lange denkmalgeschützte innerstädtische Wasserstraße mit begleitendem Grünzug − noch irgendeine Profilierungschance sehen lässt.
Daran aber, dass ungeachtet der oft wiederholten Forderung der BI die politischen EntscheidungsträgerInnen ihm standhaft fernbleiben, krankt das gesamte Verfahren und droht, sobald versucht wird, den Blick über die Oberkante Ufermauer, also die Grenze der unmittelbaren WSA-Zuständigkeit hinauszuheben und Gesichtspunkte und Interessen jenseits der bloßen Reparatur einer Kaimauer ins Auge zu fassen, in ein wortreiches, zeit- und energieintensives und dennoch leeres Kreisen um sich selbst abzudriften.
Törkel soll kommen!
Nach unbestätigten Informationen hat übrigens der zuständige Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium (BMVBS), Bernd Törkel, wiederholt seine Bereitschaft bekundet, an einer Forumssitzung teilzunehmen, doch auf Seiten der WSD hat man dafür keine Veranlassung gesehen. Hier scheint man entschlossen, die Unterhaltungsmaßnahme so durchzuführen, wie man es gewohnt ist und darum unbekümmert, dass, wenn dann in wenigen Jahren abermals Reparaturbedarf auftritt, man sich wird fragen lassen müssen, warum die Chance einer umfassenden Lösung der Problematik vertan und durch Stückwerk das Ganze nur in jedem Betracht verteuert wurde −, von der verpassten Gelegenheit einer beispielhaften und zukunftsweisenden Gestaltung etwa im Rahmen eines Pilotprojekts nachhaltiger Stadtentwicklung mit Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus mal ganz abgesehen.
Wie das Mediationsforum mit diesem Desinteresse der Politik an einem Vorhaben umgeht, das ja auch für manch andere Verfahrensbeteiligte längst nicht diese stadtplanerische, städtebauliche und ökologische Relevanz hat, steht noch aus. Zu einer gemeinsamen Presseerklärung und Missfallensbekundung mochte man sich nicht aufraffen − „wir haben doch noch gar nichts vorzuweisen!“ −, und angesichts des dicht hinter dem EM-Fieber gähnenden Sommerlochs scheint die Zeit für die BI, die evtl. Gekränkten nun selber zu einer politischen Diskussionsrunde einzuladen, inzwischen auch allzu knapp.