BaumschützerInnen-Info vom 03.03.08
Themen der 2. Sitzung des Arbeitskreises Nachhaltige Schifffahrt und Wirtschaft (28.02.):
Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit
Angesichts der während der letzten Saison, ungeachtet wiederholter Ermahnungen an Reeder und Schiffsführer, registrierten Geschwindigkeitsüberschreitungen (durchschnittlich 2,5 km/h) der Fahrgastschiffe und der Tatsache, dass die Wasserschutzpolizei personell und materiell zu effektiver Kontrolle nicht in der Lage ist, wurde von einem BI-Mitglied vorgeschlagen, gemeinsam mit TU-Studenten der Ingenieurwissenschaften die Geschwindigkeitsmessungen auch während der kommenden Saison fortzusetzen bzw. entsprechende Messstationen zu unterhalten sowie Anzeigetafeln aufzustellen, doch wird dafür weder seitens der Reeder noch des WSA eine Notwendigkeit gesehen. Neue, dem Einrichtungsverkehr und dem Wegfall der Vorschleusung Rechnung tragende Fahrpläne nähmen von den Schiffsführern den psychischen Druck, Verspätungen herausholen zu müssen. Der Vertreter von Stern und Kreis schlägt stichprobenartige Messungen vor und verspricht zudem, alle Schiffe mit GPS auszurüsten.
Die Vorschriften zur Geschwindigkeitsbegrenzung und Vermeidung von Wellenschlag sind laut Jens Dingler vom Schifffahrtsbüro im Elektronischen Informationssystem für Binnenwasserstraßen (elwis) zugänglich, doch leider konnten wir sie dort nicht finden… Überhaupt erhebt sich die Frage, wie die Einhaltung des Vermeidungsgebots von Wellenschlag überhaupt kontrolliert wird. Und besteht nicht vielmehr die Notwendigkeit, die existierende Flotte danach zu beurteilen, ob sie diese Vorschriften technisch überhaupt einhalten kann? Laut Max Hiller vom Wirtschaftsverband Wassersport hingegen werden Sog und Wellenschlag erst bei Geschwindigkeiten von über 10 km/h zum Problem, während Jörg Augsten vom WSA eine Verwechslung mit Schwall und Sunk konstatiert, an dieser Stelle aber nicht theoretisieren mag, sondern anlässlich der gemeinsamen Befahrung des LWK am 4. April praktischen Anschauungsunterricht in Aussicht stellt.
Bettina Kummerlöw, u. a. Leiterin der Wasserstraßenüberwachung beim WSA, spricht von einem System Schiff-Wasserstraße: Hier müssten jeweils schiffstypisch die Auswirkungen auf die Uferwände ermittelt werden. (So sei etwa der Teltowkanal als ehemaliger Treidelkanal für die jetzt darin verkehrenden Schiffstypen unterbemessen.) Beim LWK seien angesichts der Variablen von Senkrecht-, Schrägufer und Sohle gar keine Pauschalaussagen möglich, sondern spezielle Überprüfungen zu beauftragen. Frau Kayser von der Obersten Denkmalbehörde unterstrich noch einmal, dass der LWK keinesfalls so hergerichtet werden könne, dass alles darin möglich werde, was übrigens auch als Einwand gegen Anzeigetafeln zu verstehen sei.
Ein Reeder-Vertreter bestätigt, dass der Ist-Zustand ein Krisenmanagement erfordere, wozu neben dem Einrichtungsverkehr für Boote ab 5 PS und der Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Kontrolle von deren Einhaltung gehöre. Ansonsten seien seine Fahrgastschiffe eigens für den LWK konstruiert, und einer Lösung, die sie aus dem Kanal drängen wolle, werde er selbstredend niemals zustimmen. — Hier ist natürlich festzuhalten, dass niemandes wirtschaftliche Existenz gefährdet werden soll, doch dass der Ist-Zustand der jeweiligen Flotten natürlich auch nicht sakrosankt ist, sondern ggf. mit öffentlicher Förderung nachgerüstet werden muss, die dann aber eben nicht in Filteranlagen für fossile Technik verschwendet werden, sondern in emissionsarme Innovationen fließen sollte.
Ein BI-Vertreter fordert die Hinzuziehung externen Sachverstands im Hinblick auf Berechnungen des tolerablen Strömungseintrags, wenn der LWK nachhaltig im Sinne des Denkmalschutzes saniert werden solle, und konstatiert einen notwendigen Zusammenhang zwischen dem Strömungsverhalten der Schiffstypen und der zu wählenden Sanierungsvariante. Ansonsten könne man im Extremfall den LWK mittels Stahlspundwänden auch Speedboat-tauglich modernisieren (s.o.), doch der vorgeschlagene Dr. Eißfeldt von der BAW scheint Frau Kummerlöw in diesem Zusammenhang nicht der geeignete Experte. [Wir erinnern uns beispielsweise an die klaren Worte, mit denen Eißfeldt seinerzeit den Schiffsverkehr als ursächlich für die Zerstörung der Uferbefestigungen benannte.]
Da die Diskussion in Themenbereiche anderer AKs wie Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen oder Sanierung abzudriften drohte, wurde vereinbart, im Bedarfsfall Amtsleiter Scholz in den erstgenannten einzuladen.
Oliver Ginsberg sagte,
8. März, 2008 um 21:11
Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass die Europäische Kommission in 2006 ein Programm zur Förderung der Binnenschiffahrt (NAIADES) – siehe hier: aufgelegt hat , “damit die Wettbewerbsfähigkeit und eine auf Dauer tragbare Mobilität gewährleistet sind”. Das bis 2013 angelegte Programm sieht u.a. in Bezug auf die Erneuerung der Flotte vor: “Die Forschung im Bereich wirtschaftlich tragbarer Brennstoffe ohne Kohlenstoffanteil, z. B. Brennstoffzellen und emissionsfreie Motoren, sollte ebenfalls aktiv fortgeführt werden.”
Ergebnis der Bestrebungen ist beispielsweise ein Pilotprojekt im Hamburger Hafen, wo ab Sommer 2008 ein emissionsfreies brennstoffzellenbetriebenes Fahrgast-Schiff mit einer Kapazität von 100 Personen (25,5m Länge, Tiefgang 1,2m, senkbares Dach 2,65-2,3m für besonders niedrige Brücken) fahren wird.
Quelle:
Wenn von Seiten der BI also emissionsfreier Verkehr für den Landwehrkanal gefordert wird, so ist das keine Spinnerei, sondern Anspruch an Wirtschaft und Berliner Senat hier wenigstens den Anschluss nicht zu verlieren.
Leider ist es so, dass aufgrund des praktischen Nutzungs-Monopols(Oligopols) der jetzigen Reeder keinerlei Innovattionsdruck herrscht, denn an Nachfrage mangelt es nicht – gefahren wird also irgendwie immer. HIer sind also vor allem Politik & Verwaltung gefordert, entweder entsprechend auf die Reeder einzuwirken oder dafür zu sorgen, dass innovative Angebote von neuen Anbietern möglich sind, indem das Management der Anlegestellen grundsätzlich von den Reedern getrennt und im Sinne einer Gemeinschaftsnutzung für emissionsfreie Anbieter geöffnet wird.
Oliver Ginsberg sagte,
8. März, 2008 um 21:29
Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass die Europäische Kommission bereit 2006 ein Programm zur Förderung der Binnenschiffahrt aufgelegt hat, welches auch auf die “Forschung im Bereich wirtschaftlich tragbarer Brennstoffe ohne Kohlenstoffanteil, z. B. Brennstoffzellen und emissionsfreie Motoren” zielt.
Quelle: Die Forschung im Bereich wirtschaftlich tragbarer Brennstoffe ohne Kohlenstoffanteil, z. B. Brennstoffzellen und emissionsfreie Motoren
Ein Ergebnis dieser Bestrebungen ist, dass ab Sommer 2008 das erste emissionsfreie Fahrgastschiff mit Brennstoffzellenantrieb in Hamburg fahren wird (Länge 25,5m, Tiefgang 1,2m, höhenverastellbatres Dach 2,3-2,65 m, Kapazität 100 Personen)
Quelle:
Wenn die BI also perspektivisch einen emissionsfreien Verkehr auf dem Landwehrkanal fordert, so ist das keine Spinnerei, sondern die Forderung an Berliner Senat und die lokale Wirtschaft wenigstens den Innovationsanschluss nicht zu verpassen.
Leider herrscht aufgrund der quasi monopolartigen Stellung der Reeder am Landwehrkanal – insbesondere die Kontrolle über die Nutzung der Anlegestellen – kein besonderer Innovationsdruck, denn neue Anbieter haben praktisch keinen Zugang für emissionsfreien Fahrgasttransport und die Reeder selbst sehen sich im Moment zur Realisierung emissionsfreier Angebote nicht in der Lage.
Hier sind Politik und Verwaltung gefordert entweder entsprechend auf die Reeder einzuwirken oder dafür zu sorgen, dass die Anlegestellen in Zukunft für Gemeinschaftsnutzung geöffnet werden, indem das Management der Anlegestellen grundsätzlich von den Reedereien getrennt wird. Was bei Telekommunikation und Energieversorgung für mehr Wettbewerb gesorgt hat dürfte auch am Landwehrkanal nachhaltige Früchte tragen.
xonra sagte,
10. März, 2008 um 9:12
Die fossile Fahrgastschifffahrt in Berlin wird durch die “neuen” Schiffe der Reederein auf Jahrzehnte fortgeschrieben. Der Senat von Berlin, allen voran der Abteilungsleiter für die Luftreinhaltung bei der “Gesundheitsverwaltung” Herr Dr. Breitenkamp – wirbt offenbar derzeit für die Anschaffung von Rußfiltertechnik.
Hier fehlen eindeutig zukunftweisende politische Rahmenbedingungen die nicht von kurzfristigen Wirtschaftsinteressen dominiert werden.