BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08
Showdown im Pankower Umweltausschuss
Das Gutachten zu den Traubenkirschen von Dengler/Rinn
Ebenfalls am 29. Mai präsentierten die Baumsachverständigen Roland Dengler und Frank Rinn im Umweltausschuss der Pankower BVV ihr so umfängliches wie umstrittenes Gutachten zu den Traubenkirschen im Gleimviertel, während der Baumsachverständige Dr. Michael Barsig, den der Bügerverein Gleimviertel seinerzeit als “Lesehilfe” engagiert hatte, als das zwei Aktenordner umfassende Gutachten erstmals der Presse vorgestellt wurde, seine damalige kritische Stellungnahme verteidigte bzw. bekräftigte.
Der Tenor des Amtsgutachtens besteht darin, dass die Traubenkirschen zwar von der Gartenamtsleiterkonferenz (”probeweise”) anerkannte Straßenbäume sind, aber im vorliegenden Fall Mitte der 80er Jahre offenbar keine ausreichend verschulten, also auf Verpflanzung vorbereitete Jungbäume verwendet und auch die Pflanzstandorte unzureichend vorbereitet worden seien. Bei den wenigen überhaupt untersuchten gefällten Bäumen wurde nachgewiesen, dass die normalerweise senkrecht in die Tiefe reichende Haupt- oder Polwurzel jeweils überhaupt nicht mehr vorhanden war, irgend wann abgebrochen sein musste und dass durch die Wunde dann die Fäule “domartig” (Dengler) im Baum emporgestiegen sei. Zum anderen, dass die umgestürzten Bäume (70 Stück in 13 Jahren) an einer ihrer Seitenwurzeln, denen auch die sog. Senker, also vertikal wachsende Wurzeln, regelmäßig fehlten, einen sog. Torsionsbruch aufwiesen, gewissermaßen die Sollbruchstelle — doch an wie vielen Bäumen dieses Schadensbild tatsächlich nachgewiesen wurde, blieb unklar.
Da sich nun die Hauptschädigung der Bäume im Wurzelbereich befand, oberirdisch aber keinerlei Symptome darauf hindeuteten, habe das Amt für Umwelt und Naturschutz (AUN) auch richtig gehandelt, indem es äußerlich vital erscheinende Bäume gleichwohl fällen ließ — ein höchst frappierendes Urteil, denn auch nach Dengler war ein Drittel der zur Fällung auserkorenen Traubenkirschen gesund. Die eifrige gutachterliche Freisprechung des AUN von jedwedem Fehlverhalten zahlte sich jedenfalls in einer ständigen Erhöhung des zu begutachtenden Baumkollektivs aus, ohne dass die BI darüber informiert worden wäre, und umfasst jetzt mit 820 Bäumen den gesamten Pankower Traubenkirschenbestand. Beauftragt wurde allerdings allein Roland Dengler, der Frank Rinn lediglich in der Rolle eines Subunternehmers hinzuziehen will.